Zu guter Letzt
Zwei junge Zuger erhalten den «Zuger Preis für Zivilcourage»
7040 Franken für ein verstopftes Lavabo: So viel verlangte ein Notfall-Sanitär an einem Sonntagabend am Berner Stadtrand. Die Staatsanwaltschaft wertete den Fall als Wucher und erliess einen rechtskräftigen Strafbefehl. Ein Einzelfall ist das nicht — bei der Stiftung für Konsumentenschutz melden sich jedes Jahr rund fünfzig Betroffene mit ähnlichen Erfahrungen, mit steigender Tendenz seit 2020. Arsim Selimi führt die MDS Haustechnik GmbH mit Standorten in Luzern und Emmen. Der Betrieb ist auch im Kanton Zug im Einsatz und rückte im vergangenen Jahr zu über 200 Notfällen aus. Im Gespräch erklärt er, woran sich ein ortsansässiger Fachbetrieb erkennen lässt und was man tun sollte, bevor man überhaupt zum Telefon greift.
Herr Selimi, kann eine verstopfte Leitung 7040 Franken kosten?
Nein. Für eine gewöhnliche Verstopfung, eine Stunde Arbeit, sind wir bei rund 250 bis 350 Franken inklusive Anfahrt und Material. Was in Bern passiert ist, hat mit Sanitärarbeit nichts mehr zu tun. Das ist ein Geschäftsmodell, das sich eine Notlage zunutze macht.
Wie funktioniert dieses Geschäftsmodell?
Es beginnt bei der Suchmaschine. Wer abends «Sanitär Notfall Zug» eingibt, landet häufig nicht bei einem Sanitärbetrieb, sondern bei einer Vermittlungsplattform. Die hat kein eigenes Personal, keine Werkstatt und kein Lager. Sie nimmt den Auftrag entgegen und gibt ihn weiter. Der «Kassensturz» hat solche Firmengeflechte bereits vor Jahren aufgedeckt: An den angegebenen Geschäftssitzen standen keine Einsatzfahrzeuge, sondern Briefkästen. Der Konsumentenschutz beobachtet zudem, dass Monteure aus dem grenznahen Ausland vermittelt werden — die weite Anfahrt zahlt dann der Kunde.
Woran erkennt man den Unterschied?
An drei Dingen, und alle drei lassen sich in zwei Minuten prüfen. Erstens: Steht auf der Website eine echte Geschäftsadresse mit Strasse und Hausnummer, oder nur eine Region und eine 0800-Nummer? Zweitens: Gibt es eine Schweizer Festnetznummer? Drittens: Ist die Firma im Handelsregister eingetragen, mit den Namen der Verantwortlichen? Das lässt sich kostenlos im Zentralen Firmenindex des Bundes nachschlagen, unter zefix.admin.ch. Wenn eines dieser drei Merkmale fehlt, würde ich weitersuchen. Auch mitten in der Nacht.
Was darf ein Notfalleinsatz denn kosten?
Bei uns beträgt die Anfahrtspauschale 90 Franken, der Stundenansatz 115 Franken. Ausserhalb der regulären Arbeitszeit kommt ein Zuschlag dazu. Diese Zahlen nennen wir am Telefon, bevor wir losfahren. Der Berner Suissetec-Präsident Christian Gloor hat für den «Kassensturz» solche Rechnungen durchgerechnet und kam zum selben Schluss: Wo für einen Abflussreiniger hundert Franken verrechnet wurden, hätten vierzig bis fünfzig gereicht. Und wenn für eine einfache Verstopfung zwei Monteure anrücken, ist einer davon nicht nötig.
Und wenn jemand am Telefon gar keinen Preis nennen will?
Dann ist das Gespräch für mich beendet. Ein seriöser Betrieb nennt Ihnen Anfahrtspauschale, Stundenansatz und den Zuschlag ausserhalb der Arbeitszeit — vor dem Einsatz, am Telefon. Was er nicht nennen kann, ist die Endsumme, weil er den Schaden noch nicht gesehen hat. Diesen Unterschied sollte man kennen. Er trennt Transparenz von Ausflucht.
Was, wenn die überrissene Rechnung schon auf dem Tisch liegt?
Nicht sofort bezahlen und nichts unterschreiben. Barzahlung auf der Stelle ist in unserer Branche unüblich — der Gebäudetechnikverband suissetec sagt das ausdrücklich. Wer trotzdem Bargeld verlangt, macht das aus einem Grund. Lassen Sie sich die Rechnung geben, machen Sie Fotos von der Arbeit, und wenden Sie sich an die Stiftung für Konsumentenschutz. Eine Forderung, die Sie weder mündlich noch schriftlich anerkannt haben, lässt sich anfechten.
Was raten Sie jemandem, der jetzt gerade Wasser im Keller hat?
Drei Dinge, in dieser Reihenfolge. Erstens: Hauptabsperrhahn schliessen. Der sitzt in den meisten Häusern im Keller neben der Wasseruhr. Zweitens: In den betroffenen Räumen den Strom ausschalten. Drittens: Fotografieren Sie den Schaden, bevor Sie aufräumen — die Versicherung wird danach fragen. Und wer nicht weiss, wo der Absperrhahn ist, sollte das an einem ruhigen Sonntagnachmittag herausfinden und die Stelle mit dem Handy fotografieren. Das ist die nützlichste Viertelstunde, die man in seinem Haus verbringen kann. Wir hatten Einsätze, bei denen wir zuerst zwanzig Minuten den Hahn gesucht haben. Zwanzig Minuten, in denen das Wasser weitergelaufen ist.
Sie selbst sind nicht rund um die Uhr erreichbar. Ist das kein Nachteil?
Es ist ehrlich. Wir versprechen keine Rundumbetreuung, die wir mit unserem Team nicht seriös leisten könnten. Wer bei uns anruft, bekommt jemanden aus dem eigenen Betrieb ans Telefon, kein Callcenter. Im vergangenen Jahr waren das über 200 Einsätze, in Luzern im Durchschnitt innert dreissig Minuten vor Ort. Mir ist ein Betrieb lieber, der sagt, wann er kommt, als einer, der immer verspricht und selten hält. Genau diese Rund-um-die-Uhr-Versprechen sind ja das Erkennungsmerkmal der Anbieter, über die wir hier reden.
Warum ist ein Luzerner Betrieb überhaupt im Kanton Zug unterwegs?
Weil die Zentralschweiz für uns ein Einzugsgebiet ist und kein Kantonsplan. Von Emmen und Luzern aus sind wir über die Autobahn im Zuger Talboden — in Cham, Baar oder Rotkreuz. Wie unser Einsatzgebiet im Kanton Zug aussieht, ist auf unserer Website nachzulesen. Für die Kundschaft zählt am Ende nicht das Nummernschild, sondern ob jemand kommt und ob die Arbeit hält.
Was unterscheidet Zuger Häuser von Luzerner Häusern?
Technisch wenig. Die Bausubstanz ist im Zuger Talboden im Schnitt jünger, weil dort in den letzten dreissig Jahren mehr gebaut wurde; wir sehen deshalb häufiger Schäden an Anschlüssen und Armaturen als an alten Leitungen. Der grössere Unterschied liegt beim Wasser. Es ist in der Zentralschweiz kalkhaltig, und die Werte unterscheiden sich von Gemeinde zu Gemeinde. Nachschlagen lässt sich das auf der Trinkwasserplattform des Schweizerischen Vereins des Gas- und Wasserfaches unter trinkwasser.ch. Wer seinen Boiler alle drei bis fünf Jahre entkalken lässt, verlängert die Lebensdauer der Anlage deutlich — und ein Boilerdefekt kündigt sich meist über Monate an, durch sinkende Warmwassertemperatur oder ungewohnte Geräusche.
Ein letzter Rat?
Suchen Sie sich einen Betrieb, bevor Sie ihn brauchen. Wenn der Schaden da ist, entscheidet man unter Druck, und unter Druck entscheidet man schlecht. Speichern Sie die Nummer eines Betriebs, den Sie kennen, im Telefon ab. Heute, nicht im Notfall.
Zur Person: Arsim Selimi
Arsim Selimi, gelernter Sanitärinstallateur EFZ, ist seit über zwanzig Jahren im Sanitärhandwerk tätig. Er führt die MDS Haustechnik GmbH (Standort in Luzern und in Emmen) als Vorsitzender der Geschäftsführung. Sein fachlicher Schwerpunkt ist das Sanitärhandwerk in ganzer Breite: Neuinstallation und Modernisierung von Wasser- und Abwasseranlagen, Badsanierung und Badumbau, Reparatur und Wartung bestehender Installationen sowie Notfalleinsätze bei Wasserschäden — in Ein- und Mehrfamilienhäusern ebenso wie in Gewerbeobjekten.
Im vergangenen Jahr betreute sein Betrieb über 200 Notfalleinsätze in der Region Luzern, mit einer durchschnittlichen Eintreffzeit von dreissig Minuten. Gearbeitet wird nach Schweizer Normen und SVGW-Richtlinien.
Nachprüfbar: MDS Haustechnik GmbH, eingetragen im Handelsregister des Kantons Luzern unter CHE-278.777.765.
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