Kanton
28.03.2022

Verwunschener Ort hinten in der Schlucht

Robert Baccari, Höllgrottenwart, zeigt Details im geheimnisvollen Stollen.
Ein bisschen unscheinbar präsentiert sich der Höllgrotten-Eingang. Die wahre Sensation wartet im Inneren.
Spektakulär: das Innere der Höllgrotten.Bilder: Daniel Frischherz

Robert Baccari, Höllgrottenwart, zeigt Details im geheimnisvollen Stollen.

Robert Baccari, Höllgrottenwart, zeigt Details im geheimnisvollen Stollen.
Ein bisschen unscheinbar präsentiert sich der Höllgrotten-Eingang. Die wahre Sensation wartet im Inneren.
Spektakulär: das Innere der Höllgrotten.Bilder: Daniel Frischherz

Ein bisschen unscheinbar präsentiert sich der Höllgrotten-Eingang. Die wahre Sensation wartet im Inneren.

Robert Baccari, Höllgrottenwart, zeigt Details im geheimnisvollen Stollen.
Ein bisschen unscheinbar präsentiert sich der Höllgrotten-Eingang. Die wahre Sensation wartet im Inneren.
Spektakulär: das Innere der Höllgrotten.Bilder: Daniel Frischherz

Spektakulär: das Innere der Höllgrotten.Bilder: Daniel Frischherz

Die einzigartigen märchenhaften Tropfsteinfantasien lassen Jung und Alt aufleben. Die bekannteste Sehenswürdigkeit des Kantons Zug ist seit 1887 zugänglich. Und ab Freitag wieder offen.

Von: Antonia Jochberg

Die Natur im Kanton Zug hat einiges zu bieten: Der wild­romantische Ort beim Lorzentobel bei Baar zeigt sich mit den Höllgrotten von seiner besten Seite. Unterirdische Seen und Tropfsteingebilde, welche Figuren von Fabel­wesen ähneln, lassen einen in eine märchenhafte Welt eintauchen. Der Weg durch die Grotten führt den riesigen Decken­tropfsteinen (Stalaktiten) entlang und analog, wo sich der Tropfen vom Boden aus strukturiert, türmen sich die stehenden Zapfen (Stalagmiten).

Doch wie entstehtein solches Naturspektakel?

«Speziell an den Höllgrotten ist, dass diese extrem schnell entstanden sind», erzählt ­Robert Baccari, der ­Höll­grottenwart. Sie bildeten sich während einer Zeit von 3000 Jahren, wohingegen andere Höhlen in massiven Felsuntergrund mehrere Millionen Jahre brauchen. Der geologische Prozess und das Entstehen der Grotten sind natürlich sehr kompliziert, vereinfacht aber erklärt Baccari: «Das Zusammen­spiel von Wasser, Kalk und der konstanten Temperatur entfaltet den chemischen Prozess, welcher die immensen Tropfsteine in den Grotten bildeten.»

Ursprünglich wurden die Grotten nach der letzten Eiszeit vor 18 000 Jahren gebildet. Durch die Plattentektonik sind in Zug zwei Erdplatten konvergent aufeinandergestossen, wobei der Zugerberg entstanden ist. Weiter bildete sich aus den Gletscherflüssen vom Ägerital das Lorzentobel. Das ganze Geröll und Gestein der Eiszeit war durchlässig und damit versickerte viel Wasser aus einem höheren Moor­gebiet in Menzingen. Dieses löste sehr viel Kalk, welches an jene Stelle trat, wo sich heute die Höllgrotten befinden. Aufgrund des vielen Wassers entstanden unterirdische Seen, weshalb die Grotte einst nur schwer zugänglich war.

Schon vor etwa150 Jahren entdeckt

Entdeckt wurden die Grotten vor rund 150 Jahren vom Vater des gleichnamigen Sohnes Josef Leonz Schmid. Dies geschah beim Abbau des ­Tuffgesteins, welches für Bau­zwecke genutzt wurde. Der grösste Raum der Höllgrotten wurde 1863 als Erster entdeckt und bekam aufgrund der aussergewöhnlichen Höhe und der kuppelförmigen Decke den Namen Dom. Der Sohn des Entdeckers ordnete 1885 den Bau eines Stollens an, um all die Grottenseen in die Lorze zu entwässern. ­Daraufhin liess die Familie Schmid ein Restaurant erbauen und machte die Höllgrotten zu einer touristischen Attraktion, die nun schon seit 1887 besteht. 1942 errichteten die beiden Enkel des Entdeckers die Familienstiftung Höll­grotten, die noch immer in privatem Besitz ist.

Aus den Hellgrottenwurden die Höllgrotten

«Viele verwechseln die Höll­grotten mit dem Hölloch im Muotatal», meint Baccari. Das Hölloch sei aber eine Höhle, wohingegen die Höllgrotten oberirdisch sind und vielmehr eine Hülle bilden. Der Grotten­wart erzählt, dass hinter der Namensgebung eine besondere Geschichte steckt. Wenn man den langen Weg durch den Wald fährt, kommt man über die Brücke auf die grosse Lichtung, wo sich auch das Restaurant befindet – quasi eine «Tal-Lichtung». Dort war es im Vergleich zum sonst so finsteren Wald also besonders «hell». Als die Grotten in der Nähe der Lichtung entdeckt wurden, taufte man sie aufgrund dessen vorerst «Hellgrotten». Die Leute aber fanden das Adjektiv «hell» zu unpassend für die mystischen Grotten und entwickelten das Narrativ weiter, bis sich aus der Mundart heraus der Name «Höllgrotten» etablierte.

Auch marketingtechnisch wurde mit dem Namen der Grotte gespielt: So wurde passend zur «Hölle» das sogenannte Grottentüüfeli erfunden. Das «Tüüfeli» führt durch die zehn Infostationen im Grottenrundgang und soll von den Kindern gesucht werden. Dies gehörte zum Konzept, welches 2012 zum 125-Jahr-Jubiläum der Eröffnung der 6000 Jahre alten Grotten eingeführt wurde.

Zum innovativen Marketing­konzept gehörten auch die LED-Beleuchtungen, welche die Tropfsteinfiguren in mystischem Licht zeigen, was das Höhlenerlebnis neuartig definiert. Und dies mit Erfolg: Zwischen 50 000 bis 60 000 Be­sucher und Besucherinnen durchlaufen die Höllgrotten jährlich. «Im Kanton Zug sind wir eine der Topsehenswürdigkeiten, weshalb wir auch eine enge Partnerschaft mit Zug Tourismus haben, welche für uns die Führungen organisiert», berichtet Baccari. Zur Zielgruppe gehören vor allem Familien und Schulklassen, aber auch Geologie-Interessierte: «Kinder gehen ganz anders durch die Grotten, da sie eine viel ausgeprägtere Fan­tasie haben», meint Baccari ­begeistert. Ob Schlangen, Krokodile oder Adler: Die wundersamen Tropfsteine wurden stets nach dem benannt, wonach sie aussehen. Wobei der Fantasie keine Grenzen gesetzt sind. Es sei unglaublich spannend, was Kinder im Stollen alles sehen und erleben. Da sie oftmals kaum aus dem Staunen herauskommen, werde für sie sogar eine Zweitrunde gratis angeboten.

Da die Hauptsaison der Höllgrotten-Besichtigung während des Sommers ist, komme es der Kundschaft sehr entgegen, endlich ein kühles Sommerprogramm geniessen zu können: In der Grotte nämlich herrscht eine konstante Temperatur von 10 Grad Celsius (unbedingt einen Pulli mit einpacken!). Die 10 Grad haben nebst der angenehmen Abkühlung für die Sommerbesucher einen weiteren, sehr speziellen Zweck: In der unteren Grotte sind nämlich in einem unterirdischen See fünf Whisky­fässer der Zuger Destillerie Etter gelagert. «Man wollte schauen, wie sich der Whisky bei einer konstanten Temperatur und unter Wasser verhält, was man in einem Kühlraum nie hinbekommen würde», erklärt Baccari. Vor sechs Jahren seien hier die ersten Fässer aus dem See geborgen worden und als Resultat könne man nun den herrlichen «Grotten­whisky» geniessen, was mitunter als Highlight gelte.

Am Freitag, 1. April,öffnen die Grotten wieder

Während des Winters werden die Grotten geschlossen, was der Grottenwart für sehr wichtig hält, denn dann sei sie wieder «Herr ihres eigenen». Er erklärt: «Während dieser Zeit können sich die Grotten regenerieren und ­erholen. ­Sobald man sie im April wieder eröffnet, erscheint einem der Naturort mit seiner Energie wieder ganz anders.» Ein Grotten­durchlauf Anfang Frühling zu erleben, lohne sich daher besonders. Ein Durchgang dauert ungefähr eine Dreiviertelstunde, wobei in der oberen Grotte begonnen wird. Vor allem für die abenteuerlustigen und naturbegeisterten Zugerinnen und Zuger bieten die Höllgrotten das perfekte Erlebnis. Auch ein Wieder­sehen lohnt sich, denn jedes Mal nimmt man wieder andere Fabel­wesen und Formen wahr, welche einen schnell die Zeit vergessen lassen ...

Museen in der Region

Im Kanton Zug und Um­gebung gibt es eine Reihe von sehenswerten Museen. Manche sind bekannt und manche sind völlig unbekannt. In dieser Serie spüren wir allen Museen nach, zeigen, was sie zeigen, und machen so auf die reichhaltigen kulturellen Schätze in unserer Region aufmerksam. Die Beiträge zu den verschiedenen Museen erscheinen in loser Folge. red