Holzhäusern
Bohrkopf «Simone» startet inden Untergrund
Wenn Öl oder Schadstoffe ins Wasser gelangen, zählt jede Minute. Kommandant Remo Meyer erklärt, wie die Ölwehr der Stützpunktfeuerwehr Zug vorgeht und Gewässer schützt.
Die Freiwillige Feuerwehr der Stadt Zug fungiert zugleich als Stützpunktfeuerwehr des Kantons. Sie gehört zu den Blaulichtorganisationen und wird bei verschiedensten Ereignissen eingesetzt. Dabei kommen die Einsatzkräfte nicht nur bei Bränden, Unfällen oder Rettungseinsätzen zum Einsatz, sondern auch bei Umweltvorfällen, wie Öl- oder Schadstoffaustritten in Gewässern. Kommandant und Leiter des Feuerwehramts, Remo Meyer, erklärt, wie die Ölwehr in solchen Situationen vorgeht, welche Massnahmen ergriffen werden und wie die Zusammenarbeit zwischen Feuerwehr, Umweltbehörden und weiteren Organisationen funktioniert. Dabei wird deutlich, dass schnelle Entscheidungen, enge Vernetzung und klare Abläufe entscheidend sind, um Mensch, Tier und Umwelt effektiv zu schützen. Die Einsätze zeigen, wie vielfältig und komplex die Aufgaben der Feuerwehr im Kanton Zug sind und wie wichtig gut ausgebildete Feuerwehrleute für den Schutz der Gewässer sind.
Wenn im Kanton Zug Öl oder andere Schadstoffe in ein Gewässer gelangen – wie läuft der Einsatz der Feuerwehr und der Ölwehr grundsätzlich ab?
Im Kanton Zug hat jede Gemeinde ihre eigene Feuerwehr, die zunächst zum Einsatz kommt. Für die grösseren Gewässer wie zum Beispiel dem Zugersee oder der Lorze kommt die Stützpunktfeuerwehr mit dem Spezialequipment gemeinsam mit der Ortsfeuerwehr zum Einsatz. Unser Team umfasst rund 140 Mitglieder, die ihre unterschiedlichen beruflichen Erfahrungen in die Einsätze einbringen. Dank zielführender Ausbildung und einer kritischen Feedbackkultur lernen wir stetig. Wir wollen uns kontinuierlich verbessern.
Welche Aufgaben übernimmt die Ölwehr innerhalb der Feuerwehrorganisation im Kanton Zug?
Alle Mitglieder der Feuerwehr werden darin geschult, bei Ölwehrereignissen zu reagieren. Es gibt verschiedene Schulungen und Weiterbildungen, zum Beispiel für die Chemiewehr. Diese Spezialisten kommen nicht nur bei Kohlenwasserstoffaustritten zum Einsatz, sondern auch, wenn in einem Hallenbad Chlorgas austritt oder eine falsche Wasseraufbereitung erfolgt ist. Daneben gibt es weitere Spezialeinheiten, wie die Stromer oder Seedienstler, die je nach Einsatzlage eingebunden werden.
Nach welchen Kriterien wird entschieden, welche Massnahmen – etwa Ölsperren oder Absaugungen – eingesetzt werden?
Wir gehen bei jedem Vorfall nach klaren Prioritäten vor: zuerst Mensch, dann Tier, Umwelt und Sachwert. Unser ständiger Einsatzauftrag lautet: sichern, retten, halten, schützen und bewältigen. Die konkreten Massnahmen, wie zum Beispiel das Skimmern, sind Teile des Bewältigen. Das Vorgehen hängt stark von den Gegebenheiten vor Ort ab oder dem Umfang des Vorfalls. Es ist von grösster Bedeutung, als Feuerwehr eine grosse Varietät an Lösungen im Köcher zu haben und im richtigen Moment die Richtige zu ziehen.
Wie funktionieren Ölsperren technisch, und welche Rolle spielen sie bei der Eindämmung einer Verschmutzung?
Sobald wir über eine Havarie informiert sind, versuchen wir, möglichst schnell den Austritt zu stoppen. Mit Ölsperrschläuchen beispielsweise kann das Öl an der Wasseroberfläche gestaut werden - ideal für einen schnellen Einsatz. Eine andere Variante sind Absorptionssperren, die das Öl aufsaugen und Wasser abweisen. Anschliessend kann das Öl entweder mit dem Skimmer abgesaugt werden oder durch Ölbindemittel gebunden und abgeschöpft werden. Das gesammelte Öl wird umweltgerecht entsorgt.
Welche Unterschiede gibt es im Vorgehen zwischen fliessenden und stehenden Gewässern?
Bei stehenden Gewässern wie dem Zugersee oder Ägerisee ist das Errichten von Ölsperren einfacher. Das Öl kann konzentriert abgesaugt werden, und die Fläche ist gut überschaubar. Bei fliessenden Gewässern wie Lorze oder Reuss ist es deutlich komplexer. Hier müssen mehrere Ölsperren in bestimmten Abständen aufgebaut werden, damit das Öl effektiv eingedämmt wird. Öl schwimmt an der Oberfläche – für die Fische in den tieferen Bereichen hat das einen Vorteil, sie werden weniger belastet und können unter den Sperren hindurchschwimmen.
Wie arbeiten Feuerwehr, Umweltbehörden und andere Stellen im Kanton Zug zusammen?
Die Zusammenarbeit funktioniert im Kanton Zug sehr gut. Bei einem Ölvorfall werden sofort alle relevanten Stellen einbezogen. Das Amt für Umwelt liefert uns wichtige Hinweise, und wir als Feuerwehren arbeiten im Team und die Zusammenarbeit unter den Feuerwehren ist sehr gut. Diese enge Vernetzung erleichtert die Planung, Koordination und Durchführung der Einsätze enorm. Besonders bei einem Unfall oder einer Havarie, wenn es regnet und Ölaustritt, müssen wir provisorische Ölsperren errichten, den Austritt stoppen und danach prüfen, welche Bereiche betroffen sind – das erfordert grosse Sorgfalt und Erfahrung.
Ein Skimmer ist ein Oberflächenabsauger, der speziell dafür entwickelt wurde, schwimmende Verunreinigungen aus Gewässern zu entfernen. Bekannter ist diese Technik aus Pools und Teichen, wo der Skimmer Blätter, Insekten oder andere Partikel effektiv von der Oberfläche absaugt. Bei Einsätzen der Ölwehr wird der Skimmer eingesetzt, um Öl, Treibstoffe oder andere Schadstoffe von der Wasseroberfläche abzusaugen. Das Gerät arbeitet meist in Kombination mit einer Filterpumpe: Das Wasser wird angesogen, die Partikel werden gefiltert und das saubere Wasser wird hinter der Ölsperre zurückgeleitet, sodass es erneut gereinigt werden kann. Dank des Skimmers kann die Feuerwehr grosse Mengen Öl oder andere Schwimmstoffe schnell und effizient entfernen, bevor sie sich weiter ausbreiten und Schäden an der Umwelt verursachen.
Michael Schwegler
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