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Feuerwehr Hünenberg mit Jahresrapport und Rückblick
Die Sensibilisierungskampagne ruft Arbeitnehmende dazu auf, ihr berufliches Potenzial zu stärken und sich fit für die Zukunft zu machen. Foto: AdobeStock
Digitalisierung und künstliche Intelligenz verändern die Arbeitswelt rasant. Der Kanton Zug reagiert darauf mit der Sensibilisierungskampagne «MEIN PLUS». Arbeitnehmende sollen ihr berufliches Profil schärfen, Chancen erkennen und ihre Laufbahn aktiv gestalten.
Die Arbeitswelt steht vor einem tiefgreifenden Wandel. Was vor wenigen Jahren noch als Zukunftsszenario galt, ist heute Realität: Digitale Technologien durchdringen nahezu alle Branchen, automatisieren Abläufe und verändern Tätigkeitsprofile grundlegend. Mit der Einführung und rasanten Verbreitung generativer KI-Systeme wie ChatGPT erhält diese Entwicklung zusätzliche Dynamik. Der Kanton Zug will seine Bevölkerung auf diese Veränderungen vorbereiten – und lanciert die Kampagne «MEIN PLUS».
Die Auswirkungen der Digitalisierung sind längst nicht mehr auf einzelne Technologiefelder beschränkt. Volkswirtschaftsdirektorin Silvia Thalmann-Gut betont, dass digitale Prozesse heute in sämtlichen Branchen Einzug gehalten haben. Arbeitsabläufe würden effizienter, gleichzeitig aber komplexer. Tätigkeiten verschieben sich, neue Kompetenzen werden verlangt. Insbesondere im IT-Bereich sind die Veränderungen deutlich spürbar. Eine Studie der Konjunkturforschungsstelle KOF an der ETH Zürich zeigt, dass IT-Berufe besonders stark vom technologischen Fortschritt betroffen sind. Doch nicht nur dort ist der Wandel sichtbar: Auch in der Administration, im Rechnungswesen, in der Logistik, im Verkauf, in der öffentlichen Verwaltung und im Medienbereich verändern sich Aufgabenprofile und Anforderungsniveaus. Automatisierte Prozesse übernehmen Routinearbeiten, während analytische Fähigkeiten, Problemlösungskompetenz und digitale Fertigkeiten zunehmend an Bedeutung gewinnen. Wer sich beruflich nicht weiterentwickelt, riskiert, den Anschluss zu verlieren.
Hier setzt die vom Amt für Berufsbildung in Zusammenarbeit mit dem Amt für Berufsberatung Zug (BIZ) entwickelt Kampagne «MEIN PLUS» an. Sie versteht sich als Impulsgeberin und Motivationshilfe. Ziel sei es, Arbeitnehmende dafür zu sensibilisieren, Veränderungen frühzeitig wahrzunehmen und aktiv darauf zu reagieren, erklärt Dusan Milakovic, Leiter des Amts für Berufsbildung des Kantons Zug. Es gehe nicht darum, Angst zu schüren, sondern Chancen aufzuzeigen und Eigenverantwortung zu stärken.
Die zentrale Botschaft lautet: Die eigene Laufbahn ist gestaltbar. Wer bereit ist, Neues zu lernen und sich weiterzubilden, kann vom Strukturwandel profitieren. Statt passiv auf Entwicklungen zu reagieren, sollen Arbeitnehmende ihre berufliche Zukunft bewusst planen. Herzstück der Kampagne ist die Plattform «meinplus. ch». Dort finden Interessierte verschiedene Angebote, die sie bei der Standortbestimmung unterstützen. Ein sogenannter «Zukunft- Check» ermöglicht es, die eigene Arbeitsmarktfähigkeit einzuschätzen und indivi-duelle Entwicklungsmöglichkeiten zu erkennen. Ergänzt wird das Angebot durch eine Podcast-Reihe. Darin berichten Menschen aus unterschiedlichen Branchen, wie sie berufliche Veränderungen gemeistert und neue Wege eingeschlagen haben. Marlise Tamburini vom Berufsinformationszentrum (BIZ), die den Podcast moderiert, beschreibt die Gespräche als ermutigend und inspirierend. Die Porträtiertenzeigen, dass berufliche Neuorientierung kein Zeichen von Scheitern ist, sondern Ausdruck von Anpassungsfähigkeit und Mut. Ein weiteres zentrales Element der Kampagne ist die Förderung von Weiterbildungen. Olivia Ott Hari, Leiterin des Amts für Berufsberatung des Kantons Zug, unterstreicht die Bedeutung kontinuierlicher Qualifizierung. Wer sein berufliches Profil schärfe und zusätzliche Kompetenzen erwerbe, erhöhe nicht nur seine Arbeitsplatzsicherheit, sondern erweitere auch seine beruflichen Perspektiven. Dabei gehe es nicht zwingend um lange Studiengänge. Auch kürzere Kurse, Zertifikatslehrgänge oder branchenspezifische Schulungen könnten entscheidende Impulse geben. Wichtig sei, im Austausch mit Vorgesetzten, Branchenkollegen und Beratungsstellen zu bleiben und Entwicklungen aufmerksam zu verfolgen. Das BIZ bietet hierbei individuelle Beratung an – von der Standortbestimmung über die Auswahl geeigneter Weiterbildungen bis hin zu Fragen der Finanzierung.
Weiterbildung bringt jedoch nicht nur Chancen, sondern auch Kosten mit sich. Kursgebühren, Lernmaterialien und gegebenenfalls Lohneinbussen stellen für viele Arbeitnehmende eine Herausforderung dar. Für Personen mit begrenzten finanziellen Mitteln stellt der Kanton Zug zudem Arbeitsmarktstipendien bereit. Diese Unterstützung wurde Ende 2025 eingeführt und ist ebenfalls Teil des Programms «MEIN PLUS». Voraussetzung ist, dass die angestrebte Ausbildung arbeitsmarktrelevant ist. Damit will der Kanton sicherstellen, dass Investitionen gezielt dort ansetzen, wo sie die Beschäftigungsfähigkeit nachhaltig stärken.
Uwe Guntern
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