Zu guter Letzt
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Geopolitische Spannungen, wirtschaftliche Schocks und technologische Umbrüche erhöhen den Druck auf Unternehmen und Politik. Am Tag der Zuger Wirtschaft diskutierten rund 280 Gäste darüber, was die Schweiz braucht, um auch in einem unsicheren Umfeld stabil, innovativ und wettbewerbsfähig zu bleiben.
Die Zeiten, in denen sich wirtschaftliche Risiken weitgehend berechnen und Entwicklungen über Jahre vorausplanen liessen, scheinen vorbei. Handelskonflikte, geopolitische Spannungen, technologische Umbrüche und wirtschaftliche Unsicherheiten verändern das Umfeld für Unternehmen mit hoher Geschwindigkeit. Für die Schweiz stellt sich deshalb eine grundsätzliche Frage: Wie lässt sich Stabilität bewahren, ohne sich von der Welt abzuschotten?
Genau dieser Frage widmete sich am Dienstag, 25. August, der Tag der Zuger Wirtschaft 2026 im Theater Casino Zug. Rund 280 Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft folgten der Einladung der Zuger Wirtschaftskammer. Unter dem Leitgedanken «Risiken managen, Stabilität sichern» ging es weniger um konkrete Krisenszenarien als um die Fähigkeit, mit Unsicherheit umzugehen.
Die Botschaft des Abends war dabei bemerkenswert klar: Widerstandskraft bedeutet nicht, Risiken auszuschalten. Sie bedeutet, sie frühzeitig zu erkennen, mit ihnen umzugehen und auch dann handlungsfähig zu bleiben, wenn Entwicklungen nicht vorhersehbar sind.
Dr. Katharina M. Gasser, Präsidentin der Zuger Wirtschaftskammer, eröffnete den Anlass mit einem Gedanken, der sich wie ein roter Faden durch den Abend zog. Die Schweiz verfüge über starke Institutionen, politische Verlässlichkeit und eine hohe Innovationskraft. Diese Vorteile seien jedoch keine Selbstverständlichkeit.
Resilienz, so die zentrale Überlegung, beginnt deshalb nicht erst in der Krise. Sie entsteht im Alltag – durch vorausschauende Entscheidungen, funktionierende Institutionen, verantwortungsvolle Unternehmen und Rahmenbedingungen, die langfristiges Handeln ermöglichen.
Gerade für eine kleine, international stark vernetzte Volkswirtschaft ist das von Bedeutung. Die Schweiz kann sich den globalen Veränderungen nicht entziehen. Sie ist auf offene Märkte, internationale Beziehungen, Fachkräfte, Innovation und stabile wirtschaftliche Rahmenbedingungen angewiesen. Gleichzeitig macht genau diese internationale Verflechtung das Land anfällig für Entwicklungen, die ausserhalb seiner direkten Kontrolle liegen.
Die Herausforderung besteht somit darin, offen zu bleiben und gleichzeitig widerstandsfähiger zu werden.
Wie sich globale Risiken auf die Schweiz auswirken, beleuchteten drei Persönlichkeiten aus unterschiedlichen Bereichen. Andreas Berger, Group CEO der Swiss Re, brachte die Sicht eines international tätigen Rückversicherers ein. Susanne Vincenz-Stauffacher, FDP-Co-Präsidentin und Nationalrätin, vertrat die politische Perspektive. Prof. Dr. Christoph A. Schaltegger, Direktor des Instituts für Schweizer Wirtschaftspolitik an der Universität Luzern, ordnete die Entwicklungen aus wirtschaftswissenschaftlicher Sicht ein. Durch den Abend führte SRF-Moderator Urs Gredig.
Gerade die unterschiedlichen Blickwinkel machten deutlich, dass wirtschaftliche Widerstandskraft nicht allein eine Aufgabe der Unternehmen ist. Sie ist ebenso eine politische und gesellschaftliche Aufgabe.
Für Unternehmen bedeutet Resilienz, Lieferketten zu überprüfen, Risiken zu diversifizieren und technologische Entwicklungen nicht zu verschlafen. Für die Politik geht es darum, verlässliche Rahmenbedingungen zu schaffen und die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts nicht durch unnötige Unsicherheiten zu schwächen. Und aus volkswirtschaftlicher Sicht stellt sich die Frage, wie viel Offenheit, Regulierung und staatliche Absicherung notwendig sind, damit die Schweiz auch bei zunehmenden globalen Spannungen ihre Stärken bewahren kann.
Eine Erkenntnis des Abends lautete deshalb: Abschottung kann keine Antwort auf eine zunehmend unsichere Welt sein. Die Schweiz ist wirtschaftlich zu stark mit anderen Ländern verbunden, um sich aus globalen Entwicklungen zurückzuziehen.
Offene Märkte bleiben ein entscheidender Erfolgsfaktor. Gleichzeitig braucht es die Fähigkeit, Abhängigkeiten zu erkennen und dort Alternativen zu schaffen, wo einzelne Risiken zu gross werden. Das gilt für Lieferketten ebenso wie für Energie, Technologie, Kapital oder Fachkräfte.
Dabei kommt der Innovationskraft eine besondere Rolle zu. Ein Land, das sich ständig weiterentwickelt, kann Veränderungen nicht verhindern – aber besser auf sie reagieren. Innovation ist damit nicht nur ein Instrument für Wachstum, sondern auch ein Teil der wirtschaftlichen Krisenvorsorge.
Die Diskussion zeigte zugleich, dass Risikomanagement nicht mit einer Kultur der Angst verwechselt werden darf. Wer jede Unsicherheit vermeiden will, riskiert, Chancen zu verpassen. Wer Risiken hingegen ignoriert, wird von Entwicklungen überrascht.
Gefragt ist deshalb ein Mittelweg: Risiken ernst nehmen, ohne sich von ihnen lähmen zu lassen.
Für Unternehmen bedeutet dies, Entscheidungen unter Unsicherheit treffen zu können. Dafür braucht es Informationen, strategischen Weitblick und die Bereitschaft, Annahmen regelmässig zu hinterfragen. Gerade technologische Veränderungen zeigen, wie schnell sich Geschäftsmodelle wandeln können. Was heute als Wettbewerbsvorteil gilt, kann morgen bereits zum Standard gehören.
Auch die Politik steht vor diesem Dilemma. Sie muss Stabilität schaffen, darf aber nicht versuchen, jede Veränderung zu verhindern. Verlässliche Regeln und langfristig berechenbare Rahmenbedingungen können Unternehmen mehr Sicherheit geben, als es kurzfristige staatliche Eingriffe vermögen.
Ein weiterer Punkt wurde am Abend besonders deutlich: Widerstandskraft entsteht nicht isoliert. Sie braucht Austausch. Wirtschaft, Politik und Wissenschaft verfügen über unterschiedliche Erfahrungen und Perspektiven. Werden diese zusammengebracht, können Risiken früher erkannt und Entwicklungen besser eingeordnet werden.
Uwe Guntern
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