Holzhäusern
Bohrkopf «Simone» startet inden Untergrund
Andrea Iten, zweite von links, mit dem Vorstand der Zuger Bäuerinnen – gemeinsam gestalten sie ein aktives Vereinsjahr. Foto: zvg
Nicht zu früh pflanzen, Kulturland schützen und den Dialog suchen: Die Zuger Bäuerinnen starten mit Tatkraft ins neue Vereinsjahr und setzen klare Zeichen für Landwirtschaft und Gesellschaft.
Seit 1934 engagieren sich die Zuger Bäuerinnen für die Anliegen der Landwirtschaft im Kanton Zug. Was einst als Zusammenschluss engagierter Frauen begann, ist heute ein lebendiger Verein mit rund 500 Mitgliedern aus allen elf Gemeinden. Mit kreativen Kursen, spannenden Exkursionen, geselligen Anlässen und starkem Einsatz für die Öffentlichkeitsarbeit formen sie das gesellschaftliche Leben im Kanton aktiv mit. Ob an der Zugermesse, beim Chriesi- Sturm oder am Tag der Pausenmilch – die Bäuerinnen suchen bewusst den Dialog mit der Bevölkerung. Gleichzeitig pflegen sie Traditionen, fördern den Austausch untereinander und greifen aktuelle Themen wie Nachhaltigkeit oder Food Waste auf. Im Namen des Vorstands gibt Andrea Iten Einblick ins Vereinsjahr der Zuger Bäuerinnen.
Die Zuger Bäuerinnen bestehen seit 1934 – was macht Ihren Verein auch nach über 90 Jahren noch lebendig und attraktiv für rund 500 Mitglieder?
Wir bieten unseren Mitgliedern ein abwechslungsreiches, spannendes und lehrreiches Jahresprogramm mit kreativen Kursen oder interessanten Führungen an. Auch die Geselligkeit und der Austausch sind und bleiben sehr wichtig und das wird auch stets gepflegt.
«Wir geben der Landwirtschaft ein Gesicht – und zeigen, dass sie mehr ist als nur Felder und Kühe.»
Die Generalversammlung in Walchwil zeigte einmal mehr, wie vielfältig Ihr Jahresprogramm ist. Auf welche Kurse, Ausflüge oder Anlässe freuen Sie sich 2026 besonders?
Gibt es schon ein Highlight? Ein besonders schöner Anlass war zum Beispiel die Führung im Paraplegiker Zentrum Nottwil Ende Februar, wo zwei Betroffene eindrücklich von ihrem Alltag berichteten. Ein weiteres Highlight ist sicher auch immer die Bäuerinnen-Auszeit. Drei Tage nicht auf die Uhr schauen und einfach sein- das tut einfach gut. Dann kommt auch der «Bürinnä und Buurä-Abig» näher, wo Christian Gwerder, Älpler vom Muotathal über seine Musical-Ausbildung berichtet und wie er diesen Spagat geschafft hat. Eigentlich ist unserer Vereinsjahr immer gespickt von Highlights!
Mit Aktionen wie dem Milchshakestand an der Zugermesse oder dem Tag der Pausenmilch sind Sie stark in der Öffentlichkeit präsent. Warum ist Ihnen diese Öffentlichkeitsarbeit für die Landwirtschaft so wichtig?
Da viele Leute keinen direkten Bezug mehr zur Landwirtschaft haben, ist es enorm wichtig, mit ihnen ins Gespräch zu kommen und auch Fragen zu beantworten. Wir bemühen uns, nicht nur «auf unserer Scholle» zu sitzen, sondern der Landwirtschaft ein Gesicht zu geben.
Der Frühling steht vor der Tür: Was bedeutet diese Jahreszeit für Sie als Bäuerinnen – beruflich wie auch persönlich?
Der Frühling ist die wichtigste Jahreszeit für uns, denn er stellt die Weichen für ein ertragreiches Jahr. Momentan geniessen wir natürlich die ersten warmen Sonnenstrahlen. Bei einigen schwingt aber auch immer etwas Respekt mit, denn wenn die Bäume zu treiben beginnen, die Knospen schwellen und es anfängt zu blühen ist es immer auch sehr heikel, wenn es allenfalls Frostnächte geben würde. Und jetzt ist es ja erst Anfang März und die Wahrscheinlichkeit, dass es nochmals kälter wird, ist hoch. Aber wir hoffen – wie alle Jahre, dass es gut kommt.
Welche konkreten Tipps geben Sie unseren Leserinnen und Lesern für den Start in die Gartensaison? Worauf sollte man jetzt besonders achten (Boden, Aussaat oder Pflanzenwahl)?
«Nid dri schiesse!» Würde ich da sagen! Die ersten Sonnenstrahlen werden natürlich von allen genossen und die wärmeren Temperaturen verleiten uns, Blumen zu pflanzen und im Garten zu arbeiten. Aber eben, es ist noch früh und die Sache mit den Eisheiligen hat schon auch etwas Wahres. Wenn man Blumen pflanzen will, dann sollte man auf frostharte Sorten setzen und im Garten ein Vlies bereit haben und die empfindlichen Pflanzen zu schützen. Es ist besser zu warten, bis der Boden wirklich Wärme tanken konnte.
Nachhaltigkeit, regionale Produkte und Food Waste sind aktuell viel diskutierte Themen. Welche einfachen, alltagstauglichen Tipps haben Sie für einen bewussteren Umgang mit Lebensmitteln?
Saisonal und regional einkaufen ist das Wichtigste! Und auch Resten kreativ zu verarbeiten, denn daraus gibt es meist neue, feine Kreationen. Einen Wochenmenüplan zu erstellen hilft ebenfalls und erleichtert das Einkaufen.
«Nid dri schiesse! Die ersten Sonnenstrahlen locken alle nach draussen – aber Geduld zahlt sich aus.»
Traditionen wie die Maiandacht, der Chriesi-Sturm oder das berühmte Dessertbuffet gehören fest dazu. Welche Anlässe liegen Ihnen besonders am Herzen?
Die Zuger Messe ist sicherlich einer der wichtigsten Anlässe für uns, weil wir in den 9 Tagen sehr viel Kontakt mit der städtischen Bevölkerung haben und ins Gespräch kommen können. Am Chriesi-Sturm oder auch am Apfelwähentag wollen wir mit unseren selbstgemachten Kuchen eine Brücke schlagen vom Produzenten zum Konsumenten.
Wenn Sie sich etwas für die Zukunft der Landwirtschaft und der Bäuerinnen im Kanton Zug wünschen dürften – was wäre das?
Und wie können auch Nicht-Bäuerinnen Ihren Verein unterstützen oder mitmachen? Wertvolles Kulturland zu schützen und nicht nur auf Wachstum zu setzen, das würden wir uns wünschen. Der Druck auf Landreserven wird nämlich immer grösser, die Bautätigkeit ist manchmal beängstigend. Grünflächen sind nicht nur das Beste fürs Klima, sondern auch für unsere Gemüter. Um in unserem Verein mitzumachen, muss man nicht explizit Bäuerin sein. Wir sind offen für alle, die der heimischen Landwirtschaft wohlgesinnt sind und Interesse an unseren Kursen und Veranstaltungen haben. Am besten die Homepage besuchen und sich bei einer Ortsvertreterin melden. Wir freuen uns über Neumitglieder.
Michael Schwegler
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