Nachhaltigkeit
Impulse für nachhaltige Städte und Gemeinden aus der Zentralschweiz
Mit seinem schwarz glänzenden Näschen und stacheligen Rücken gehört der Igel zu den beliebtesten Wildtieren der Schweiz. Doch Strassen, gepflegte Gärten und intensive Landwirtschaft machen ihm das Leben schwer. Umso wichtiger sind naturnahe Rückzugsorte in Dörfern und Städten.
Der Braunbrustigel ist seit rund 20’000 Jahren in der Schweiz heimisch und trägt ausgewachsen rund 8000 Stacheln. Lange Zeit fand er in der abwechslungsreichen Kulturlandschaft alles, was er zum Leben braucht: dichte Hecken, Laub- und Asthaufen, Totholz und ein reiches Angebot an Insekten, Würmern und anderen Kleintieren. Die Landschaft bot ihm ein gut vernetztes Netzwerk aus Verstecken und Nahrungsquellen – ideale Bedingungen für einen nachtaktiven Insektenfresser. Im letzten Jahrhundert hat sich sein Lebensraum jedoch radikal verändert. Viele Hecken und Wildstrukturen wurden entfernt, Bäche in unterirdische Röhren verlegt, Wiesen intensiv bewirtschaftet. Dadurch ist der Igel heute vor allem auf naturnahe Gärten, Parks und locker besiedelte Gebiete angewiesen. Selbst in Städten lässt sich der kleine Stachler manchmal beobachten, doch sein Überleben hängt stark davon ab, dass diese Lebensräume erhalten oder neu geschaffen werden.
Im Frühling lassen sich in Gärten und Parks oft die auffälligen Paarungsrituale der Igel beobachten – das sogenannte «Igelkarussell». Das Männchen umkreist das Weibchen oft stundenlang, bis sie stehen bleibt, ihre Stacheln flachlegt und die Paarung möglich wird. Diese akrobatischen Liebesrunden sind laut, fast wie ein kleiner Frühlingsrummel mitten in der Natur. Nach 35 Tagen bringt die alleinerziehende Mutter im Schnitt zwei bis sieben Junge zur Welt. Bei der Geburt sind die Stacheln der Jungigel noch weich und in die Haut eingebettet. Schon nach rund sechs Wochen müssen sie jedoch selbstständig fressen, um fit für den bevorstehenden Winter zu werden. Das bedeutet: Tag für Tag Nahrung suchen, sich vor Gefahren schützen und wachsen – ein hartes Stück Arbeit für die kleinen Stachelkugeln. Auf nächtlichen Streifzügen unterwegs legen Igel in der Nacht oft bis zu einem Kilometer auf der Suche nach Futter zurück. Dabei stossen sie auf viele Gefahren: Strassen, Kellertreppen, Lichtschächte oder Schwimmbecken können schnell tödlich sein. Besonders riskant ist die Paarungszeit ab Mitte April, wenn die Männchen auf der Suche nach paarungsbereiten Weibchen mehrere Kilometer zurücklegen. Ein kleiner, aber entscheidender Tipp für Gartenbesitzer: Igel können durch jede Öffnung schlüpfen, in die eine Faust passt, eine Faustregel, die wortwörtlich Leben retten kann. Auch niedrige Bordsteine oder Treppenstufen stellen für Jungigel grosse Hindernisse dar (siehe Bild rechts). Wer in seinem Garten kleine Durchgänge zwischen Hecken oder Beeten einplant, hilft den Tieren enorm.
Igel sind reine Fleischfresser. Ihre Hauptnahrung besteht aus Laufkäfern, Schmetterlingsraupen, Regenwürmern und anderen Kleintieren. Pflanzliche Nahrung können sie nicht verdauen. Wer also einen Igel an einem Apfel schnuppern sieht, sollte wissen: Er sucht nicht nach Früchten, sondern nach den darin versteckten Würmern. Denn ein Igel muss, um den Winter überleben zukönnen, im Herbst 500 Gramm wiegen. Doch das Nahrungsangebot wird immer knapper. Das Insektensterben macht selbst vor Gärten, Parks und städtischen Grünflächen nicht halt. Ohne genügend Beute drohen Hunger, Mangelernährung und ein längerer oder unterbrochener Winterschlaf – fatal für das Überleben der Tiere.
2026 Angesichts dieser Bedrohungen wurde der Igel zum Tier des Jahres 2026 gewählt. Pro Natura nutzt diese Gelegenheit, um auf die Herausforderungen aufmerksam zu machen, vor denen die stacheligen Sympathieträger heute stehen. Wer mehr über den Igel und seine Lebensweise erfahren möchte, kann dies am 9. Februar bei einem Online-Vortrag tun – vom Paarungsverhalten über die Aufzucht der Jungtiere bis hin zu praktischen Tipps für igelfreundliche Gärten. Die Wahl zum Tier des Jahres soll ausserdem ein Zeichen setzen: Jeder kann einen Beitrag leisten. Je mehr Gärten, Parks und Friedhöfe naturnah gestaltet werden, desto besser stehen die Chancen für die Igel, sich zu ernähren, Nachwuchs grosszuziehen und sicher durch die Nacht zu streifen.
Gärten naturnah zu gestalten, ist gar nicht schwer: Laubhaufen und Asthaufen als Winterquartier lassen, ungespritzte Beete anlegen, Ecken für ungestörtes Schlafen schaffen – all das hilft dem Igel enorm. Wer zudem auf Insektenfreundlichkeit achtet, Mähmaschinen vorsichtig einsetzt und sichere Durchgänge zwischen Gärten schafft, rettet aktiv Leben. Pro Natura betont: Die kleinen Stacheltiere sind ein Symbol dafür, dass Wildtiere auch mitten in unseren Siedlungen einen Platz finden können. Mit etwas Rücksicht, naturnaher Gestaltung und Aufmerksamkeit für die Bedürfnisse der Tiere können wir dazu beitragen, dass der Igel weiterhin durch unsere Gärten tippelt – und wir uns an einem der beliebtesten Wildtiere der Schweiz erfreuen können.
MS
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