Jugend forscht
Jarl Braun aus Oberwil enthält für seine Maturaarbeit Gold
Die Autorin, Journalistin und Moderatorin Gülsha Adiliji las im vergangen Jahr in einer vierten Klasse der Schule Allenmoos in Oerlikon vor. Foto: SIKJM/Livia Eichenberger
Am 27. Mai steht die Schweiz ganz im Zeichen des Vorlesens. Auch im Kanton Zug engagieren sich zahlreiche Persönlichkeiten und Institutionen für die Leseförderung. Denn eines ist klar: Vorlesen ist weit mehr als eine schöne Tradition, es ist ein Schlüssel für Bildung, Chancengleichheit und gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Das diesjährige Motto «Vorlesen baut Brücken» bringt auf den Punkt, worum es geht: Geschichten verbinden Menschen, öffnen neue Perspektiven und fördern das Verständnis füreinander. Gerade in einer Zeit, die von Vielfalt und schnellen Veränderungen geprägt ist, gewinnt diese Botschaft an Bedeutung.
Vorlesen ist weit mehr als eine gemütliche Aktivität im Familienalltag. Studien zeigen, dass Kinder, denen regelmässig vorgelesen wird, deutlich bessere Chancen haben, ihre Sprach- und Lesekompetenzen zu entwickeln. Sie verfügen über einen grösseren Wortschatz, tun sich leichter beim Lesenlernen und entwickeln ein besseres Textverständnis. Diese Fähigkeiten sind entscheidend – nicht nur für den schulischen Erfolg, sondern auch für die spätere Berufswelt. Wer Texte nicht versteht, hat es schwer, sich in einer zunehmend komplexen und digitalisierten Gesellschaft zurechtzufinden. Aktuelle Studien zeichnen jedoch ein besorgniserregendes Bild: Ein erheblicher Teil der Jugendlichen in der Schweiz hat am Ende der obligatorischen Schulzeit Mühe, einfache Texte zu verstehen. Für diese jungen Menschen wird es schwierig, Informationen zu verarbeiten, kritisch zu hinterfragen oder sich eine eigene Meinung zu bilden. Gerade deshalb kommt dem Vorlesen eine zentrale Rolle zu. Es ist eine niederschwellige und gleichzeitig wirkungsvolle Möglichkeit, Kinder früh zu fördern – unabhängig von Herkunft oder sozialem Umfeld.
Der Schweizer Vorlesetag wird von zahlreichen Botschafterinnen und Botschaftern aus Politik, Kultur und Medien getragen. Sie setzen ein sichtbares Zeichen für die Bedeutung des Vorlesens und engagieren sich persönlich, indem sie Kindern Geschichten näherbringen. Auch im Kanton Zug beteiligen sich bekannte Persönlichkeiten aktiv an der Initiative. So wird Regierungsrat Stephan Schleiss am Aktionstag selbst zum Vorleser. In einer Schule in Hünenberg am See liest er aus dem beliebten Jugendbuch «Mein Name ist Eugen». Für ihn ist dies nicht nur ein offizieller Termin, sondern auch eine persönliche Herzensangelegenheit – schliesslich verbindet er mit dem Vorlesen eigene Kindheitserinnerungen. Solche Begegnungen haben eine besondere Wirkung: Wenn Kinder erleben, dass bekannte Persönlichkeiten sich Zeit nehmen, um vorzulesen, erhält das Lesen eine zusätzliche Bedeutung. Es wird greifbar und lebendig.
Neben einzelnen Vorleseaktionen gibt es im Kanton Zug auch zahlreiche öffentliche Veranstaltungen, die zum Mitmachen einladen. Theater, Bibliotheken und Buchhandlungen öffnen ihre Türen und schaffen Räume, in denen Geschichten gemeinsam erlebt werden können. Beispielsweise liest die Zuger Schauspielerin Vera Bommer im Theater im Burgbachkeller Zug vor, die Bibliothek Zug veranstaltet eine Mitmachgeschichte rund ums Essen und in der Orell Füssli Filiale an der Industriestrasse in Zug liest die Schweizer Illustratorin Celine Geser aus ihrem Bilderbuch über einen kleinen Drachen vor. In der Bibliothek Knonau erzählt Rico Gagliardi seine Geschichte «D Fründe vom Zürisee » im Rahmen eines interaktiven Mitmachkonzerts. Diese Vielfalt zeigt, wie breit das Engagement für die Leseförderung im Kanton verankert ist. Gleichzeitig wird deutlich, dass Vorlesen nicht nur im privaten Rahmen stattfindet, sondern auch ein gesellschaftliches Ereignis sein kann. Das Motto «Vorlesen baut Brücken » ist nicht zufällig gewählt. Geschichten ermöglichen es Kindern, in andere Welten einzutauchen und unterschiedliche Perspektiven kennenzulernen. Sie lernen, sich in andere Menschen hineinzuversetzen und deren Sichtweisen zu verstehen. Diese Fähigkeit zur Empathie ist in einer globalisierten Welt von grosser Bedeutung. Wer offen für andere Perspektiven ist, kann besser mit Vielfalt umgehen und trägt zu einem respektvollen Miteinander bei. Vorlesen schafft zudem Nähe. Es ist eine gemeinsame Aktivität, die Beziehungen stärkt – zwischen Eltern und Kindern, zwischen Lehrpersonen und Schülerinnen und Schülern oder auch zwischen Generationen.
Wirkung Besonders bemerkenswert ist, wie einfach Vorlesen umzusetzen ist. Es braucht weder aufwendige Materialien noch spezielle Vorkenntnisse. Ein Buch, etwas Zeit und die Bereitschaft, sich auf eine Geschichte einzulassen – mehr ist nicht nötig. Gerade deshalb eignet sich Vorlesen hervorragend, um Bildungsungleichheiten entgegenzuwirken. Kinder aus unterschiedlichen sozialen Hintergründen können gleichermassen davon profitieren. Es ist eine der wenigen Fördermassnahmen, die ohne grossen Aufwand eine so nachhaltige Wirkung entfaltet.
Der Kanton Zug zeigt, wie Leseförderung auf verschiedenen Ebenen umgesetzt werden kann. Politik, Kulturinstitutionen und Bildungseinrichtungen ziehen an einem Strang und setzen gemeinsam ein Zeichen für die Bedeutung des Lesens. Die zahlreichen Veranstaltungen rund um den Vorlesetag sind dabei nur ein sichtbarer Teil dieses Engagements. Dahinter steht ein langfristiges Ziel: Kindern und Jugendlichen die bestmöglichen Voraussetzungen für ihre Zukunft zu bieten. Fazit: Vorlesen als Investition in die Zukunft Der Schweizer Vorlesetag ist mehr als ein symbolischer Anlass. Er erinnert daran, wie wichtig Lesen und Sprachkompetenz für die persönliche und gesellschaftliche Entwicklung sind. Auch im Kanton Zug wird dieser Gedanke aktiv gelebt. Mit vielfältigen Aktionen und engagierten Persönlichkeiten wird gezeigt, dass Vorlesen eine Investition ist – in Bildung, in Chancengleichheit und in ein respektvolles Zusammenleben. Denn am Ende sind es die Geschichten, die verbinden. Und vielleicht beginnt genau hier die Brücke in die Zukunft.
Uwe Guntern
Am Schweizer Vorlesetag mitmachen
Am 27. Mai verschenken Freiwillige Vorlesefreude. Das Konzept des Vorlesetags ist einfach: Wer Spass am Vorlesen hat, liest an diesem Tag anderen vor – zu Hause in der Familie, im Kindergarten, in der Schule, im Familienzentrum, in der Bibliothek oder an einem anderen Ort. Auf der Website des Vorlesetags können Veranstalter, kulturelle Institutionen, Schulen, Privatpersonen und weitere Interessierte ab sofort ihre Vorleseaktionen anmelden: www.schweizervorlesetag.ch
Lade Fotos..