Kanton
20.12.2021

«Es läuft vieles sehr gut im Dorf»

Am 1. Januar tritt Fridolin Bossard das Amt des Unterägerer Gemeinde­präsidenten an.Bild: Florian Hofer

Am 1. Januar tritt Fridolin Bossard das Amt des Unterägerer Gemeinde­präsidenten an.Bild: Florian Hofer

Nach dem Rücktritt von Josef Ribary als Gemeindepräsident ist Fridolin Bossard ab dem 1. Januar dessen Nachfolger. Im Interview erklärt er, was er anders machen will.

Von: Florian Hofer

Fridolin Bossard, als Sie in die Politik einstiegen, hatte Sie da schon vor, Gemeindepräsident zu werden?

Nein, wirklich nicht, ich wollte mich einfach politisch betätigen und bin der FDP beigetreten. Als ich dann im Jahr 2016 als Gemeinderat für die Nachfolge von Walter Bruhin angefragt wurde, habe ich es gemacht. Ich habe damals auch gar nicht genau gewusst, auf was ich mich einlassen würde.

Jetzt wissen Sie es?

Allerdings. Die Arbeit im Gemeinderat finde ich hochinteressant. Die Geschäfte im Gemeinderat sind sehr konkret und haben direkten Einfluss auf unsere Gemeinde. Das gefällt mir.

Wie kam es dazu, dass Sie dann als Gemeindepräsident ins Gespräch kamen?

Das war 2018 schon einmal Thema. Ich habe damals gesagt, dass das noch zu früh für mich sei. Wir waren mit der Bossard Schule mitten in einem Entwicklungsprozess. Heute ist die Schule stark aufgestellt. Deshalb habe ich auch zugesagt, als Josef Ribary seinen Rücktritt ankündigte und mich die Partei für seine Nachfolge angefragt hat.

CVP und SVP haben den nicht ganz überraschenden Rücktritt Ribarys während der Legislatur als taktischen Trick verurteilt. Wie viel Taktik gab es?

Ein Rücktritt ist im politischen Betrieb wohl die einzige Entscheidung, die privat ist. Diesen Zeitpunkt muss die Person festlegen, die es betrifft. Selbstverständlich ist aber die Personalpolitik bei einer Partei immer ganz oben auf der Agenda und wird auch intensiv diskutiert.

Was wird nun alles anders, wenn Sie am Ruder sind?

Ich bin nun schon seit fünfeinhalb Jahren im Gemeinderat und habe das Gremium in dieser Zeit mitgeprägt. Es wäre komisch, wenn nun alles anders würde. Es läuft vieles sehr gut im Dorf, in den Gemeinde-Rankings bekommen wird jeweils Spitzenplätze. Das soll so bleiben.

Was ist mit der Ortsplanungsrevision?

Die beschäftigt uns stark. Die müssen wir nun erfolgreich abschliessen. Dann haben wir auch ein Aufgabenheft für die nächsten 15 bis 20 Jahre, wie sich die Gemeinde entwickeln soll. Ziel ist, dass ­Unterägeri ein lebendiges Dorf für Jung und Alt bleiben soll. Ein Ort, wo die Menschen ­gerne wohnen, arbeiten und sich treffen.

Für jungen Leute, die noch keine Familie haben, sei der Ort nicht unbedingt sehr attraktiv, hat der Ortsplaner Marcel Murri angemahnt.

Wir haben natürlich nicht das Angebot einer Stadt und gleichzeitig relativ hohe Wohnungspreise. Für Familien haben wir aber viel zu bieten. Es gibt jetzt Überlegungen, um in gewissen Zonen für ältere Liegenschaften einen Ausnützungsbonus zu schaffen. Für preisgünstigen Wohnungsbau könnten wir auch noch etwas einzonen.

Was kann die Gemeinde bei der Klimapolitik tun?

Wir haben auf dem Gemeindegebiet einen grossen Anteil an Ölheizungen, die einmal durch eine umweltfreundlichere Alternative ersetzt werden müssen. Die Korporation leistet mit der geplanten Holz-Heizzentrale und dem dazugehörenden Wärmeverbund einen wichtigen Beitrag. Es wird aber nicht für die gesamte Gemeinde ausreichen. Weitere innovative Ideen sind gefragt. Die Grundlage dazu will der Gemeinderat in einer gemeindlichen Energieplanung erarbeiten.

Zur Person

Fridolin Bossard ist 1983 in Zug geboren und in Unterägeri aufgewachsen. Nach den Schulen studierte er an der Universität St. Gallen und der Fletcher School in Boston Staatswissenschaften und internationale Beziehungen. Er promovierte in St. Gallen und arbeitete zunächst als Unternehmensberater, um dann Betriebsleiter der Bossard Schule zu werden. Seit 2016 ist der FDP-Politiker als Gemeinderat im Ressort Sicherheit/Dienste tätig. Daneben ist er Präsident von Ägerital-Sattel Tourismus und amtet als Vize-Verwaltungsratspräsident der Ägeriseeschifffahrt AG. Bossard ist verheiratet und hat ein Kind. fh