Holzhäusern
Bohrkopf «Simone» startet inden Untergrund
Effektive Zusammenarbeit stärkt den Schutz in Krisenzeiten. Foto: AdobeStock
Die weltpolitische Lage ist angespannt, Naturereignisse nehmen zu und hybride Bedrohungen stellen uns vor neue Herausforderungen. Auch der Kanton Zug setzt sich intensiv mit der Frage der Sicherheit der Bevölkerung in Krisenzeiten auseinander. Dabei rückt neben staatlichen Strukturen zunehmend auch die Eigenverantwortung der Bevölkerung in den Fokus.
Die Sicherheit der Bevölkerung gehört zu den zentralen Aufgaben eines Staates. Doch in einer Welt, die von geopolitischen Spannungen, Naturkatastrophen, Pandemien und neuen Formen der Bedrohung geprägt ist, wird diese Aufgabe zunehmend komplexer. Auch in der Schweiz – und damit im Kanton Zug – stehen Behörden vor der Herausforderung, ihre Schutzsysteme laufend anzupassen und weiterzuentwickeln. «Herausforderungen im Bevölkerungsschutz und die Bedeutung der Selbstvorsorge in angespannten Zeiten » war daher auch der Titel einer Veranstaltung der Arbeitsgemeinschaft Wirtschaft und Gesellschaft (AWG) des Kantons Zug. Sie fand am 4. März in der Schönau in Cham statt und stiess auf grosses Interesse. Rund 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren gekommen.
Als Referierende gaben Regierungsrätin Laura Dittli, Sicherheitsdirektorin des Kantons Zug, sowie Dominik Schwerzmann, Leiter des Amts für Bevölkerungsschutz, Zivilschutz und Militär, einen Einblick in die aktuellen Herausforderungen im Bevölkerungsschutz. Sie beleuchteten die sicherheitspolitische Lage und erläuterten die Aufgaben und Verantwortlichkeiten von Kantonen und Gemeinden bei der Bewältigung von Krisen. Ein zentraler Schwerpunkt lag auf der Bedeutung der Selbstvorsorge der Bevölkerung. Gleichzeitig wurde die wichtige Rolle des Zivilschutzes als tragende Säule des Bevölkerungsschutzes im Kanton Zug hervorgehoben. Während die Schweiz lange Zeit als besonders stabil und sicher galt, haben die vergangenen Jahre gezeigt, dass auch ein gut organisiertes Land nicht vor Krisen gefeit ist. Der Bevölkerungsschutz in der Schweiz basiert auf einem bewährten System der Zusammenarbeit. Bund, Kantone und Gemeinden übernehmen jeweils klar definierte Aufgaben und koordinieren ihre Massnahmen im Ereignisfall. Zum System gehören unter anderem Polizei, Feuerwehr, Gesundheitswesen, technische Betriebe sowie der Zivilschutz. Im Kanton Zug arbeiten diese Organisationen eng zusammen, um auf unterschiedlichste Ereignisse vorbereitet zu sein. Dazu zählen Naturgefahren wie Hochwasser oder Stürme, technische Störungen etwa in der Energieversorgung, aber auch sicherheitspolitische Krisen oder humanitäre Notlagen.
Gerade angesichts globaler Entwicklungen gewinnt diese Zusammenarbeit weiter an Bedeutung. Cyberangriffe auf kritische Infrastrukturen, internationale Konflikte oder Lieferkettenprobleme können auch Regionen betreffen, die weit entfernt vom eigentlichen Krisenherd liegen. Deshalb wird der Bevölkerungsschutz zunehmend auch unter dem Blickwinkel neuer Bedrohungsszenarien weiterentwickelt. Die internationale Lage hat sich in den letzten Jahren spürbar verändert. Konflikte, geopolitische Spannungen und wirtschaftliche Unsicherheiten beeinflussen auch die Sicherheitsplanung in Europa. Gleichzeitig führen der Klimawandel und die zunehmende Vernetzung der Gesellschaft zu neuen Risiken. Naturereignisse wie Starkregen oder Hitzewellen treten häufiger auf und stellen Behörden sowie Rettungsorganisationen vor zusätzliche Aufgaben. Auch die Digitalisierung bringt neue Verwundbarkeiten mit sich. Stromausfälle, Cyberangriffe oder Störungen von Kommunikationsnetzen können innerhalb kurzer Zeit grosse Auswirkungen auf den Alltag haben. Vor diesem Hintergrund setzen Bund und Kantone verstärkt auf Vorsorge, Koordination und Resilienz – also die Fähigkeit einer Gesellschaft, Krisen zu bewältigen und sich rasch davon zu erholen.
Eine zentrale Säule des Bevölkerungsschutzes bildet der Zivilschutz. Seine Aufgabe ist es, Behörden und Einsatzorganisationen bei grossen Ereignissen zu unterstützen. Dazu gehören beispielsweise Evakuationen, die Betreuung von Betroffenen, der Schutz kritischer Infrastrukturen oder der Einsatz bei Naturkatastrophen.Im Kanton Zug leistet der Zivilschutz einen wichtigen Beitrag zur Krisenbewältigung. Die Angehörigen des Zivilschutzes werden regelmässig ausgebildet und trainieren unterschiedliche Szenarien, um im Ernstfall schnell reagieren zu können. Gleichzeitig arbeitet der Zivilschutz eng mit anderen Organisationen zusammen, um die Einsatzfähigkeit kontinuierlich zu verbessern. Gerade bei länger andauernden Krisen kann der Zivilschutz eine wichtige Rolle übernehmen, etwa bei der Unterstützung von Behörden oder bei logistischen Aufgaben.
Neben staatlichen Strukturen gewinnt auch die Selbstvorsorge der Bevölkerung zunehmend an Bedeutung. Fachleute sind sich einig, dass eine Gesellschaft widerstandsfähiger wird, wenn Bürgerinnen und Bürger in der Lage sind, sich in den ersten Stunden oder Tagen einer Krise selbst zu helfen. Dazu gehören einfache Massnahmen wie ein Notvorrat an Lebensmitteln und Wasser, eine funktionierende Notbeleuchtung oder Kenntnisse über das richtige Verhalten in Notlagen. Auch das Wissen über lokale Warnsysteme und Notfallkontakte kann im Ernstfall entscheidend sein. Selbstvorsorge bedeutet jedoch nicht, dass sich der Staat aus seiner Verantwortung zurückzieht. Vielmehr geht es um ein partnerschaftliches Verständnis von Sicherheit: Behörden schaffen die Rahmenbedingungen und koordinieren Hilfe, während die Bevölkerung durch Vorbereitung und verantwortungsbewusstes Verhalten zur Stabilität beiträgt. Ein gut funktionierender Bevölkerungsschutz basiert auf Vertrauen, Information und Zusammenarbeit. Regelmässige Übungen, klare Kommunikationsstrukturen und eine transparente Information der Bevölkerung sind zentrale Elemente, um im Ernstfall schnell und effektiv handeln zu können.
Uwe Guntern
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