Front
13.06.2022

«Es gibt viel zu tun – packen wir es an!»

Trimurti Irzan und Jost Arnold befassen sich mit Anliegen des Energiestadt-Labels. Bild: Claudia Schneider

Trimurti Irzan und Jost Arnold befassen sich mit Anliegen des Energiestadt-Labels. Bild: Claudia Schneider

Seit 20 Jahren ist die Gemeinde Trägerin des Energiestadt-Labels. Im Herbst steht ein Re-Audit an. Was sind heute die Anforderungen?

Von: Claudia Schneider

Trimurti Irzan leitet seit drei Jahren die Fachstelle Energie / Umwelt. Sie untersteht der Bauabteilung, deren Vorsteher bekanntlich Jost Arnold ist. Die beiden geben Auskunft über den aktuellen Stand der Dinge.

Ist das Re-Audit im Herbst nur eine Formsache, oder unternimmt die Gemeinde diesbezüglich besondere Anstrengungen?

Irzan: Der Ablauf und das Vorgehen sind insbesondere auf Gemeinden ausgerichtet, die erst seit kurzem das Label besitzen oder sich neu bewerben. Bei uns ist vieles schon etabliert. Die Energiebilanz war ursprünglich die Basis für unser Energieleitbild.

Arnold: Für das kommende Re-Audit befassen wir uns mit Klimaanpassungen. Diese Massnahmen sind nicht verbindlich. Wir picken aus einem Katalog Elemente raus, die uns dienen, können uns diesbezüglich aber frei entscheiden.

Mit der kürzlich verabschiedeten Hitzestrategie will die Gemeinde gewisse Klima­massnahmen auch in der Ortsplanungsrevision (OPR) aufnehmen.

Arnold: Der Gemeinderat ist offen, dem Klimagedanken mehr nachzukommen. Wir wollen Punkte wie die Hitzebekämpfung in die OPR einbringen. Natürlich in einem vernünftigen Rahmen.

Seit dem Krieg in der Ukraine sorgen die Heizungen vermehrt für Gesprächsstoff, wo steht die Gemeinde diesbezüglich?

Irzan: Aufgrund der Pandemie mussten wir unseren ­Informationsanlass zum Thema Heizen 2021 mehrfach verschieben, und schliesslich wagten sich nur wenige an den Anlass. Aber wir erhalten vermehrt Anfragen von Liegenschaftenbesitzern, was sich machen lässt.

Arnold: Wir wollen für Baar vertieft abklären, wo Wärmeverbünde möglich sind. Dies erarbeiten wir zurzeit mit WWZ und der Korporation. Das kostet Geld. Aber wir sind auf gutem Weg, dass wir das machen können.

Trimurti Irzan, Sie arbeiten in einem 50-Prozent-Pensum für die Gemeinde Baar. Kürzlich haben Sie die Kündigung eingereicht. Warum?

Es läuft so viel! Die zur Verfügung stehende Zeit reicht nicht, um sich um alles Notwendige zu kümmern. Deshalb wird das Pensum neu auf 80 Prozent angehoben. Ich schätze die Arbeit in Baar sehr, möchte aber aufgrund meines weiteren beruflichen Engagements mein Pensum nicht erhöhen.

Arnold: Wir bedauern Trimurtis Abgang, haben aber ab August bereits eine passende Person für die Nachfolge gefunden.

Im vergangenen Jahr erhielt die Fachkommission Energie den Zusatz Klima und wurde um zwei Personen erweitert. Sind die Diskussionen nun vielseitiger?

Irzan: Ja, es sind innovative Leute mit guten Fachkenntnissen dazugekommen. Beide kennen sich bestens aus bei den Themen Mobilität und Klima.

Die Gemeinde möchte, dass sich künftig ein Verein um Themen des Landschaftsentwicklungskonzepts (LEK) kümmert – wie dies beispielsweise schon seit Jahren erfolgreich in Cham geschieht. Wie ist der Stand der Dinge?

Arnold: Leute zu finden, die das mittelfristig betreiben wollen, ist schwierig. Wir haben jetzt aber eine Person an Bord, die bereit ist, den Verein aufzugleisen.

Das Baarer Energieleitbild ist nun zehn Jahre alt. Wann wird es überarbeitet?

Arnold: Das wird eine der Aufgaben sein, der sich die neue Stelleninhaberin widmen muss.

Was es bringt

• Die Energiebilanz der Gemeinde wird seit 2010 alle paar Jahre gemessen. Baar macht Fortschritte. Der Energieverbrauch pro Kopf sinkt. Er liegt derzeit bei 3707 Watt pro Person und somit deutlich unter dem Schweizer Durchschnitt.

• Seit vielen Jahren können sich Bauherren, Liegenschaftsbesitzern und KMU an Energieberater wenden. Die Energieberatungen sind für sie kostenlos.

• Baar geht bei gemeinde­eignen Gebäuden mit gutem Beispiel voran und installiert Solaranlagen. Wie das Schulhaus Allenwinden werden die Gebäude zunehmend auch energetisch saniert und wenn möglich mit einem alternativen Heizsystem wie Holzschnitzeln oder Wärme­pumpen beheizt.

• Baar hat 2012 schweizweit die erste bewegungsabhän­gige LED-Beleuchtungsanlage entlang eines Fuss- und Radweges installiert.

• Baar will im Rahmen der Hitzestrategie grüner werden und startet mit der Begrünung der eigenen Liegenschaften und öffentlichen Plätzen.

• Die Bevölkerung wird mittels Mitwirkungsmöglichkeit vermehrt um ihre Meinung zur künftigen Energie- und Klimaentwicklung befragt.

• Vermehrt werden gemeindeübergreifende Projekte umgesetzt wie beispielsweise das Wegwerfgeschirrprojekt. Oder in anderen Gemeinden bereits erfolgreiche Projekte übernommen. «Die Zusammenarbeiten zwischen den Gemeinden ist super», so Trimurti Irzan. csc