Zuger News
Feuerwehr Hünenberg mit Jahresrapport und Rückblick
Wiesel ernähren sich von Mäusen und sind wertvolle Mitarbeiter in der Landwirtschaft. Foto: David Edwards, Shutterstock
Sie sind selten zu sehen, aber dennoch da: Im Kanton Zug wurden in den vergangenen Jahren über 300 Wiesel gesichtet. Obwohl sie wichtige natürliche Feinde von Wühlmäusen sind, gehen ihre Bestände schweizweit zurück. Deshalb wird die Zuger Bevölkerung gebeten, im Rahmen eines Wieselförderprojekts Sichtungen zu melden.
Wiesel sind selten gesehen Bewohner der Schweizer Kulturlandschaft. Dennoch sind sie auch im Kanton Zug präsent. In den vergangenen Jahren wurden hier 315 Sichtungen von Hermelinen und Mauswieseln gemeldet. Das zeigt: Die kleinsten Raubtiere der Schweiz sind noch da. Gleichzeitig nimmt ihr Bestand schweizweit ab – ein Trend, der Naturschutzorganisationen Sorge bereitet. Mit dem Begriff Wiesel sind zwei heimische Arten gemeint: Hermelin und Mauswiesel. Sie gehören zur Familie der Marder und sind hoch spezialisierte Jäger. Dank ihres schlanken Körpers könnenk sie Wühlmäuse in deren enge Gänge verfolgen. Wo sie vorkommen, regulieren sie auf natürliche Weise Mäusepopulationen und tragen so dazu bei, Schäden an Obstbäumen und Feldern und Wiesen zu begrenzen.
Trotz dieser wichtigen Funktion verschwinden geeignete Lebensräume zunehmend. Strukturreiche Landschaften mit Hecken, Ast- und Steinhaufen, Trockenmauern oder extensiv genutzten Wiesen werden immer seltener. Intensiv bewirtschaftete Flächen und aufgeräumte Landschaften lassen Wieseln kaum Deckung und wenig Jagdmöglichkeiten. Gerade diese fehlenden Strukturen sind ein Hauptgrund für den Rückgang der Bestände. Um besser zu erfassen, wo Hermeline und Mauswiesel in der Zentralschweiz noch vorkommen, startet der WWF eine Suchaktion und ruft die Bevölkerung zur Mithilfe auf. Jede Beobachtung kann wertvolle Hinweise liefern. Wir fragten bei Urs Handschin, Wissenschaftlicher Mitarbeiter WWF Zentralschweiz, nach.
Welche Unterschiede sehen Sie bei den Sichtungen von Hermelin und Mauswiesel, und in welchen Gebieten sind sie aktuell besonders präsent?
Hermelin und Mauswiesel lassen sich am besten auf Grünflächen beobachten, wo sie ihre Nahrung finden. Meist sind sie jedoch unterirdisch unterwegs. Das Mauswiesel bekommt man noch seltener zu Gesicht, denn es ist kleiner als das Hermelin und gilt sogar als das kleinste Raubtier der Welt. Das Zuger «Flachland » ist eher geprägt von Siedlungen und Ackerflächen und wird stark zerschnitten von Strassen und Bahnlinien. Deswegen finden sich die geeigneten Lebensräume für Wiesel im Kanton Zug eher in den grösseren, zusammenhängenden Wiesen- und Weidegebieten in der Region Menzingen-Neuheim, auf dem Zugerberg und rund um den Ägerisee. Die Sichtmeldungen zeigen jedoch ein anderes Bild: Demnach müssten die meisten Wiesel am Zugersee an der Mündung der alten Lorze und am Lorzeufer bei Baar vorkommen. Das liegt aber vermutlich daran, dass in diesen Gegenden viele Spaziergängerinnen und Spaziergänger unterwegs sind.
Welche konkreten Massnahmen helfen Wieseln am meisten, und welche Rolle können Landwirtinnen, Landwirte und Privatpersonen dabei spielen?
Wiesel brauchen nicht nur genug Nahrung, sondern vor allem eine abwechslungsreiche Landschaft mit vielen Verstecken. Solche Strukturen bieten Schutz vor Feinden und die Wiesel ziehen darin ihre Jungen auf. Neben Landwirtinnen und Landwirt können auch Besitzerinnen und Besitzer von grösseren Gärten oder Grünflächen ihre Flächen naturnäher gestalten. Wir organisiert zudem Freiwilligeneinsätze, bei denen gemeinsam Hecken gepflanzt oder Wieselburgen gebaut werden können. Wer Lust hat mit anzupacken, kann zum Beispiel am 21. Februar in Cham oder am 7. März in Steinhausen dabei sein (wwfzentral.ch/natureinsaetze).
Wie wirkt sich der Rückgang der Wiesel auf die Kulturlandschaft und die natürliche Kontrolle von Wühlmäusen aus, und warum ist ihr Schutz so wichtig?
Eine Hermelinmutter hat jährlich etwa sechs Junge und jedes Familienmitglied frisst eine bis zwei Mäuse täglich. Das entspricht einem Bedarf von 50 bis 100 Mäusen pro Woche. Damit stellen Wiesel die wohl effizenteste und kostengünstigste Bekämpfung von Wühlmäusen dar. Sind sie nicht mehr da, bleibt diese Arbeit an den Landwirt:innen hängen. Gleichzeitig steht der flinke Jäger – stellvertretend für viele bedrohte Arten – für die Bedeutung einer vielfältigen und intakten Landschaft. Wer sie unterstützt, hilft also auch vielen anderen Tieren und Pflanzen. Dieses Jahr können sich auch Schulklassen im Kanton Zug aktiv für die Wiesel einzusetzen. Denn am 17. September laufen wir gemeinsam für Wiesel und heimische Natur (wwf-zentral.ch/lauf). Weitere Informationen zum Projekt: wwf-zentral.ch/wiesel Sichtungen können eingetragen werden auf: wildenachbarn.ch/melden
Uwe Guntern
Flächen für Fördermassnahmen gesucht
Um die Lebensräume der natürlichen Feinde von Wühlmäusen zu verbessern, unterstützt der WWF Zentralschweiz Landwirtinnen, Landwirt und Privatpersonen in den Kantonen Nidwalden, Obwalden und Zug finanziell und durch Freiwilligeneinsätze. Im Rahmen eines Förderprogramms können Heckenpflanzungen, Natursteinmauern sowie Stein- und Asthaufen erstellt und finanziell entschädigt werden.
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