Nachhaltigkeit
Impulse für nachhaltige Städte und Gemeinden aus der Zentralschweiz
In der Hostienbäckerei des Klosters St. Anna werden täglich tausende kleine, runde Hostien hergestellt. Ein stiller, aber essenzieller Beitrag zur Feier der Eucharistie in der ganzen Schweiz.
Wer an eine Hostie denkt, sieht meist nur die kleine, weisse Scheibe, die während der Kommunion überreicht wird. Doch hinter jeder Hostie steckt ein sorgfältiger, traditioneller Produktionsprozess. Im Kloster St. Anna in der Zentralschweiz wird dieser Prozess seit Jahrzehnten gepflegt – in einer Mischung aus jahrhundertealter Tradition und modernen Produktionsmitteln. Die Hostienbäckerei des Klosters beliefert heute zahlreiche Kantone und Regionen, von Luzern bis Tessin, von Zürich bis Graubünden, und liefert Hostien für katholische Kirchen und Klöster in der ganzen Schweiz. Während die Maschinen wie die historische elektrische Teigrührmaschine oder die Stanzmaschine das Backen erleichtern, bleibt jede Phase der Herstellung ein liebevoller und bewusster Akt – von der Auswahl der Zutaten bis zum Verpacken. Für Schwester Maria Raphael Märtens ist die Hostienproduktion weit mehr als nur ein handwerklicher Prozess. Sie ist ein Dienst an der Eucharistie, eine Verbindung zu Gläubigen in der ganzen Schweiz und ein Beitrag zum spirituellen Leben der Gemeinschaft. Gleichzeitig ist sie für das Kloster auch eine wirtschaftliche Säule, die den Lebensunterhalt und die Bewirtschaftung des Klosters sichert. Im Interview erzählt Schwester Maria Raphael nicht nur, wie die Hostien entstehen, sondern auch, welche Herausforderungen das Backen mit sich bringt, wie sich die Produktion über die Jahrzehnte verändert hat und warum die runde Form der Hostien eine besondere Bedeutung hat. Einblicke, die neugierig machen auf die stille, aber faszinierende Welt der Hostienbäckerei des Klosters St. Anna.
«Die Hostienproduktion ist für uns in erster Linie ein Dienst an der Eucharistie.»
Können Sie kurz erklären, welche Aufgaben die Hostienbäckerei im Kloster St. Anna heute übernimmt und für welche Regionen bzw. Kantone Hostien produziert werden?
Wie es das Wort «Hostienbäckerei» schon sagt, werden in der Hostienbäckerei Hostien gebacken. Die Hostien werden für die Eucharistiefeiern in katholischen Kirchen und Klöstern verwendet. Wir beliefern folgende Kantone und Regionen: Kantone: Luzern, Ob und Nidwalden, Uri, Tessin, Regionen: Einsiedeln und Umgebung, Zug und Umgebung, verschiedene Gemeinden in den Kantonen Basel, Graubünden, Solothurn, Schaffhausen, Zürich, Aargau, Bern, Appenzell, Wallis, St. Gallen.
Wie läuft die Hostienproduktion ab, von den Rohstoffen bis zu den fertigen Hostien? Welche Maschinen oder Geräte kommen dabei zum Einsatz (zum Beispiel die historische elektrische Teigrührmaschine)?
Weizenmehl uns Wasser werden abgemessen und zu einem Teig vermengt. (Messbecher, Waage, Teemaschine) Anschliessend wird gebacken. (Backmaschine mit 18 Platten) Nach dem Backen kommen die Hostienplatten zur Verarbeitung. Bevor die Hostien gestanzt werden, müssen sie vorher gefeuchtet werden. Dafür werden die Hostienplatten in Gitter abgefüllt für ein paar Stunden in den Feuchtraum gebracht. (automatische Befeuchtung) Die Feuchten Hostienplatten können gut gestanzt werden. (Stanzmaschine). Die Hostien werden dann noch zwei Mal verlesen, bevor sie verpackt werden (Schweissgerät). Anschliessend kommen die verpackten Hostien ins Lager, bis sie mit der Post versandt oder von den Sakristanen abgeholt werden.
Gibt es bei der Herstellung Unterschiede zwischen früheren Zeiten und heute? Wie hat sich der Prozess über die Jahre verändert?
Vor dem 2. Vatikanischen Konzil war es nicht üblich häufig zu der Kommunion zu gehen. Der Bedarf an Hostien war gering. Nach dem Konzil war es erlaubt und erwünscht häufig zur Kommunion zu gehen. Deshalb hat es grössere Maschinen gebraucht und auch einen grösseren Raum für die Produktion. Vorher konnten die Hostien in einem Kleineren Raum mit weniger grossen Geräten hergestellt werden.
Wie viele Hostien werden in etwa pro Woche oder Monat hergestellt? Gibt es dabei saisonale Spitzen, zum Beispiel zu Weihnachten oder Ostern?
Pro Woche werden zwischen 200 000 und 400 000 Hostien hergestellt. Auf die christlichen Hochfeste und Feiertage wie Weihnachten, Ostern und Fronleichnam können es auch mehr sein.
Hat sich der Bedarf an Hostien in den letzten Jahren verändert? Spüren Sie einen Rückgang oder bleibt die Nachfrage stabil?
Der Hostienbedarf ist zurück gegangen. Die Gemeinden bestellen weniger Hostien als vor 20 Jahren.
Welche Bedeutung hat die Hostienproduktion für das Kloster und seine Gemeinschaft – auch über den wirtschaftlichen Aspekt hinaus?
In erster Linie ist die Hostienproduktion für uns ein Dienst an der Eucharistie. Es ist unsere grosse Freude einen Teil an diesem grossen Sakrament beizutragen und so auch in Verbindung zu stehen mit allen Menschen, welche die Heilige Kommunion empfangen. Auf der anderen Seite ist die Hostienbäckerei wirtschaftlich wichtig, weil sie sie unsere Haupteinnahmequelle ist. Mit dem wir unseren Lebensunterhalt und die Bewirtschaftung des Klosters unterhalten.
Welche besonderen Herausforderungen bringt die Arbeit in der Hostienbäckerei mit sich? Gibt es Aspekte, die besonders präzise oder traditionelldurchgeführt werden müssen?
Die Hostien bestehen aus Mehl und Wasser. Das geht auf die jüdische Tradition des Paschas zurück, an dem das Volk Israel den Auszug auf aus der Knechtschaft Ägyptens begeht. In der Tradition der Ungesäuerten Brote feierte Jesus das Abendmahl und feiern wir die Hl. Eucharistie. Nur mit Mehl und Wasser zu arbeiten hört sich nicht spannend an, kann aber vor allem je nach Witterung beim Back Prozess zur Herausforderung werden.
«Manchmal können die Fragen von Kindern uns auf das Wesentliche hinführen.»
Gibt es eine Anekdote oder ein Detail aus der Hostienproduktion, das Sie unseren Leserinnen und Lesern besonders gerne zeigen würden oder das Sie faszinierend finden?
Viele Erstkommunionkinder besuchen unsere Hostienbäckerei. Den Kindern fällt dann meistens die Runde Form auf. "Warum haben die Hostien nicht eine andere Form, zum Beispiel dreieckig oder sternförmig oder herzförmig?" Die Hostien sind rund. Eigentlich steht die Runde Form für die Vollkommenheit. Nicht alles läuft rund in unserem Leben. Perfekt ist keiner von uns. In Jesus dürfen wir uns trotzdem geborgen fühlen, auch wenn nicht alles so perfekt ist. Manchmal können die Fragen von Kindern uns auf das Wesentliche hinführen.
Michael Schwegler
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