12.10.2021

Es geht zurück auf die geliebte Bühne

Sie proben mit viel Enthusiasmus für ihr neues Stück «Top Dogs» (von links): Vreni Dossenbach, Alexandra Weibel, Marcel de Sepibus, Oliver Staubli, Jeannine Lütolf, Bianca Schilter. Nicht anwesend waren beim Fotoshooting Thomas Inglin und Melia Inglin.

Sie proben mit viel Enthusiasmus für ihr neues Stück «Top Dogs» (von links): Vreni Dossenbach, Alexandra Weibel, Marcel de Sepibus, Oliver Staubli, Jeannine Lütolf, Bianca Schilter. Nicht anwesend waren beim Fotoshooting Thomas Inglin und Melia Inglin.

Mit Feuereifer wird in der Schrinerhalle für die Produktion «Top Dogs» geprobt. Die Erleichterung, bald endlich wieder spielen zu dürfen, ist gross.

Es ist Samstagnachmittag; in der Schrinerhalle herrscht reges Treiben. Gerade heben zwei Männer in eleganten Anzügen eine im Businessstil ­gekleidete Dame mit einer schwungvollen Bewegung auf ein Malergerüst, wo diese ihre erhöhte Position sogleich zu einem wahnwitzig anmutenden Ausruf in Richtung Publikum nutzt. Der Betrachter der Szene stutzt. Möchte die Protagonistin mit ihren Mitstreitern jetzt tatsächlich einen der grössten Konzerne im Land übernehmen? Das Feuer in den Augen der Darstellerin lässt keinen Zweifel an ihrer Entschlossenheit zu. Es ist eine Theaterprobe vom Feinsten, die sich hier abspielt, mit emotionalen Ausbrüchen, Leidenschaft, Wahn. Endlich ist so etwas wieder möglich. «Top Dogs» heisst das erste Stück, das nach der Corona-Zwangspause auf die Bühne der Schrinerhalle kommt. Ein Drama, welches auch schon als moderne Tragödie bezeichnet wurde, das wegen seiner Groteske aber dennoch für so einige Lacher im Publikum sorgen wird (siehe blaue Spalte).

Der Anspruch ist, mehr als bloss seichte Unterhaltung zu bieten

Topmotiviert sind alle Darsteller, die Premiere soll schliesslich für Furore sorgen. «Ich werde im Stück Frau Wrage verkörpern, sie ist eine Seminarleiterin für entlassene Führungskräfte», berichtet Jeannine Lütolf, Präsidentin Theater Baar. «Die Herausforderung dabei ist, dass sie einerseits eine Coachingrolle einnimmt, andererseits ihre eigene Geschichte nicht verarbeitet hat.» Diesen Zwiespalt zwischen ihrer Empathie und der ständigen Gefahr, in die eigene Emotionalität abzurutschen, gelte es glaubwürdig darzustellen. «Ich freue mich sehr darauf, diese groteske Situationskomik entstehen zu lassen, in der man mit den Protagonisten mitleidet, im nächsten Moment aber wieder herzhaft lachen muss», so die Präsidentin des Theaters Baar. Vreni Dossenbach vereint ebenfalls mehrere Funktionen in einer Person, parallel zu ihrer Rolle als Frau Tschudi hat sie die Produktionsleitung inne und ist sowohl für das Bühnenbild als auch für die Übersetzung des Theaterstücks ins Schweizerdeutsche zuständig. «Es ist gar nicht so einfach, das Absurde aus dem Standarddeutschen richtig rüberzubringen, es geht hier ja oft um Nuancen», erklärt Dossenbach. Was ist ihr wichtig, wenn es um die Wahl eines neuen Stücks für das Theater geht? «Wir möchten auf jeden Fall verschiedene Sparten bedienen und uns nicht auf ein bestimmtes Genre festlegen lassen», antwortet die Produktionsleiterin. «Beim Theater Baar haben wir den Anspruch, nicht einfach «etwas Lustiges» zu spielen, sondern auch die hintergründigen Aspekte im Blick zu haben», bestätigt Jeannine ­Lütolf. 

Familiäre Atmosphäre in der Schrinerhalle passt für alle  

Während auf der Bühne gerade die Szene «Waffen der Frau» geprobt wird, gesellt sich Oliver Staubli zu uns. «Ich spiele im Stück die Rolle des Michael Neuenschwander, ein Winnertyp, wie er im Buche steht», so der Inhaber einer eigenen Schwimmschule, der zum dritten Mal bei einer Produktion des Theaters Baar mit dabei ist. «Auch diese Figur hat etwas Tragisches an sich, sie versucht verzweifelt, ihre wahren Gefühle zu unterdrücken, es ist schwieriger, als man meint, das überzeugend rüberzubringen», erklärt Staubli, der bereits bei den Zuger Spielleuten Theatererfahrung gesammelt hat. Es mute fast ein wenig wie Kammertheater an, in dieser Halle mit ihrem unvergleichlich-familiären Charakter zu spielen, da freue er sich besonders darauf, ergänzt der Darsteller. Feuer und Flamme für die Theaterproduktion ist auch Marcel de Sepibus, der in der Rolle des Urs Bihler zu sehen sein wird. Der Tierarzt ist seit einem Jahr pensioniert und kann es kaum erwarten, nach einer Pause von 30 Jahren wieder im Theater mitzuwirken. «Ich habe eine riesige Freude, wieder spielen zu können, mit eigener Tierarztpraxis war dies vollkommen unmöglich», strahlt de Sepibus. 

Welche Herausforderungen stellen sich der Regie? 

«Das Spezielle am Stück ist, dass alle immer auf der Bühne sind», sagt Alexandra Weibel, die für den Zeitraum August bis September für Claudia von Grünigen bei der Regie eingesprungen ist. «Was machen die, die gerade nicht sprechen, das war eine der grossen Fragen», so die ausgebildete Theaterpädagogin, die ihr Studium in Heidelberg im September 2020 abgeschlossen hat. «Ich bin von der enormen Motivation aller Beteiligten begeistert, man darf nicht vergessen, dass sie sich durch die Pandemie jetzt schon anderthalb Jahre mit demselben Stoff beschäftigen», zeigt sich Alexandra Weibel beeindruckt.