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09.05.2022

Rückblick auf besondere Herausforderungen

Das Foto entstand am gemeindlichen Einführungskurs für Neueingeteilte am 11. März 2021. Stehend von links: Beat Andermatt, Silvan Schmid, Daniel Walti, Bruno Keiser, Sanjeev Srigiri und Joel Andermatt. Sitzend von links: Dario Exer und Francesco Caruso.Bild: Sandra Dürr

Das Foto entstand am gemeindlichen Einführungskurs für Neueingeteilte am 11. März 2021. Stehend von links: Beat Andermatt, Silvan Schmid, Daniel Walti, Bruno Keiser, Sanjeev Srigiri und Joel Andermatt. Sitzend von links: Dario Exer und Francesco Caruso.Bild: Sandra Dürr

2021 war die Feuerwehr vor allem aufgrund von Unwetter im Einsatz. Es galt aber auch einen Brand zu löschen, bevor es richtig gefährlich wurde.

Von: Claudia Schneider

Am kommenden Samstag findet der jährliche Schlussrapport der Feuerwehr Baar, wie alle fünf Jahre, in Allen­winden statt. Auf einen ­Fackelumzug muss aus verkehrstechnischen Gründen verzichtet werden. Aber für die Mitglieder der Feuerwehr und die Gäste steht ein unterhaltsamer Abend mit Verpflegung, Jahresrückblick, Ehrungen, wie auch Schnitzelbänken des Löschzugs (Lz) Dorf und ein Theater vom Lz Allenwinden an. Das Theater wird jeweils alternierend durch verschiedene Lz gespielt.

«Schitzelbänke und Theater werden ebenso wie Festbeizen an der Chilbi, Fasnacht oder an weiteren Anlässen nicht von der Feuerwehr selbst orga­nisiert», erklärt Kommandant Beat Huber. Jeder der fünf Löschzüge und der Verkehrsdienst haben auch einen Verein für die Reisekasse, und diese Vereine sorgen für Geselliges neben der eigentlichen Feuerwehrarbeit. All die Aktivitäten machen die Feuerwehr zu einer Institution, die viele Mitglieder viele Jahre lang begeistert, für die aber auch entsprechend Zeit zur Verfügung stehen muss (siehe blaue Spalte).

Starkregen und Hagel sorgen im Juni 2021 für viele Einsätze

Mit 216 Einsätzen wurde die Feuerwehr Baar im vergangenen Jahr stark gefordert. Üblich sind zwischen 100 und 120 Einsätze pro Jahr. Zeitlich war die Feuerwehr Baar vor allem eine Wasserwehr. Verantwortlich dafür waren die Unwetter vom 21. und 28. Juni. «In einer ­solchen Situation kann es in einer einzigen Nacht bis zu 60 Einsätze geben», erläutert der Kommandant. Es sei vergleichbar mit Fussball: «90 Minuten lang tut der Goalie wenig, dann muss er plötzlich vollen Einsatz abrufen», schildert der ­zuständige Gemeinderat Zari Dzaferi die herausfordernde ­Situation. Das grösste Problem im Juni waren überflutete ­Garagen und Keller ­wegen des Starkregens und dann Hagelschäden. Es mussten unter ­anderem zahlreiche Oberlichter behelfsmässig instand gestellt werden, um weitere Schäden zu verhindern, bis Fachhandwerker die Bauteile reparieren konnten.

Je nachdem, was gerade das Problem ist, können über die Einsatzleitzentrale diverse Spezialisten aufgeboten werden. Liegt beispielsweise ein gefallener Baum auf der Strasse, sind meistens ausgebildete Förster im Einsatz. «Das Milizsystem bringt der Feuerwehr viele Spezialisten aus unterschiedlichsten Berufsfeldern», lobt Zari Dzaferi das breite Know-how, welches das Feuerwehrpersonal mit sich bringt. Weil längst nicht alle, die in Baar leben, auch hier arbeiten, gibt es eine Planung für Tages- und Nachteinsätze.

Jeder Feueralarm löst einen Notfalleinsatz aus

Seit Jahren etwa gleich häufig sind Einsätze wegen automatischem Brandalarm (rund 35 pro Jahr), obwohl ein Fehlalarm seit einiger Zeit mit 1000 Franken in Rechnung gestellt wird. Wer eine Brandmelde­anlage hat, müsste eigentlich auch jemanden mit derer ­Betreuung beauftragen. «Geht der Alarm los, bleiben 3 Minuten, um ihn zu stoppen», erläutert Beat Huber. Das Tableau zeigt an, wo genau der Alarm ausgelöst wurde. Es bleiben dann weitere 5 Minuten, um die Situation vor Ort zu prüfen und den Auslöser für einen ­definitiven Alarm zu stoppen.

Oft wird der Alarm ohne Brandursache ausgelöst, etwa durch Staub von Bauarbeiten. Dennoch muss die Feuerwehr in jedem Fall vollen Einsatz zeigen, denn es kann sich auch um eine Situation wie am vergangenen 9. August handeln. «Ich wurde alarmiert, als ein Brandmelder aus der Tiefga­rage Oberdorf losging», schaut Beat Huber zurück. Er schickte zwei Offiziere in die Garage. Auf einem Bild waren rund 30 Zentimeter Rauch erkennbar. Als drei, vier Minuten später der Atemschutztrupp ankam, war die Garage schon komplett voller Rauch. Immerhin konnte das Feuer, bevor es sich weiter ausbreite, gelöscht werden.

Insgesamt sind Kommandant Beat Huber und Gemeinderat Zari Dzaferi mehr als zufrieden mit dem vergangenen Jahr: «Wir haben eine gut ausgebildete, motivierte und engagierte Crew, den notwendigen Rückhalt von Seite der Bevölkerung wie auch von der Einwohnergemeinde.»

Der Nachwuchs

Stets im September findet ein Informationsabend für mögliche Neumitglieder der Feuerwehr Baar statt. Wer sich ­interessiert, kann das jederzeit melden und wird dann zum Anlass eingeladen. Kommandant Beat Huber betont bei dieser Gelegenheit, dass vor der Anmeldung drei Punkte zu klären seien: Vor allem im ersten Jahr gilt es zahl­reiche Tage für die Grundkurse zu reservieren. Ist auch das familiäre Umfeld bereit dafür? Erlaubt der Arbeitgeber ­Tageseinsätze oder sind nur Nachteinsätze möglich? Normale Feuerwehrmitglieder absolvieren acht Lz-Übungen pro Jahr plus die jeweilige Spezialistenausbildung (vier bis sechs Übungen) und sie engagieren sich oft (neben den Feuerwehreinsätzen) auch bei Aktivitäten der ­Lz-Reisekassen.

Die Mitglieder bleiben der Feuerwehr oft treu. Austritte erfolgen zumeist nach vielen Dienstjahren. Der vorgege­bene Sollbestand durch die ­kantonale Instanz von 95 wird mit aktuell 104 Feuerwehrleuten immer noch ­erreicht. Aber der Korpsbestand ist in den vergangenen Jahren immer leicht sinkend. Um dieser Tendenz entgegenzuwirken, würde sich die Feuerwehr Baar über zahlreiche Neuinteressenten freuen.

Ehrungen: Bruno Traxel, Josef Traxel, Christoph Schelbert, Erich Zürcher für 20 Dienstjahre; Michael Langenegger, Adrian Röllin, Roland Steiner für 15 Dienstjahre. Beförderung: Marco Horat zum Wachtmeister. Ernennung: Patrick Jordi zum Chef ­Führungsunterstützung. csc