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Vreny Hürlimann-Schweikher vor dem Grand Cinema Zug in den 1920er-Jahren.
Sie brachte den ersten Tonfilm nach Zug, eröffnete mehrere Kinos und trieb die Entwicklung des Zuger Kinowesens massgeblich voran. Veronika Hürlimann gehört zu den historischen Frauen, die den Kanton Zug entscheidend geprägt haben.
Das älteste Kino in Zug, das Kino Gotthard, trug früher einen anderen Namen: «Grand Cinema Zug». Mit seinen toskanischen Säulen sah es aus wie ein griechischer Tempel und kam zustande aus den Ambitionen einer Frau: Veronika Hürlimann. Schon seit sie ein Mädchen war, interessierte sich die zukünftige Kinobesitzerin für Film. Als verheiratete Frau blieb diese Leidenschaft weiterhin erhalten und sie träumte sogar von einem eigenen Kino. Als sie und ihr Mann nach Baden zogen, wo bereits ab 1910 mehrere Kinos eröffnet worden waren, traf sie 1913 den Kinobesitzer René Marchal. Die beiden beschlossen schnell zusammen zu arbeiten. Kurz danach verliessen Veronika und ihre Familie Baden jedoch und zogen nach Zug. Trotzdem würde sie dort zusammen mit Marchal, der weiterhin in Baden ansässig war, die ersten Schritte nehmen, um ihren Traum eine Realität zu machen. Auf dem Gelände des ehemaligen Gaswerks, neben dem Bahnhof Zug, kaufte Veronika 1923 ein Stück Brachland, worauf später das Grand Cinema stehen würde. Obwohl sie den Kauf sowie den Bauauftrag an die damalige Zeit besten Zuger Architekten, Dagobert Keiser und Richard Bracher, selbstbestimmt ausführte, musste sie den Gesellschaftsvertrag mit René Marchal trotzdem noch mit dem Namen ihres Mannes unterschreiben. «Frau Freddy Hürlimann» wie sie im Vertrag bezeichnet wurde, gelang es mithilfe der Architekten das erste fix installierte Kino von Zug zu gründen.
Sie und Marchal teilten sich die Aufgaben der Kinoleitung wobei Veronika die Direktion und den Betrieb übernahm während Marchal die Filme organisierte und für technische Fragen zuständig war. Passend zum heutigen Namen des Kinos war der erste Film, der gezeigt wurde, eine Dokumentation über die Elektrifizierung der Gotthardbahn. Diese erste geschlossene Vorstellung fand am Dienstag, 13. November 1923, statt und am darauffolgenden Mittwoch, 14. November 1923, öffnete das Kino seine Türen für die Zuger Bevölkerung. Die anfangs noch gute Zusammenarbeit zwischen Veronika und Marchal lief jedoch nicht so geschmeidig wie sie sich es erdacht haben. Schon 1924 trat Marchal seinen Geschäftsanteil am Grand Cinema ab. Zu dieser Einigung im Wert von 30'000 Franken kam es hauptsächlich dazu, weil er Hürlimann-Schweikhers Anforderungen an Transparenz nicht gerecht werden konnte. Er erfüllte seinen Auftrag, die Organisation des Equipments, nicht so, wie sie es sich gewünscht hätte. Sie warf ihm vor, Geld aus dem Betriebskonto für private Zwecke entnommen zu haben und sogar versucht zu haben, sie zu täuschen. Der Streit eskalierte, Anwälte wurden herbeigezogen und als Marchal sich nicht darum kümmerte, dass der Projektor bei einer Premiere nicht funktionierte, endete alles mit dem Verkauf seiner Geschäftsanteile.
Ab Oktober 1925 lag der Kinobesitz ausschliesslich in ihrer Hand. Im Handelsregister wurde das Grand Cinema auf den Namen «Vreny Hürlimann» eingetragen und Hürlimann-Schweikher konnte mit ihrem Ausbau des Kinos starten. Veronika Hürlimann war eine geschickte Geschäftsfrau, was sich in ihren langjährigen Tätigkeiten in der Werbung zeigte. Schon in den 1920er Jahren entwarf sie mehrere Werbetexte, die den geltenden Bauvorschriften entsprechende Bauweise ihres Kinos hervorheben. Ausserdem konnte gut abschätzen, wann sich eine Investition auszahlen würde. Sie wollte mit der Technologie in ihrem Kino derjenigen in den grössten Zürcher Lichtspielhäusern ebenbürtig sein. So würde die Zuger Bevölkerung am 16.August 1930, dank ihrer Teurer Investition in die Tonfilmeinrichtung Anlage, den ersten Tonfilm im Grand Cinéma erleben.
Kinos wurden in der Nachkriegszeit zu einer rasant wachsenden Unterhaltungsbranche und Veronika Hürlimann sah dies wieder als eine vielversprechende Chance. Sie plante, ein weiteres Kino im Kanton Zug zu eröffnen: das Kino Seehof im Herzen von Zug. Es wurde 1948 in Zusammenarbeit mit ihrem Sohn Albert Hürlimann, auf die Beine gestellt. In dieser Zeit herrschten jedoch wesentliche Spannungen zwischen Verleihern und Kinobetrieben. Da die Mehrheit der Filme aus den USA kamen, verlangten die amerikanischen Verleiher dieser Filme einen grossen Teil der Einnahmen des Kinos. Der Schweizer Verband der Lichtspieltheater (SLV) wollte das ändern und beschlossen 1946, dass Verleiher nur noch maximal 50 Prozent der Kinoeinnahmen bekommen sollen. Das war ein Versuch, die Macht der ausländischen Verleiher zu begrenzen. Viele der Teilnehmer dieser Abstimmung, wollten sie im Geheimen durchführen. Veronika Hürlimann-Schweikher fand dies jedoch sinnlos. Sie dachte, wenn sogar sie als «kleine Frau» mutig genug war ihre Meinung offen darzulegen, sollten sich auch die Männer für ein offenes Ja oder Nein aussprechen. Sie setzte sich später auch aktiv gegen neue lokale Konkurrenz ein und verhinderte oder bekämpfte neue Kinoprojekte in ihrer Umgebung. Auch in Baar waren Pläne für ein weiteres Kino im Gang. Schon 1937 hat sie den Ort im Auge gehabt und zeigte im Pavillon des Gasthofs Bahnhof Filme. Ihre Priorität in Baar war es gute Filme zu zeigen. Der Einwohnerrat Baar plädierte dafür, dass nur Produktionen wie Dokumentarfilme gezeigt werden, die «die Vorgänge in der Natur, Landschaften, die Herstellung von Produkten usw. wiedergeben». Anstatt der bisherigen «gefährlichen» Filme wie «Gangster- und Westernfilme». Hürlimann-Schweikher war mit dem nicht einverstanden und dachte sogar, dass «gerade die guten, sensiblen Filme in Baar nicht beachtet werden». Daher würde sie an der Eröffnung des Kino Lux, im Jahr 1956, den Tanzfilm «Der gläserne Pantoffel» zeigen und damit das Lob der Kinoelite der Deutschschweiz ernten. Diese würdigte die Eröffnung des Kinos zu einer Zeit, als das Schweizer Fernsehen erst begann, regelmässig Sendungen auszuprobieren. Fünf Jahre später stand die Aufgabe im Vordergrund, die Zuger Kinobetriebe in der 1961 gegründeten Kino Hürlimann AG für die Zukunft auf stabile Beine zu stellen.
Bis zu ihrem Tod im Jahr 1975 im Alter von 85 Jahren war Veronika Hürlimann stark in der Kinobranche involviert. Sie hatte viele Freunde, welche selbst Kinobetreiber waren und gerne zu ihren Premieren erschienen. Sie war nicht nur passiv im SLV beteiligt, sondern hat sich aktiv eine Stimme erkämpft. Sogar auf nationaler Ebene hatte sie einst einen abgelehnten Antrag bis vor Bundesgericht weitergezogen, um das Kinobetriebsverbot an einzelnen Feiertagen wie dem Neujahrstag aufzuheben. Veronika Hürlmanns Kinder zogen sich zwar aus dem Kinogeschäft aus aber ihr Einfluss auf das Kinowesen in Zug ist bis heute noch spürbar. 1976 ging das Kinogeschäft an Bruno Ulrich, der ähnlich wie Hürlimann-Schweikher, einen grossen Wert auf qualitativ hochwertige Filme setze. Heute sind die Zuger Kinos wieder in der Hand der Familie Hürlimann. Ihre Enkel Alban und Adrian Hürlimann betreiben die vier Säle, und die Tochter und der Sohn von Alban Hürlimann stehen bereits bereit, um das von Lebenswerk von Veronika Hürlimann weiterzuführen.
Sofija Prsic
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