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16.05.2022

Baar ist bald Teil des Pastoralraumes Lorze

Symbolisch für die Pfarreien stehen deren Kirchtürme. Im Bild Baar

Symbolisch für die Pfarreien stehen deren Kirchtürme. Im Bild Baar

Am 1. August wird der vierte Pastoralraum im Kanton Zug errichtet mit den vier Pfarreien Baar, Steinhausen, Cham und Hünenberg.

Von: Franz Lustenberger

Wenn in der Privatwirtschaft Fusionen bekannt werden, geht es meistens um Kostensenkungen und Personal­abbau. Anders bei der Katholischen Kirche – hier wird nicht fusioniert, und es geht auch nicht um Kostensenkungen. Im Gegenteil: Mit der intensiveren Zusammenarbeit und der neuen Struktur der Pastoralräume soll ein Mehrwert für die Mitglieder geschaffen werden. Pfarrer Anthony Chukwu dazu: «Wir wollen für die Gläubigen und die ganze Gesellschaft ­attraktiver werden.» Konkret heisst das: Im neuen Pastoralraum sollen pfarreiüber­greifende Aktivitäten gestartet und koordiniert werden.

Leitung bleibt in den Pfarreien verankert

Der Gründung des neuen Pastoralraumes sind lange und intensive Gespräche innerhalb der Seelsorgeteams der involvierten Pfarreien und innerhalb der Kirchenräte vorausgegangen. Ein Aspekt: die Grösse des neuen Pastoral­raumes mit den vier Pfarreien Baar, Steinhausen, Cham und Hünenberg. Es war kein ein­facher Vorgang, bedeutet doch zukünftige Zusammenarbeit immer auch eine gewisse Abgabe von Autonomie. Angestrebt wird aber keine Zentralisierung. Die Pfarreien bleiben selbstständig. Geleitet wird der neue Pastoralraum von Christian Kelter, Gemeindeleiter in Hünenberg, der sein Pensum in Hünenberg auf 80 Prozent reduziert und 20 Prozent für die zusätzliche Funktion einsetzt. Er wird unterstützt von einer Leitungsassistenz im Umfang von 60 bis 80 Prozent. Diese Stelle ist derzeit ausgeschrieben. Diese neue Person soll die Menschen im Pastoralraum vernetzen sowie neue Projekte leiten und begleiten. Die Kirchgemeinde Baar rechnet anteilsmässig mit jährlichen Kosten in der Grössenordnung von rund 40 000 Franken. Der Baarer Pfarrer Anthony Chukwu wird leitender Priester im Pastoralraum, und damit sicher auch in den anderen Pfarreien sichtbar werden. Beide – Christian Kelter und Anthony Chukwu – werden am Samstag, 20. August, von Bischof Felix feierlich in ihre neuen Funktionen eingesetzt.

Chancenmanagement in der Katholischen Kirche

Pfarrer Anthony Chukwu nimmt im Gespräch mit dem Zugerbieter den Begriff Chancenmanagement auf. Natürlich löse jeder Veränderungsprozess bei den Mitarbeitenden auch Verunsicherungen aus. Entsprechend sieht das Bistum für die Anfangsphase eine «externe Beratung und Begleitung» vor. Der neue Pastoralraum sei auch eine Chance, neue und kreative Ideen anzupacken und zu realisieren. Als Beispiel sei etwa die mobile ­Kapelle aus dem Pastoralraum Zug Berg erwähnt, welche von jungen Menschen geschaffen wurde und letztes Jahr anstelle der ausgefallenen Zuger Messe als Botschafter einer aufgeschlossenen Kirche durch den Kanton tourte.

Chancen sehen die Verantwortlichen vor allem in den Bereichen Sozialdiakonie, Jugendarbeit und Erwachsenenbildung. In diesen und anderen Bereichen der Seelsorge sollen neuartige Kooperationen und Projekte in die Wege geleitet werden. Vieles wird möglich sein, aber Pfarrer Anthony Chukwu weist auf einen Punkt hin: «Wir sind erst am Anfang eines Prozesses.»

Eines ist auch schon jetzt klar, und darauf weist der langjährige Baarer Kirchenrat und jetzige Pfarreirat Anton Noser hin: «Das Gelingen des Projektes hängt von den Menschen ab, die mit Herzblut dahinterstehen und anzupacken wissen.» Und er meint nicht nur die angestellten Mitarbeitenden, sondern auch alle, die sich ehrenamtlich engagieren.