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«Wer sichtbar ist, kommt sicher an»: Mit dieser Aktion sensibilisiert die Zuger Polizei
Verkehrsteilnehmende für mehr Sicherheit im Strassenverkehr. Foto: Zuger Polizei
Während auf Zuger Strassen die Zahl der Unfälle stabil bleibt, verzeichnet die Schweiz einen alarmierenden Anstieg an Verkehrstoten. Laut BFU ist das Land im europäischen Vergleich Schlusslicht. Ein Warnsignal auch für die Zentralschweiz.
In den letzten fünf Jahren ist die Zahl der Verkehrstoten auf Schweizer Strassen um 34 Prozent gestiegen – stärker als in jedem anderen europäischen Land. Laut dem European Transport Safety Council (ETSC) verzeichnete kein EU-Staat eine derart negative Entwicklung. Während in Europa die Zahl der tödlichen Unfälle im Schnitt um 12 Prozent sank, kamen in der Schweiz im vergangenen Jahr 250 Menschen im Strassenverkehr ums Leben. Die Beratungsstelle für Unfallverhütung (BFU) warnt: Die Schweiz verliere ihren früheren Spitzenplatz in Sachen Verkehrssicherheit. Besonders die politischen Entscheide der letzten Jahre – etwa tiefere Altersgrenzen fürs Motorradfahren oder Hürden bei der Einführung von Tempo-30-Zonen – hätten negative Auswirkungen gezeigt.
Im Gegensatz zum nationalen Trend zeigt sich im Kanton Zug ein deutlich stabileres Bild. 2024 ereigneten sich 647 Verkehrsunfälle, nur zwei weniger als im Vorjahr. Dabei kamen zwei Personen ums Leben, drei wurden lebensbedrohlich verletzt. Insgesamt erlitten 81 Personen erhebliche und 249 leichte Verletzungen. Auch die Zahl der Fahrradunfälle (132) blieb auf Vorjahresniveau. Trotz dieser tragischen Einzelfälle bewegt sich der Kanton damit weiterhin auf einem tiefen Niveau. Laut Kantonspolizei Zug ist das kein Zufall, sondern das Resultat einer bewussten und vielschichtigen Präventionsarbeit. «Unsere Arbeit im Bereich der Verkehrssicherheit ist sehr vielschichtig», heisst es seitens der Medienstelle. «Im Rahmen der täglichen Patrouillentätigkeit führen wir regelmässig Verkehrskontrollen durch – sowohl bei Fahrzeuglenkenden als auch bei Zweiradfahrenden.» Am «Tag des Lichts» vom 6. November führte die Polizei beispielsweise gemeinsam mit dem TCS eine Beleuchtungskontrolle durch. Ziel solcher Aktionen sei es, die Sichtbarkeit und Sicherheit in der dunklen Jahreszeit zu verbessern.
Neben Kontrollen setzt die Polizei Zug stark auf Aufklärung. «Ein wichtiger Bestandteil unserer Präventionsarbeit ist der Unterricht unserer Verkehrsinstruktorinnen und -instruktoren an den Schulen», erklärt die Medienstelle der Kantons Polizei. «Kinder und Jugendliche werden so früh für das Thema Verkehrssicherheit sensibilisiert.» Ergänzend informiert die Polizei die Bevölkerung über Social Media und andere Kanäle über aktuelle Gefahren und Präventionsthemen. Solche Sensibilisierungskampagnen sollen helfen, Unfälle langfristig zu vermeiden – etwa durch korrektes Verhalten im Strassenverkehr, die Nutzung von Licht und Reflektoren oder das richtige Tragen von Helmen auf dem Velo oder E-Bike. Trotz der positiven Bilanz im Kanton Zug bleibt der nationale Trend ein Warnsignal. Die BFU fordert klare politische Ziele und eine koordinierte Strategie, um die Zahl der Verkehrstoten wieder zu senken. Das vom Bundesamt für Strassen (Astra) gesetzte Ziel, die Zahl der Verkehrstoten bis 2030 auf 100 pro Jahr zu reduzieren, sei ohne zusätzliche Massnahmen kaum erreichbar. Nötig seien strengere Kontrollen bei Geschwindigkeit, Alkohol und Drogen, eine bessere Koordination zwischen Bund, Kantonen und Gemeinden sowie eine regelmässige Überprüfung der Massnahmen anhand messbarer Ziele. Auch im Kanton Zug sieht man die Wichtigkeit einer konsequenten Verkehrssicherheitsarbeit. Die Polizei betont, dass gezielte Aktionen und Schwerpunkte – etwa zu Geschwindigkeit, Ablenkung oder Sichtbarkeit – laufend angepasst und weitergeführt werden. Zug bleibt im nationalen Vergleich ein positives Beispiel: Trotz mehr Verkehr, wachsender Bevölkerung und zunehmender Mobilität sind die Unfallzahlen stabil. Doch der Druck bleibt. Die BFU mahnt: Verkehrssicherheit ist kein Selbstläufer. Nur wenn Prävention, Ausbildung und Infrastruktur Hand in Hand gehen, lassen sich Leben retten. Dazu braucht es neben konsequentem Handeln der Politik auch die Verantwortung jedes Einzelnen – ob am Steuer, im Sattel oder zu Fuss.
Michael Schwegler
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