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Wie ein Verein die industrielle Vergangenheit des Kantons Zug sichtbar macht – und damit Geschichte, Landschaft und Identität miteinander verbindet.
Der Kanton Zug zählt heute zu den dynamischsten Wirtschaftsregionen der Schweiz. Weniger bekannt ist, dass seine Erfolgsgeschichte tief in der Industrialisierung des 19. Jahrhunderts wurzelt. Genau hier setzt der Verein Industriepfad Lorze an: Seit über drei Jahrzehnten macht er die industrielle Entwicklung entlang der Lorze erlebbar – nicht im Museum, sondern draussen in der Landschaft. Mit einem Themenweg, Sammlungen und Vermittlungsangeboten trägt der Verein entscheidend dazu bei, die Industriekultur der Region lebendig zu halten und für ein breites Publikum zugänglich zu machen.
Gegründet wurde der Verein im Jahr 1994 mit dem Ziel, das Verständnis für die Industriekultur im Kanton Zug zu fördern. Ausgangspunkt war die Erkenntnis, dass die industrielle Vergangenheit der Region zwar prägend, aber im öffentlichen Bewusstsein wenig präsent war. Bereits in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich Zug zum am stärksten industrialisierten Kanton der Zentralschweiz – eine Entwicklung, die Landschaft, Gesellschaft und Wirtschaft nachhaltig veränderte. Das Herzstück der Vereinsarbeit ist der Industriepfad entlang der Lorze. Auf rund 30 Kilometern führt dieser Themenweg durch eine eindrückliche Kulturlandschaft und verbindet Naturerlebnis mit Geschichtsvermittlung. Rund 70 Schautafeln erzählen entlang des Flusses von Fabriken, Wasserkraftnutzung, Arbeiterleben und technischen Innovationen. Dabei wird deutlich, welche zentrale Rolle die Lorze als «Lebensader» der Industrialisierung spielte: Ihr Wasser wurde über Stauwehre, Kanäle und Turbinen nutzbar gemacht und lieferte die Energie für Spinnereien, Werkstätten und später für elektrische Anlagen.
Der Industriepfad ist bewusst als offenes, frei zugängliches Angebot konzipiert. Spaziergängerinnen, Wanderer oder Schulklassen können einzelne Etappen oder den gesamten Weg erkunden. Verschiedene Routenabschnitte ermöglichen dabei unterschiedliche Perspektiven auf die Industriegeschichte – von den frühen wassergetriebenen Anlagen bis hin zu modernen Industriezweigen. Ergänzt wird das Erlebnis durch Führungen, die der Verein regelmässig organisiert und die vertiefte Einblicke in die wirtschaftliche und soziale Entwicklung der Region bieten. Neben dem Themenweg engagiert sich der Verein auch in der Sammlung und Bewahrung industriegeschichtlicher Objekte. Seit seiner Gründung wurden zahlreiche Maschinen, Geräte und Dokumente gesichert, die sonst verloren gegangen wären. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Sammlung von elektrischen Apparaten zur Regelung, Steuerung und Messung, die heute als eine der bedeutendsten ihrer Art gilt. Diese Objekte sind im Schaulager «Sammlung Zuger Industrieobjekte» im Zuger Depot für Technikgeschichte in Neuheim zugänglich und bilden eine wichtige Grundlage für Forschung und Vermittlung. Ein weiteres zentrales Anliegen des Vereins ist die Wissensvermittlung. Mit Publikationen, Ausstellungen und digitalen Angeboten wird die Industriegeschichte des Kantons Zug kontinuierlich aufgearbeitet. Eine Onlineplattform bündelt Texte, Bilder und historische Quellen und lädt dazu ein, die Entwicklung der Region von den agrarischen Anfängen bis zur global vernetzten Wirtschaft nachzuvollziehen. Auch innovative Formate wie eine GPS-basierte App, die Besuchende zu historischen Stationen in der Stadt Zug führt, zeigen, wie der Verein traditionelle Inhalte mit modernen Technologien verbindet.
Der Verein versteht sich dabei nicht nur als Vermittler, sondern auch als Netzwerk. Er ist Ansprechpartner für Private, Unternehmen und öffentliche Institutionen, wenn es um Fragen der Industrie- und Wirtschaftsgeschichte geht. Mit einem breit abgestützten Vorstand und mehreren hundert Mitgliedern vereint er unterschiedliche Perspektiven – von Wirtschaft und Wissenschaft bis hin zu Kultur und Politik. Die Bedeutung dieser Arbeit geht über die reine Geschichtspflege hinaus. Industriekultur ist immer auch Identitätsgeschichte: Sie erzählt davon, wie eine Region geworden ist, was sie geprägt hat und welche Entwicklungen sie in die Gegenwart geführt haben. Der Industriepfad Lorze macht diese Zusammenhänge sichtbar – nicht abstrakt, sondern konkret vor Ort, eingebettet in die Landschaft und verknüpft mit realen Schauplätzen. So entsteht ein vielschichtiges Erlebnis, das Vergangenheit und Gegenwart verbindet. Wer dem Lauf der Lorze folgt, begegnet nicht nur Natur und Erholung, sondern auch den Spuren einer bewegten industriellen Entwicklung. Der Verein Industriepfad Lorze sorgt dafür, dass diese Spuren nicht verblassen, sondern weiterhin erzählt, erforscht und erlebt werden können – als Teil einer lebendigen und zukunftsorientierten Erinnerungskultur.
Mehr Informationen unter www.industriepfad-lorze.ch
Beim Projekt «Zug in der Welt» handelt sich um eine Website mit diversen wissenschaftlichen Berichten zur Zuger Wirtschaftsgeschichte der letzten 200 Jahre, welche den Erfolg des Kantons Zug erklären, aber auch kritisch hinterfragen. Es werden Fragen aufgeworfen wie: Wie gelangte Ende des 19. Jahrhunderts die Milch von Chamer Kühen in britische Kolonien? Wie wurde Steinhausen zu einem Knotenpunkt für Zusatzfutter? Wer legte die Basis für den Erfolg der Zuger Metall-, Elektro- und Textilindustrie? Warum entstand bei uns ein globaler Rohstoff-Hub und entwickelte sich Zug zu einem Life-Science-Cluster? Das Forschungs- und Vermittlungsprojekt «Zug in der Welt» liefert Antworten auf solch spannende wirtschafts- und gesellschaftspolitische Fragen, schärft den Blick für Zusammenhänge und will Laien für Zuger Geschichte(n) begeistern. Über praktische Auswahl- und Suchfunktionen lassen sich historische Fotografien, Bildstrecken und Dokumente zu unterschiedlichsten Themen der Zuger Wirtschafts- und Industriegeschichte entdecken. Das Projekt des Vereins Industriepfad Lorze (IPL) bietet spannende Einblicke in die Entwicklung des Kantons Zug während der letzten zweihundert Jahre und macht bedeutende Ereignisse, Unternehmen und Persönlichkeiten der Region digital zugänglich.
Mohan Mani
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