Holzhäusern
Bohrkopf «Simone» startet inden Untergrund
Nur drei Jahre nach der Gründung sichert sich das EVZ Women’s Team den Schweizer Meistertitel. Trainerin Daniela Diaz spricht im Interview über die Erfolgsfaktoren und die nächsten Ziele.
Hinter dem rasanten Aufstieg des EVZ Women’s Teams steht ein klarer Plan – und eine treibende Kraft an der Bande: Trainerin Daniela Diaz. Seit der Lancierung des «Women’s and Girls»-Programms ist sie nicht nur für die sportliche Führung zuständig, sondern prägt die Vision, das Team und die gesamte Nachwuchsförderung entscheidend mit. Unter ihrer Leitung hat sich das Team in nur drei Jahren vom Neuaufbau zur Spitze des Schweizer Frauen-Eishockeys entwickelt, holte den Schweizer Meistertitel, den National Cup und setzte in den Playoffs neue Massstäbe. Die Erfolgsgeschichte ist beeindruckend: Ein neu gegründetes Team, das in Rekordzeit den Schweizer Eishockey- Thron erklomm, hohe Zuschauerzahlen erreichte und gleichzeitig das Nachwuchsförderprogramm für Mädchen in Zug etablierte. Dabei legte Diaz von Anfang an Wert auf eine klare Strategie, individuelle Förderung und eine starke Teamkultur, die jede Spielerin motiviert und gleichzeitig das Kollektiv stärkt. Im folgenden Interview spricht Diaz über die Höhepunkte dieser Saison, die entscheidenden Faktoren für den Erfolg, die Rolle der Führungsspielerinnen, die Entwicklung der Spielerinnen und die Pläne für die nächsten Jahre. Sie gibt Einblicke, wie sich das Team trotz schnellen Erfolgs kontinuierlich weiterentwickelt wird, welche Herausforderungen gemeistert werden mussten und welche Vision sie für die Zukunft des Frauen-Eishockeys in Zug hat.
Nach dieser dominanten Finalserie – was macht Sie als Trainerin am meisten stolz auf Ihr Team?
Es gibt viele Dinge, auf welche ich stolz bin. In erster Linie bin ich vor allem stolz auf das Team, auf jede einzelne Spielerin. Es gab viele Herausforderungen diese Saison, mit allen sind wir super umgegangen. Wir hatten immer das grosse Ganze im Blick, das Team hat alle Herausforderungen als Chance zum Wachsen angeschaut. Das hat uns am Ende so stark gemacht. Wir waren über die ganze Saison unglaublich konstant. Die Grundlage dafür? Das Commitment jeder einzelnen Spielerin in jedem einzelnen Training – und die Fähigkeit, in den Ernstkämpfen das Geforderte abrufen und umsetzen zu können.
Die Serie wurde mit 3:0 entschieden – war das aus Ihrer Sicht das Resultat perfekter Vorbereitung oder hat das Team Sie sogar noch überrascht?
Ein 3:0-Sieg in einer Finalserie ist nie selbstverständlich. Unser Fundament war aber gut. Dahinter steckt aber sehr viel Arbeit, dass darf man nicht vergessen. Wir haben sehr hart gearbeitet eine ganze Saison lang und waren so bereit in den Playoffs. Dazu kommt der unglaublich gute Teamspirit. Er ist ein weiterer Eckpfeiler dieser herausragenden Saison.
Das Team hat bereits in der Qualifikation überzeugt und nur sehr wenige Spiele verloren – was war der Schlüssel zu dieser konstant starken Leistung über die gesamte Saison?
Wir hatten für die ganze Saison einen Plan. Regular Season. National Cup. Olympia-Pause. Playoffs. Die Art und Weise, wie das Team die Vorgaben des Coaching Staffs in den einzelnen Phasen umgesetzt hat, hat mich beeindruckt. Es hat sich stets an den Plan gehalten. Auch das ist nur möglich dank gutem Teamspirit.
Im dritten Finalspiel kam der Gegner zwischenzeitlich nochmals näher heran – wie haben Sie es geschafft, dass Ihr Team ruhig und fokussiert bleibt?
Solch ein «Rückschlag» in einem Spiel kann passieren. Ich habe umgehend mein Timeout genommen, das Team versammelt und an die Stärken appelliert. In einer solchen Situation ist es wichtig, Vertrauen auszusprechen. Und ganz wichtig: Auch selbst daran glauben. Es hat funktioniert. Wenig später erzielten wir das zwischenzeitliche 5:2 und konnten das Spiel beruhigen.
Bereits vor zwei Monaten konnte der Cupsieg gefeiert werden – wie schwierig war es, die Spannung und den Hunger bis zum Meistertitel hochzuhalten?
Das war ehrlich gesagt nicht so schwierig. Denn wir hatten wie bereits erwähnt einen Plan für die ganze Saison, wussten, was wann auf uns zukommen würde und hatten Ziele definiert. Auch dank den vielen guten Charakteren im Team konnte die Anspannung stets hochgehalten werden. Wir hatten von Anfang an eine Mission.
Der Verein ist erst seit wenigen Jahren wieder im Frauen-Eishockey aktiv – wie speziell ist dieser Titel für Sie persönlich in dieser Phase?
Der Titel bedeutet mir mega viel. Was hier in etwas mehr als drei Jahren entstanden ist, ist beeindruckend. Ich spürte von Anfang das Commitment der EVZ Organisation, aber auch von den Fans und Sponsoren. In der Regular Season kamen im Schnitt 1313 Fan an unsere Heimspiele – Europarekord. Im Playoff-Final kamen zweimal rund 4000 Zuschauer, das hätte ich mir nicht erträumt vor vier Jahren. Es ist schön, der ganzen Bewegung in Form eines solchen Titels etwas zurückgeben zu können. Trotz allem haben wir hier aber immer noch viel vor und sind noch lange nicht fertig. Es gibt viel zu tun in Zug.
Welche Rolle spielen Führungsspielerinnen und die Teamkultur in einem so erfolgreichen Kollektiv?
Sind sehr wichtig. Am Anfang steht die Frage: Wie bauen wir eine gute Kultur auf? Die Antwort ist: Mit tagtäglicher Arbeit, mit der richtigen Einstellung. An dem haben wir die ganze Saison gearbeitet, hier sind Führungsspielerinnen wichtig. Aber am Ende ist jede Rolle genau gleich wichtig. Es braucht Spielerinnen, die vorangehen. Aber es braucht auch alle anderen die mitziehen. Sonst kannst du keinen Erfolg haben.
Mit Blick in die Zukunft: Wo sehen Sie weiteres Entwicklungspotenzial bei Ihrem Team?
Zuerst möchten wir in diesen Tagen den Erfolg geniessen und feiern. Ein Double-Gewinn ist keine Selbstverständlichkeit. Dann analysieren wir die Saison tiefgründig, es gibt ein grosses Debriefing. Was war gut? Welches sind Dinge, die wir verbessern wollen? Auf dieser Grundlage entsteht dann ein Plan für die neue Saison.
Michael Schwegler
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