Zuger News
Feuerwehr Hünenberg mit Jahresrapport und Rückblick
Gemäss Statistikamt ist die Waldfläche im Kanton von 6412 Hektaren im Jahr 2005 auf 6458 Hektaren gewachsen. Der Zuwachs entspricht der Grösse von 60 Fussballfeldern. Martin Ziegler, Leiter Amt für Wald und Wild, geht auf die Zahlen ein und enttäuscht vielleicht den einen oder anderen Waldliebhaber.
Gratulation zum Waldzuwachs!
Vielen Dank – aber Waldzuwachs ist weder Ziel noch haben wir direkten Einfluss darauf. Der Hauptgrund ist aber ein anderer als Sie wahrscheinlich vermuten. Die Anpassung der Bodenbedeckungskarte (amtliche Vermessung) zwischen 2005 und 2014 ermöglichte durch neue Fernerkundungsdaten (Luftbilder) eine genauere Zuteilung der Flächen.
Der Wald hat also nur auf dem Blatt zugenommen?
Zumindest in den letzten 10 Jahren. Seit 2015 blieb die Waldfläche praktisch konstant. Im Jahr 2015 massen wir 6460 Hektaren Wald, letztes Jahr waren es sogar 2 Hektaren weniger. Das zeigt, dass es sich nicht um ein grossflächiges Waldwachstum handelt, sondern um Mess- und Abgrenzungsanpassungen.
In den jährlichen Erhebungen fällt ebenfalls auf, dass die Zahl der privaten Waldbesitzer massiv zugenommen hat, um über 300 Personen. Ist dies auf Erbschaftsteilungen zurückzuführen?
Nein, Erbschaften führen nicht automatisch zu mehr Waldeigentümerschaften. Auch wenn mehrere Personen erben, wird die Fläche als eine Grundeigentümerschaft geführt. Die markante Veränderung von 805 Eigentümerschaften (2018) auf 1172 (2019) hat einen methodischen Grund: Genauere Datenerhebung und Reduktion der Mindestfläche pro Eigentümerschaft in der Statistik. Es handelt sich also um eine Anpassung der Zählweise, nicht um eine reale Zunahme der Eigentümerzahl.
«Der Zuger Wald hat in den letzten zwei Jahren von genügend hohen Niederschlägen profitiert.»
Der Zuger Wald ist also nicht gewachsen und mehr Eigentümer gibt es anscheinend auch nicht. Wie gut geht es ihm eigentlich, dem Wald?
Der Zuger Wald ist in einem guten Zustand. Er hat in den letzten zwei Jahren von genügend hohen Niederschlägen profitiert und sich von der Trockenheit der Vorjahre erholt. Seit dem Sturm Burglind im Jahr 2018 wurde er von grösseren Stürmen oder anderweitigen Unwettern verschont. Durch die sofortige Entnahme von mit Borkenkäfern befallenen Bäumen an kritischen Standorten konnte nach dem Sturm eine Borkenkäferinvasion verhindert werden.
Der Klimawandel setzt auch dem Zuger Wald zu. Werden hier resistenzfähigere Bäume angepflanzt?
Wälder können sich in unseren Breitengraden in begrenztem Masse selber an die veränderten Klimabedingungen anpassen. Gezielte waldbauliche Massnahmen, wie beispielsweise die Erhöhung der Baumartenvielfalt und die besondere Förderung von trockenresistenteren einheimischen Arten unterstützen den Wald bei der Anpassung an den Klimawandel. Dabei spielen Pflanzungen auch eine Rolle – wenn auch aufgrund der vielfältigen Naturverjüngung in einem geringen Ausmass. Mindestens gleich wichtig sind Pflegemassnahmen in Jungwäldern, bei denen entsprechende Baumarten begünstigt werden.
Im Zugersee sind die Quaggamuscheln zu einem leidigen Thema artfremder Invasion geworden. Gibt es auch im Zuger Wald Invasoren, die den Bäumen zusetzen?
Invasive Neophyten reduzieren durch das Verdrängen einheimischer Arten die Artenvielfalt und gefährden durch instabilere Wälder die Schutzfunktion der Wälder gegen Naturgefahren. Seit dem Jahr 2005 werden invasive Neophyten im Zuger Wald systematisch bekämpft. Eingeschleppte Arten können jedoch Bäume auch direkt zum Absterben bringen. Ein Beispiel ist das Eschentriebsterben (eine Pilzkrankheit), das im Jahr 2009 im Kanton Zug erstmals nachgewiesen wurde und inzwischen gut 95Prozent der Eschen befallen hat. Viele davon sind bereits eingegangen oder werden noch absterben.
«Wälder können sich in unseren Breitengraden in begrenztem Masse selber an die veränderten Klimabedingungen anpassen.»
Ein weiteres Beispiel ist die im Kanton Zug im Jahr 2010 erstmals nachgewiesene Kastaniengallwespe. Sie befällt die jungen Austriebe von Kastanienbäumen; Kronenteile oder ganze Bäume können absterben.
Haben Sie eine Lieblingsstelle im Zuger Wald?
Ich könnte mich nicht auf eine Stelle festlegen. Der Zuger Wald ist durch seine verschiedenen Standorte und Waldbilder äussert attraktiv. Tief- und Hochlagen, flache und felsige Stellen, Moorwälder bis Trockenstandorte, alles ist dabei. Persönlich gefallen mir Waldföhrenstandorte auf Kuppenlagen besonders gut.
Beni Frenkel
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