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04.07.2022

Vom Bad für Mönche zur Schule für alle

Stiftungsratspräsident René Zihlmann, die ehemalige Walterswiler Schülerin Regula Hotz-Zürcher und der Archivar Philippe Bart präsentieren das Buch zur Geschichte von Walterswil.Bild: Franz Lustenberger

Stiftungsratspräsident René Zihlmann, die ehemalige Walterswiler Schülerin Regula Hotz-Zürcher und der Archivar Philippe Bart präsentieren das Buch zur Geschichte von Walterswil.Bild: Franz Lustenberger

Die Stiftung Don Bosco Walterswil feiert dieses Jahr ihr 50-jähriges Bestehen. Die Geschichte des Baarer Weilers geht aber viel weiter zurück.

Von: Franz Lustenberger

Einst ein Hof mit Schmiede, dann Heilbad des Klosters Wettingen, Wallfahrtsort, Kinderasyl und Internat, heute eine internationale Schule. Das ist die Geschichte von Walterswil im Zeitraffer. Dahinter verbergen sich viele Personen und Ereignisse, welche die Histo­rikerin Ruth Wiederkehr und der Baarer Archivar Philippe Bart für ein Buch aufgearbei-tet haben. Philippe Bart sagte an der Buchvernissage: «Jeder noch so kleine Ort ist wie ein eigenes Universum mit unzähligen Geschichten.»

Ein paar Geschichten sind im Folgenden herausgegriffen

An die Schulzeit als Externe in den 70er-Jahren erinnert sich Regula Hotz-Zürcher: «Wir Kinder von den umliegenden Höfen gingen im Internat in die Schule.» Dies dank einer Abmachung mit der Gemeinde, da der Schulweg ins Dorf doch sehr weit war. Die wenigen Mädchen unter den vielen Knaben hatten es einfach: «Die Buben haben uns in Ruhe gelassen und wir Mädchen waren ja so brav.» Der Turnunterricht sei nicht anspruchsvoll gewesen, «da er von einer Klosterfrau gegeben wurde». Und sie erinnert sich, dass sie damals noch auf Skiern von Büssikon hinunter zur Schule gefahren ist. Übrigens betrieb die Schule auch einen kleinen eigenen Skilift, den «tiefstgelegenen im Kanton».

Ein Prunkstück in Walterswil ist die Pietà in der Kapelle, ­geschaffen in der Zeit vor der ­Reformation. Diese Figur – der verstorbene Christus in den Armen seiner Mutter Maria – soll ursprünglich im Zürcher Fraumünster gestanden haben. Die Bilderstürmer sollen sie während der Reformation in die Limmat geworfen haben; der Fluss trieb sie bis zum Kloster Wettingen, wo sie von Mönchen aus dem Wasser gezogen wurde. Als die Zisterzienser von Wettingen unter Abt Peter Schmid im 17. Jahrhundert Walterswil erwarben und ausbauten, kam die Pietà für die neue Kapelle mit.

Heute würde man von einem «Wellness-Ferienort» sprechen

Für die Wettinger Mönche war Walterswil ein Ort der ­Erholung mit einem Bad. Neben den Mönchen badeten in Walters­wil auch Männer und Frauen aus Zug und der Umgebung. Es war kein grosses Heilbad mit riesigen Becken, aber es gab Zuber und Becken mit Wasser in unterschiedlicher Wärme, angereichert mit verschiedenen Heilkräutern. Quasi ein Vorläufer der heutigen Wellness-Kultur.

Pfarrherren aus Zürich beleben den Ort neu

Mit dem Ende der Bäderzeit und dem Rückzug der Abtei Wettingen wurde Walterswil wieder ein reiner Landwirtschaftsbetrieb, bis Anfang des 20. Jahrhunderts Pfarrherren aus Zürich den Ort neu entdeckten; sie errichteten ein Waisenhaus für katholische Kinder aus dem Industriequartier Aussersihl, mit Schule und betrieben von Heiligkreuzschwestern aus Cham. Philippe Bart erzählt: «Vom Weckglöcklein um 6 Uhr bis zum Rosenkranz um 19 Uhr war der Alltag klar strukturiert.» Aus dem Heim wurde nach dem Zweiten Weltkrieg ein Schulinternat, das auch den Baarer Kindern aus der Umgebung offenstand.

Nach der Schliessung des Internats hätte Walterswil wiederum ein verschlafener Ort werden können, dem ist aber nicht so. Mit dem Einzug der International School of Zug and Lucerne ist neues Leben in die alten Gebäude eingezogen. Walterswil – das ist mehr als ein Ortsteil von Baar, Walterswil ist ein Zeuge des Wandels über die Jahrhunderte.

Das Buch

Ort der Heilung und

ein Ort der Bildung

«Wissenschaftlich exakt und lesefreundlich» – so hat René Zihlmann, Präsident der Stiftung Don Bosco Walterswil, das Buch charakterisiert. Für die wissenschaftliche Genauigkeit waren die Historiker verantwortlich, welche sich über Wochen durch Archive und alte Schriften arbeiteten. Und dabei auch Überraschendes entdeckten, so die Tage­bücher von Ratsherr und Gutsverwalter Jakob Andermatt aus dem 17. Jahrhundert.

Das geschichtliche Werk wird ergänzt durch Interviews mit Frauen und Männern, die einen engen Bezug zu Walterswil haben. Gerade wegen dieser Mischung aus geschichtlichem Hintergrund und sehr persönlichen Gedanken ist das reich bebilderte Buch attraktiv. Geschichte ist die Basis für das Leben heute. fra

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