Gemeinden
01.11.2022

«Es darf nicht sein, dass jemand ohne Ritual von dieser Welt gehen muss»

Andreas Haas hat in den 30 Jahren seiner Tätigkeit als Pfarrer in Zug um die 750 Beerdigungen miterlebt. Hier im Bild steht er vor dem alten Gemeinschaftsgrab auf dem Friedhof St. Michael in Zug.Bild: Florian Hofer

Andreas Haas hat in den 30 Jahren seiner Tätigkeit als Pfarrer in Zug um die 750 Beerdigungen miterlebt. Hier im Bild steht er vor dem alten Gemeinschaftsgrab auf dem Friedhof St. Michael in Zug.Bild: Florian Hofer

Seit 30 Jahren ist Andreas Haas in Zug als Pfarrer in der reformierten Kirche tätig. Dabei hat er auch grosse Erfahrung zum Thema Beerdigungen und Trauer gesammelt.

Herr Haas, wenn ein Mensch stirbt, erleben es Freunde, Kollegen oder Nachbarn immer häufiger, dass sie nicht erwünscht sind bei der Beisetzung. Dann heisst es, die Beerdigung finde nur im engsten Familienkreis statt. Ich höre oft, dass das verstörend wirkt. Wie ist das aus Ihrer Sicht?

Andreas Haas: Das findet leider häufig statt. Ich finde das sehr schade, denn da nimmt man diesen Freunden und Bekannten die Möglichkeit, Abschied zu nehmen. Und das ist für viele Leute dann doch sehr wichtig.

Was wäre aus Ihrer Sicht ein gutes Vorgehen im Trauerfall?

Oft läuft es so ab, dass die Urnenbeisetzung im engen Familien- und Verwandtenkreis stattfindet. Da trifft man sich also zum Beispiel auf dem Friedhof St. Michael bei der Abdankungshalle. Dann geht die kleine Gruppe zum Grab, wo die Urne beigesetzt wird. Da läuten dann auch die Glocken von St. Michael. Die Familienangehörigen haben dort einen intimen Moment, es geht vor allem um den Verstorbenen. Danach findet dann der öffentliche Gottesdienst statt. Dort erhalten dann alle Trauernden die Möglichkeit der Besinnung, des Abschiednehmens und des Dankesagens. Das steckt ja schon drin in dem Wort Abdankung. Nach reformiertem Verständnis ist das eben der Teil, wo man sich des Lebens der Person noch einmal bewusst wird.

In letzter Zeit habe ich mehrmals Trauerfeiern miterlebt, wo auch Powerpoint-Präsentationen gezeigt wurden. Ist das ein neuer Trend?

Das kommt tatsächlich häufiger vor. Es ist eine gute Art, sich an den Verstorbenen zu erinnern, Fotos von ihm in einigen Lebensstationen zu zeigen und sich gemeinsam zu erinnern. Da darf übrigens durchaus auch Kritisches angesprochen werden. Ebenso, wie der Humor dazugehört. Ich bestärke die Leute auch darin, dass sie trauern dürfen, man soll sich so viel Zeit nehmen, wie man eben braucht.

In unserer Zeitung publizieren wir jede Woche die amtlichen Meldungen der Zivilstandsämter. Die sind aber nicht vollständig?

Die Angehörigen können ankreuzen, ob sie eine Publikation wünschen.

Und wenn jemand kein Kreuz macht, wird die Meldung nicht publiziert.

Ja, aber dann weiss man ja gar nicht, dass jemand gestorben ist. Das ist schlimm für die, die sich gerne hätten verabschieden wollen. Öffentlich machen ist nach meiner Meinung auch ein Stück Verarbeitung. Man sollte gegen aussen ganz klarmachen: Dieser Mensch ist nicht mehr da.

Gibt es auch Leute, die keine Angehörigen oder Freunde haben?

Das kommt vor. In einem Sterbefall hat sich einmal ein Tixi-Fahrer bei mir gemeldet und gesagt, das könne doch nicht sein, dass es für die gestorbene Person keine Trauerfeier gebe. Ich habe dann etwas organisiert. Und tatsächlich sind dann noch ein paar Personen gekommen. Denn es darf nicht sein, dass jemand ohne ein Ritual von dieser Welt gehen muss. Wir haben nun auch mit den katholischen Kollegen vereinbart, dass wir für alle Gestorbenen ohne Angehörige eine kleine Trauerfeier organisieren. Florian Hofer

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