Zuger News
Feuerwehr Hünenberg mit Jahresrapport und Rückblick
Bewusster Umgang mit Smartphones beginnt nicht nur in der Schule.
Im Kanton Zug sind Handys an Schulen weitgehend verboten oder stark eingeschränkt. Bildungsdirektor Stephan Schleiss spricht über Ablenkung, politische Vorstösse und die Verantwortung der Eltern.
Die Diskussion um Smartphones im Klassenzimmer wird emotional geführt – schweizweit, aber auch im Kanton Zug. Während andernorts noch gerungen wird, haben die gemeindlichen Schulen im Kanton Zug längst gehandelt: Der Gebrauch von Handys ist eingeschränkt oder ganz untersagt, teils auch auf dem Pausenplatz. Für Bildungsdirektor Stephan Schleiss ist das ein richtiger Schritt. «Ich bin derAuffassung, dass eine strikte Regelung des Handygebrauchs für die Schülerinnen und SchülervonVorteilist», sagter.Er begrüsse, dass die Schulen im Kanton Zug das Problem adressiert und entsprechende Regelungen eingeführt hätten. Dass weniger Ablenkung zu mehr Konzentration führt, ist für Schleiss eine Binsenwahrheit. «Die Schule funktioniert ohne Ablenkung generell besser, das ist auch bei der Ablenkung durch das Handy so.» Der Zuger Regierungsrat hat diese Haltung im Mai 2025 in seiner Antwort auf dieMotion #3726 bekräftigt.Darin forderten mehrere Kantonsrätinnen und Kantonsräte eine klare gesetzliche Grundlage für den Umgang mit Smartphones an Zuger Schulen. Im Juli 2025 erklärte der Kantonsrat die Motion für erheblich. Zwar können Schulen schon heute Handys verbieten – inklusive auf dem Schulareal. Doch der Kantonsrat wünscht eine explizite Bestimmung im Schulgesetz. Diese soll im Rahmen einer Teilrevision bis spätestens Juli 2028 umgesetzt werden.
Die politische Debatte war im vergangenen Jahr aufgeheizt. Umso wichtiger sei eine sorgfältige Kommunikation gewesen, betont Schleiss. «Zuerst muss die konkrete Regelung bei den Lehrpersonen gut kommuniziert werden, damit diese sie auch konsequent durchsetzen können. Das funktioniert nur mit einer ‹Unitédedoctrine›.»Ebenso zentral sei die Information der Schülerinnen und Schüler. Wer die Gründe verstehe,akzeptiere die Massnahmen eher. Und auch die Eltern mussten abgeholt werden. «Gute Information ist für die Akzeptanz absolut entscheidend.»
Dabei verortet der Bildungsdirektor das Kernproblem nicht primär im Schulzimmer. «Der problematische Umgang mit Handys findet in der Regel nicht in der Schule, sondern zu Hause statt.» Deshalb komme den Eltern eine entscheidende Rolle zu. Anstatt die Verantwortung ausschliesslich auf die Schulen zu übertragen, brauche es eine ganzheitliche Lösung. «Bezüglich Kontrolle und Beschränkung des Gebrauchs des Handys ist auch die Zusammenarbeit mit den Eltern sehr wichtig.» Lehrpersonen und Erziehungsberechtigte müssten den Kindern vorleben, wie ein verantwortungsvoller Umgang mit digitalen Geräten aussehe. «Ein Training von konsequent eingehaltenen digitalen Auszeiten ist unabdingbar.» Dass Jugendliche vielUnfugmitdem HandyinihrerFreizeitbetreibenund weniger in der Schule, bestätigt Schleiss. Gerade deshalb sei es sinnvoll, im schulischen Kontext klare Leitplanken zu setzen. Schule solle ein Raum sein, in dem konzentriertes Lernen möglich ist – ohne ständige Push-Nachrichten, Chats und Social-Media-Reize. Parallel zur Smartphone-Debatte wurde im Kantonsrat eine weitergehende Forderung diskutiert: Ein Postulat verlangte ein Verbot sämtlicher digitaler Geräte im Zyklus 1, also vom Kindergarten bis Ende der zweiten Primarklasse. Der Regierungsrat hatte das Anliegen zur Erheblicherklärung empfohlen, weil er beim Einsatz digitaler Geräte bei kleinen Kindern mehr Nachteile – etwa Konzentrationsstörungen, Sprachverzögerungen oder eingeschränkte soziale Interaktion – als Vorteile sah. Der Kantonsrat folgte dieser Empfehlung jedoch nicht.Damit dürfen Tablets und Laptops im Zyklus 1 weiterhin eingesetzt werden,wie es auch der Lehrplan 21 vorsieht. Diese Differenzierung zeigt: Es geht nicht um eine generelle Verteufelung digitaler Technologien. Vielmehr steht die Frage im Zentrum, wann und wie ihr Einsatz pädagogisch sinnvoll ist. Während Smartphones als private Geräte im Schulalltag vorallem Ablenkungspotenzial bergen,können digitale Lernmittel im Unterricht gezielt und qualitätsvoll eingesetzt werden. Wie die Lehrerschaft die aktuellen Regelungen beurteilt, kann Schleiss nicht pauschal sagen. Doch er geht davon aus, dass die Mehrheit hinter den getroffenen Massnahmen steht. Lehrpersonen verfügten aufgrund ihrer pädagogischen Expertise und des engen Kontakts mit Eltern über ein feines Gespür für gesellschaftliche Entwicklungen. Idealerweise seien die schulischen Regelungen partizipativ erarbeitet worden – was die Akzeptanz zusätzlich erhöhe.
Und wie reagieren die Jugendlichen selbst? Direkte Rückmeldungen habe er bislang keine erhalten, sagt Schleiss.Aus seiner früheren Tätigkeit im Zusammenhang mit dem Tenero-Sportlager wisse er jedoch, dass handyfreie Zeiten durchaus geschätzt würden. «Die Kinder und Jugendlichen haben die ‹handy-freie› Woche jeweils sehr genossen.» Junge Menschen seien generell dankbar für klare Regeln und deren konsequente Durchsetzung. Schleiss ist deshalb überzeugt, dass sie auch mit den aktuellen Einschränkungen zurechtkommen.Der Kanton Zug setzt damit auf einen Mittelweg: klare Grenzen für private Smartphones im Schulalltag, aber kein generelles Digitalverbot. Ob sich dieser Kurs bewährt, wird sich spätestens zeigen, wenn die geplante Gesetzesrevision vorliegt. Die Grundhaltung ist jedoch klar: Lernen braucht Konzentration – und manchmal auch Distanz zum Bildschirm
Mohan Mani
Lade Fotos..