Schauplatz
25.10.2021

GGZ@Work-Führung geht in neue Hände

Carl Utiger (rechts im Bild) erklärt seinem Nachfolger Markus Fueter die Pläne für den neuen Zuger Ökihof, in den auch die Recycling-Dienstleistungen von GGZ@Work integriert werden.Bild: Marcus Weiss

Carl Utiger (rechts im Bild) erklärt seinem Nachfolger Markus Fueter die Pläne für den neuen Zuger Ökihof, in den auch die Recycling-Dienstleistungen von GGZ@Work integriert werden.Bild: Marcus Weiss

Der Baarer Carl Utiger hat im Zeitraum eines Vierteljahrhunderts das Angebot GGZ@Work der Gemeinnützigen Gesellschaft Zug aufgebaut. Nun wird er von Markus Fueter als Geschäftsführer abgelöst.

Von: Marcus Weiss

Herr Utiger, Sie haben vor 26 Jahren als Einmannbetrieb die Jobbörse als erstes Projekt der GGZ@Work gestartet, heute beschäftigt GGZ@Work fast 50 Mitarbeitende. Hätten Sie sich je erträumen lassen, dass aus der damaligen Jobbörse einmal so ein vielfältiges Angebot an beruflichen Integrationsmassnahmen und sozialen Projekten wird?

Carl Utiger: Ich denke, man muss hier die Situation Anfang der 1990er-Jahre vor Augen haben. Die Sozialhilfezahlen explodierten förmlich als Folge der wirtschaftlichen Lage. Neue Angebote waren dringend nötig. Insofern wäre es aus damaliger Sicht nur logisch gewesen, dass sich das Ganze stark weiterentwickeln wird und muss. Wir schufen mit der Jobbörse ein niederschwelliges Arbeitsvermittlungsangebot zu Null-Profit-Konditionen. In Baar entstanden ein Recyclingbetrieb und das stadtbekannte «Rösslitram», stark gefördert von Gemeinderat Ruedi Hug, der zu jenem Zeitpunkt Sozialvorsteher war. Die GGZ wurde von der Politik mit der Organisation beauftragt. Es galt, die Arbeitsmarktmassnahmen gemeindeübergreifend zu koordinieren.

Inwiefern haben sich die Bedürfnisse Ihrer Klientel seit damals geändert?

Grundsätzlich haben sich die Bedürfnisse nicht verändert. Den Lebensunterhalt bestreiten können, einer interessanten Tätigkeit nachgehen dürfen, nicht vom Sozialdienst abhängig sein, das alles steht bei den Klienten nach wie vor im Vordergrund. Im Zuge der technologischen Entwicklung ist jedoch die Bildungsfähigkeit des oder der Einzelnen immer wichtiger geworden. Ab der Jahrtausendwende kamen auch Asylsuchende zu unseren Klienten hinzu, da stellen sich natürlich auch sprachliche und kulturelle Herausforderungen.

Welches sind für Sie persönlich die grössten Erfolge, die Sie mit GGZ@Work erreicht haben?

Die grössten Erfolge sind immer dann, wenn eine Person, für die man sich nur wenige Chancen ausgerechnet hat, wieder Anschluss an den Arbeitsmarkt findet. Mir persönlich hat auch das Projekt «Gastschiff Yellow» enorm Freude bereitet, wir konnten hier etwas schweizweit Einzigartiges realisieren.

Wie hat sich Ihrer Meinung nach die Digitalisierung auf die Chancengleichheit am Arbeitsmarkt ausgewirkt?

Für gewisse Leute ist die rasante Entwicklung in diesem Bereich schon sehr schwierig. Man darf nicht vergessen, dass es auch Personen gibt, die nur eingeschränkt lese- und schreibfähig sind. Es gibt beispielsweise Mitarbeitende im Warenlager, die gute Arbeit leisten, für die es jedoch zum Problem wird, wenn sie plötzlich zu jedem Artikel einen Kommentar schreiben sollen.

Glauben Sie, dass es für Leute, die eher introvertiert sind, zunehmend schwierig wird, sich für Stellen zu bewerben, weil das «schauspielerische» Element mehr in den Mittelpunkt rückt?

Ich finde, dass beispielsweise Bewerbungsvideos nur für bestimmte Leute geeignet sind, denen es leichtfällt, in einem Videoclip sympathisch rüberzukommen, die aber eher Mühe hätten, sich schriftlich zu bewerben. Je nach Jobprofil haben nämlich auch introvertierte Menschen gute Chancen auf eine geeignete Arbeitsstelle.

Mit dem Secondhand- und dem Bauteilladen, der Wertstoffzerlegung oder der Herstellung von Produkten aus Recyclingmaterialien leisten Sie auch einen Beitrag zur Entlastung der natürlichen Ressourcen. Nimmt das öffentliche Interesse daran zu?

Wir haben mit den Recycling-Dienstleistungen schon 1995 begonnen, der Bereich läuft sehr gut. Tatsächlich bringt uns die Umweltdiskussion, die sich in letzter Zeit akzentuiert hat, auch neue Kundschaft. Ergänzend zum Brockenhaus der Frauenzentrale werden wir mit unseren Recycling-Dienstleistungen in den Neubau des Zuger Ökihofs einziehen, der momentan im Bau ist.

Welche Dienstleistungen von GGZ@Work waren in letzter Zeit besonders gefragt?

In der Corona-Krise waren Räumungen sehr nachgefragt, nicht in erster Linie wegen Geschäftsaufgaben, sondern weil die Leute einfach mehr Zeit hatten, etwa den Keller aufzuräumen.

Haben Sie Pläne, Ihre immense Erfahrung auch nach der Pensionierung anderen zur Verfügung zu stellen?

Ich bin weiterhin im Vorstand des Vereins für Arbeitsmarktmassnahmen im Einsatz. Ausserdem führe ich mein Engagement als Finanzchef des Korporationsrats in Baar fort. Dort wartet wegen grosser Bauvorhaben viel Arbeit auf mich.