09.06.2021

Je schräger der Humor, desto besser

Das Duo Johnny Crash mit Rafi Hofmann (links) und Eddy Feldmann widmet einen dadaistischen Song dem alternden Rockstar Gölä.

Das Duo Johnny Crash mit Rafi Hofmann (links) und Eddy Feldmann widmet einen dadaistischen Song dem alternden Rockstar Gölä.

Der Fellmannpark ist ein Ort der Kunst. Zum fünften Mal hat am Freitag eine Dada-Soirée das Publikum mit Lesungen, Performance und Musik überrascht.

Franz Lustenberger


Corona-konform verpackt der Komiker Johannes Dullin das Mikrofon in einen kleinen Plastiksack und produziert so ganz verschiedene Raschel­töne. Ein kleiner Kampf gegen den abendlichen Verkehrslärm am Kreuzplatz, wie er sagt. Damit setzt Dullin die Grundidee des Dadaismus um, nämlich den Zweifel am Bestehenden und die Infragestellung von gefestigten Idealen und Normen. 

Wundersame Begegnungen – nur Gölä ist abwesend

Es sind «Verse ohne Worte», wie sie der Begründer Hugo Ball während der Katastrophe des Ersten Weltkrieges zum ersten Mal vortrug.
Dada-Kunst unsinnig, verrückt und wild – und gerade deshalb hintergründig und doppelbödig. Für den musikalischen Teil sorgt das Duo Johnny Crash. Eddy Feldmann besingt etwa die Geschichte eines jungen Punks, der von Teddyboys zusammengeschlagen wird. Und wie er heute den alten Teddyboy im Altersheim wieder sieht, der immer noch Palmöl auf seine Glatze schmiert, wo einst die Haartolle ganz schön schwarz glänzte. Oder sie besuchen den alternden Gölä, abwesend zwar, da er gerade in der «Selbsthilfegruppe der anonymen Wutbürger» beschäftigt ist.

Electrodada mitten im Park an der frischen Luft


Wortspiele reissen das Publikum immer wieder aus dem gewohnten Alltag und aus traditionellen Denkmustern. So steht es im Manifest zu Electrodada von St. Pauli, alias Paul Dorn, der den Abend moderiert: «Das G-5-Netz verbindet alle G-Punkte Zörichs und die aller Trendspiesser*innen global.» Die «Frischluftveranstaltung» in Baar sei eher die Ausnahme, normalerweise fänden die Soirées in geschlossenen Räumen statt. 
Offenheit nach allen Seiten ist ein Urprinzip des Dada. So entscheidet das Publikum per Würfel, welcher Künstler seinen nächsten Auftritt hat. Und ein quietschendes Plastikhuhn, das «Poulet inconnu» aus dem Ersten Weltkrieg, kündigt an, wenn die vorgesehene Zeit von fünf Minuten für eine Performance abgelaufen ist.
Mit dabei aus Baar sind Maria Greco, die unter anderem über die «Scheibenwelt» philosophiert, «als die Welt ins Wanken geriet». Oder Severin Hofer aus Zug, der ein Bild gestaltet und dabei viel Elektrik einsetzt. So sorgen ein Haarföhn für die Verteilung der Farben oder ein Aktenvernichter für die dreidimensionale Verteilung der geschredderten 20er-Note. Gemäss dem ursprünglichen Prinzip: «Dada verwurstet alles» – und heraus kommt mehr als einfacher Genuss.