Gemeinden
13.06.2022

Gewappnet für die nächste Pandemie

Von links: Lukas Bäumle, Vorstandsmitglied Schweizerischer Seniorenrat SSR, Kantonsarzt Rudolf Hauri, Landammann Martin Pfister und Martin Kolb, Geschäftsleiter Pro Senectute Zug.Bild: Ingrid Hieronymi

Von links: Lukas Bäumle, Vorstandsmitglied Schweizerischer Seniorenrat SSR, Kantonsarzt Rudolf Hauri, Landammann Martin Pfister und Martin Kolb, Geschäftsleiter Pro Senectute Zug.Bild: Ingrid Hieronymi

An der Tagung des ­Schweizerischen Seniorenrats stand die Frage nach den Lehren, die aus der Pandemie gezogen werden, im Mittelpunkt.

Von: Ingrid Hieronymi

Rund 50 Personen besuchten die Tagung im Seminar­hotel Unterägeri. Im Publikum sassen neben Vertretern von Behörden und Seniorenorganisationen vor allem ältere Personen. Kein Wunder, hat doch die Coronapandemie vor allem Menschen ab 65 schwer getroffen und in dieser Bevölkerungsgruppe zu überdurchschnittlich vielen Hospitalisationen und Todesfällen geführt.

«Mister Corona» zog als erster Referent Bilanz

Daniel Koch tat einleitend kund, dass es wegen Corona zu einer Spaltung der Gesellschaft gekommen sei. Insbesondere sei zu wenig Rücksicht auf Minder­heiten und Personen mit anderer Meinung genommen worden. Zu den Vorwürfen, während der ersten Welle habe der Bund viele Fehler gemacht, meint Koch: «Im Nachhinein ist man immer klüger. Das Merkmal einer Krise besteht gerade darin, dass man nicht darauf vorbereitet ist und Fehler macht.» Aus diesen habe man jedoch gelernt. So seien beispielsweise Fallzahlen durch aussagekräftige Indikatoren wie Positivitätsrate und Übersterblichkeit abgelöst worden. Die Übersterblichkeit war in der Schweiz bei Personen über 65 Jahren massiv. «Das Virus hat die Menschen altersabhängig getötet», so Koch. Mittlerweile sei in der Schweiz eine hohe Immunisierung erreicht worden. Die Impfstrategie des Bundes habe sich bewährt.

Verunsicherung der Bevölkerung sollte vermieden werden

Was in der ersten Welle gemäss Koch zu beanstanden war, ist, dass Alters- und Pflegeheime mit ihren Problemen allein gelassen wurden. «Es geht nicht, dass Leute in Heimen eingesperrt werden.»

Kantonsarzt Rudolf Hauri liess in seinem Referat verlauten, er habe vor allem Mühe mit Kompetenzstreitereien, Profilierungssucht und «Expertismus» bekundet. Widersprüchliche Äusserungen hätten in der Bevölkerung Ängste geschürt. Die falschen Fallzahlen, die kommuniziert wurden, hätten die Verunsicherung zusätzlich angeheizt. «Lehren müssen nüchtern gezogen werden, wenn genügend Distanz zum akuten Ereignis besteht», so Hauri. Aus seiner Sicht sollte die soziale und psychische Wirkung von Massnahmen vermehrt beachtet werden.

Einschränkungen dürfen nicht zu Altersdiskriminierung führen

Am folgenden Podiums­gespräch nahmen neben Koch und Hauri zusätzlich Martin Pfister, Landammann des Kantons Zug, und vier weitere Fachleute teil. Pfister bemerkte zur Einschränkung der Freiheitsrechte: «Im Kanton Zug haben wir im Gegensatz zu anderen Kantonen keine Leute in Heimen eingeschlossen.»

Seniorinnen und Senioren waren über Altersguillotine empört

Für Martin Kolb, Geschäftsleiter Pro Senectute Zug, machte vor allem das Aufwiegen von wirtschaftlichen Interessen gegen das Leben älteren Menschen zu schaffen. Lukas Bäumle, Vorstandsmitglied SSR, doppelte nach. Als das BAG alle Menschen über 65 dazu aufforderte, zu Hause zu bleiben, seien viele Senioren über diese «Altersguillotine» empört gewesen. Solche Aufforderungen sollen in der nächsten Krise nur an Hochaltrige und Personen mit schwerwiegenden Erkrankungen gerichtet werden.