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10.01.2022

Auf der Suche nach günstigem Bauland

Mit dem Brunnen im Vordergrund legte die Stiftung St.Wendelin unter Präsident Andreas Weber die Basis für den preisgünstigen Wohnungsbau der Kirchgemeinde Baar im Eggried in Allenwinden. Bild: Franz Lustenberger

Mit dem Brunnen im Vordergrund legte die Stiftung St.Wendelin unter Präsident Andreas Weber die Basis für den preisgünstigen Wohnungsbau der Kirchgemeinde Baar im Eggried in Allenwinden. Bild: Franz Lustenberger

Vor 30 Jahren beschloss die Kirchgemeinde Baar die Gründung einer Stiftung. Aktuell vermietet diese hundert Wohnungen zu attraktiven Preisen.

Von: Franz Lustenberger

«Gehört das Erstellen von Wohnungen zu den Aufgaben einer Kirchgemeinde?» Diese Frage stellte der Kirchenrat der Katholischen Kirch­gemeinde Baar. Der Rat und der Souverän beantworteten die Frage am 13. Januar 1992 mit einem deutlichen Ja. Eine Parzelle in Allenwinden, ursprünglich als Landreserve für den Neubau eines kirchlichen Zentrums gedacht, konnte so in einer ersten Etappe mit mehrheitlich preisgünstigen Wohnungen bebaut werden. Andreas Weber, Kirchenrat und später Präsident der Stiftung, erinnert sich, dass auch der Bischof von Basel sein Einverständnis geben musste. «Es war ein Glücksfall, Land zu ­haben», sagt Kirchenschreiber Stefan Doppmann rückblickend.

Die Kirchgemeinde wollte nicht selber als Bauherr auftreten

Es war klar, dass die Kirch­gemeinde nicht direkt als Bauherr und Eigentümer auftreten wollte. Man habe deshalb den Weg über eine gemeinnützige Stiftung gewählt. So wurde ­vermieden, «dass anfänglich günstige Wohnungen später zu überrissenen Preisen veräussert werden könnten», wie es in der Botschaft an den Souverän heisst. Andreas Weber sagte ­damals, es gehe darum, «für ­Zugerinnen und Zugern preisgünstigen Wohnraum zu schaffen, damit diese nicht in den Aargau umziehen müssten». Das gelte auch noch heute.

In der Zwischenzeit sind mit Baurechtsverträgen eine weitere Überbauung in Allenwinden sowie eine in Inwil dazugekommen. Die Stiftung St.Wendelin vermietet so rund hundert Wohnungen. «Sie sind begehrt», sagt Stefan Doppmann. Er erhalte beinahe täglich ­Anfragen, verdeutlicht Andreas Weber. Zusätzlich baute die Kirchgemeinde noch ein Wohnhaus an der Rigistrasse in Baar. Für Stefan Doppmann ist klar: «Die Kirchgemeinden sollen sich im Sozialen aktiv positionieren.» Gerade im Kanton Zug mit seinem Mangel an preisgünstigen Wohnungen sei dies wichtig. Man sei immer auf der Suche nach eingezontem Bauland.

Nächstenliebe ist breit gefasst und wird vielseitig umgesetzt

Der Kirchenrat bezog sich vor 30 Jahren auch auf die Schrift «Die Verantwortung der Kirche im Wohnungswesen», herausgegeben von der Schweizerischen Nationalkommission Justitia et Pax, einer Kommission der Schweizer Bischofskonferenz: Die Liebe zu Gott äussere sich in der Liebe zum Nächsten.

Barbara Kückelmann, Pastoralverantwortliche im Bistum Basel, hat dies gerade erst Anfang November an einem Treffen der diakonisch Tätigen im Kanton Zug angesprochen. Diakonie sei tätige Nächstenliebe. «Sie gehört zum Kern des Christ- und Kircheseins.» Sie hat an diesem Treffen auch auf das Gleichnis des barmherzigen Samariters verwiesen, der nicht nur Soforthilfe leistet, sondern dem Wirt auch Geld für weitere Auslagen gibt. Diakonie und soziales Engagement sollen daher langfristig aus­gerichtet sein. Das Engagement im preisgünstigen Wohnungsbau ist dabei eine der Möglichkeiten.