20.07.2021

Beziffern lässt sich das erst Ende Jahr

Faul statt prall und glänzend: Die Kirschenernte fiel dem Wetter zum Opfer.

Faul statt prall und glänzend: Die Kirschenernte fiel dem Wetter zum Opfer.

Zuerst Frost und Schnee, dann heftige Gewitter mit Hagel und jetzt die Nässe: Die Bauern leiden unter den Wetterschwankungen. Eine Umfrage zeigt, dass die Schäden gross sind.

10 Prozent, 40 Prozent, 95 Prozent – das sind nicht Zahlen aus einem Aufgabenbuch für Mathematik. Es sind Angaben von Baarer Bauern zu den wetterbedingten Ertragsausfällen in diesem Frühling und Sommer. Definitiv Bilanz gezogen werden kann erst Ende Jahr, wenn die Ernte verkauft und das letzte Gras gemäht ist. Bei aller Unbill spricht Cornel Andermatt vom Sternenhof mit einem bewundernden Unterton über beschädigte und vernarbte Äpfel: «Es ist beeindruckend zu sehen, wie sich die Natur gegen solche ­Ereignisse wehrt.» 

Vor allem beim Steinobst sind die Ausfälle hoch

Das Jahr habe erfreulich angefangen, blickt Armin Röllin in Notikon zurück. «Die Bäume standen im schönsten Bluescht.» Die Frostnächte an Ostern, zusammen mit dem Schnee und der kalten Bise, haben den Steinobstkulturen jedoch sehr zugesetzt. «Unsere Obstkulturen wie Kirschen, Zwetschgen und Aprikosen haben stark gelitten», sagt Philipp Hotz vom Hotzenhof in Deinikon. Mit dem Einsatz von Frostkerzen habe man aber das Schlimmste verhindern können. 
Fünf auf fünf Zentimeter grosse Hagelsteine fielen vom Himmel
Wenn die Landwirte über die beiden Hageltage vom 21. und vom 28. Juni sprechen, dann spürt man ihre grosse Betroffenheit heraus. «Ein grosser Streifen, wie ich ihn noch nie erlebt habe», sagt Alois Müller von der Oberau. Oder: «Es wurde im Dorf dunkel wie im Winter», sagt Cornel Andermatt. So grosse Hagelsteine habe es seit 1999 nicht mehr gegeben, erinnert sich Alois Müller, der mit einem massiven Ausfall bei seinen Kirschbäumen rechnet. Auch Armin Röllin spricht von einem «schieren Totalausfall» der diesjährigen Kirschenernte. 

Breit diversifizierte Betriebe sind im Vorteil

Sowohl Cornel Andermatt wie auch Armin Röllin verweisen im Gespräch auf die Diversifikation ihrer Betriebe. So ­betreiben beide auch noch Viehwirtschaft mit Kälbern und Kühen. Und im Sternenhof gehören Ackerbau und Gemüseanbau seit langem zu den tragenden Pfeilern. Der Mais habe sich gut erholt, Kefen seien dagegen kurz vor der Ernte total zerschlagen worden, Kürbis habe man nachgesät. Mit Folgen: «Statt ab Mitte August gibt es bei uns die Kürbisse erst einen Monat später.» Überhaupt will Cornel Andermatt diesen besonderen Frühling und Sommer in seinem Hofladen sichtbar machen. «Wir werden ganz bewusst auch vernarbte und verletzte Früchte anbieten.» Die Natur sei eben nicht nur «Hochglanz wie in der Werbung».

Die aktuelle Nässe schafft weitere Probleme

Der Boden ist wegen des Dauerregens der letzten Tage weich und durchnässt. Philipp Hotz dazu: «Die Wurzeln von Steinobstbäumen, also von Zwetschgen oder Kirschen, haben nicht gerne nass.» Was das für die Bäume genau heisst, werde man erst im Herbst ­beurteilen können. 
Ebenso betroffen sind die reinen Viehwirtschaftsbetriebe wie Steiners im Früeberg. «Ich konnte schon einige Tage kein grünes Futter mehr ernten», sagt Stefan Steiner. Und auch mit dem restlichen zweiten Schnitt, mit dem Emd, muss er zuwarten. Der Boden sei derart durchnässt, dass es eine Zeit dauern werde, bis er mit den Maschinen wieder ins Feld fahren kann. «Der Schaden am Boden wäre zu gross.»