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03.01.2022

«Wir müssen aus der Lethargie rauskommen»

Gemeindepräsident Walter Lipp wünscht für das neue Jahr Gesundheit, Zufriedenheit und Geselligkeit – beispielsweise auf dem neuen Hoppla-Spielplatz vor dem Schwesternhaus. Bild: Claudia Schneider

Gemeindepräsident Walter Lipp wünscht für das neue Jahr Gesundheit, Zufriedenheit und Geselligkeit – beispielsweise auf dem neuen Hoppla-Spielplatz vor dem Schwesternhaus. Bild: Claudia Schneider

Gemeindepräsident Walter Lipp vermisst den Kontakt mit der Bevölkerung. Er wünscht sich, dass die Leute wieder vermehrt das Gemeinsame pflegen.

Von: Claudia Schneider

Walter Lipp, wir starten ins letzte Jahr der aktuellen Legis­­latur. Nur im ersten Jahr lief es wie gewohnt. Hätten Sie gewusst, was auf uns zukommt, wäre das Gemeindepräsidium dennoch Ihr Ziel gewesen?

Walter Lipp (überlegt): Das erste Jahr war wunderschön, dann kam es knüppeldick, doch ich bin überzeugt, dass wir da rauskommen, es ist eine Frage der Zeit. Aber ja, ich hätte dennoch kandidiert. Es ist mir eine Herzensangelegenheit. Baar ist auf jeden Fall gut aufgestellt. Es ist ein Privileg, hier zu leben, und deshalb arbeitet man auch gern für eine solche Gemeinde, in meinem Fall seit 25 Jahren.

Welche Aspekte der Pandemie beschäftigen Sie als Gemeindepräsidenten am meisten?

Viel Positives kann man der Situation nicht abringen. Aber es gibt Aspekte wie beispielsweise Homeoffice oder Digitalisierung, die auch neue Impulse bringen. Persönlich gehe ich gerne ins Büro, weil mir der Kontakt zu den Mitarbeitenden sonst fehlt. Natürlich kann man eine Sitzung auch über Teams machen, aber das ist nicht dasselbe wie ein persönliches Treffen.

Vor allem leidet auch die Festgemeinde Baar.

Ja, ich stelle fest, dass sich die Gesellschaft auseinanderlebt, da möchte ich Gegensteuer geben. Wir sind froh, dass wir Chilbi und Christchindli-Märt durchführen konnten. Wir wurden von manchen dafür kritisiert, aber ich finde, es war ein guter Entscheid und brachte Baarer Feeling ins Dorf. Man merkt, dass die Leute nach Austausch, Kontakt und einem normalen Leben lechzen.

Viele von der Gemeinde geplante Anlässe wurden jedoch abgesagt, so auch das Neujahrskonzert.

Der Anlass lebt neben dem Konzert vom Apéro und dem gemeinsamen Austausch. Wir hätten draussen an Vierertischen sitzen müssen. Das ist nicht lustig. Doch ich denke darüber nach, den Anlass nachzuholen. Wir möchten auch wenigstens eine Landammann-Abschlussfeier organisieren. Wir haben gelernt, dass Anlässe am besten zwischen Mai und Oktober gelegt werden. So kommt allerdings viel zusammen; für diese Zeitspanne gibt es im 2022 schon jetzt kaum noch freie Veranstaltungsräume.

Die Gemeindeversammlungen konnten jederzeit stattfinden. Von Normalität kann aber kaum die Rede sein.

Es kommen nur halb so viele Leute in die Waldmannhalle wie in den Gemeindesaal. Es gibt dennoch gute Anträge und Diskussionen. Mir persönlich sind 100 Menschen an der Gemeindeversammlung noch immer lieber als wenige Parlamentarier, die dann alles unter sich entscheiden. Ausserdem hat uns der Souverän auch an den Urnenabstimmungen in diesem Jahr klar sein Vertrauen ausgesprochen.

Eine hohe Beteiligung erzielt haben 2020 die digitalen Mitwirkungsverfahren – etwa im Zusammenhang mit der Orts­planungsrevision. Ist das die Zukunft?

Wenn ein persönliches Treffen nicht möglich ist, muss eine andere Form für den Dialog gefunden werden. Wobei wir schon früher Online-Umfragen gemacht haben. Die Mitwirkung funktioniert zunehmend gut. Die weitere Digitalisierung ist aber auch in anderen Bereichen erforderlich. Ich freue mich deshalb auf die neue Zusammenarbeit mit Zug im IT-Bereich; da können beide voneinander profitieren.

Die Gemeinde hat sich für 2022 einige weitere happige Brocken auf die To-do-Liste gesetzt.

Wir freuen uns, nun die ­Infrastrukturvorhaben voranzutreiben: die 3-fach-Turnhalle Sternmatt 2, die Erweiterung Sternmatt 1, den Rückbau im Wiesental. Ganz spannend wird es auch mit der Orts­planungsrevision. Die Begleitgruppe trifft sich nun ­monatlich: Die bisherige Flughöhe wird jetzt runtergebrochen.

Sobald auch das Gesamtverkehrskonzept vorliegt, können wir uns unter anderem an die Planung der Umgestaltung der Dorfstrasse machen. Einen Freiraum zwischen Rathaus, Kantonalbank und Grosshaus kann ich mir nach wie vor gut vorstellen.