Kanton
13.12.2021

Die Stadt will das Ensemble gerne kaufen

Die Entscheidung für den Verkauf des Zurlaubenhofs ist der Familie Bossard nicht leicht gefallen. «Das ist emotional kein einfacher Tag heute», sagte Familiensprecher Martin Bossard.

Von: Florian Hofer

Seit 178 Jahren ist die Familie Besitzerin des Areals, das Historiker, wie der Zuger Heinz Greter, als Areal von «nationaler Bedeutung» bezeichnen. Bedeutend deshalb, weil die Familie Zurlauben über Jahrhunderte die Entwicklung der Stadt und auch des Kantons weitgehend prägte, zu den reichsten Einwohnern zählte und sowohl Stadt als auch den Stand politisch lange Zeit vertrat.

Bedeutende barockeHof- und Gartenanlage

Architektonisch handelt es sich um eine bedeutende ba­rocke Hof- und Gartenanlage. Das Hauptgebäude des Zurlaubenhofs wurde im 16., 17. und 18. Jahrhundert vom einfachen Bauernhaus zum Herrensitz umgestaltet. Das Innere des sogenannten Herren­hauses weist zwei bemer­kenswerte Räume auf – den «Festsaal» und das «Braune Zimmer». In den Jahren 1623 und 1624 wurde eine freistehende Kapelle – dem heiligen Konrad gewidmet – errichtet.

Auf dem Areal sollen auchnoch 42 Wohnungen entstehen

Die gesamte Anlage mit einer Grundbuchfläche von 32 470 Quadratmetern einschliesslich den historischen Gebäuden kann für 65 Millionen Franken von der Stadt Zug erworben werden. Stadtpräsident Karl Kobelt berichtet: «Im vergangenen Jahr wurde eine umfassende Prüfung des Kaufes durchgeführt und es fanden diverse Besprechungen mit den Grundeigentümern statt. Das Angebot der Familie Bossard wird als fair beurteilt.» Auch weil beim Verkauf an einen privaten Investor ein deutlich höherer Kaufpreis ­erzielt werden könnte.

Kobelt und Finanzchef ­André Wicki sehen den Kauf als einmalige Gelegenheit und als eine langfristige Investition: «Grund und Boden ist ein knappes Gut in unserer Stadt. Über die künftige Nutzung und Entwicklung des Zurlaubenhofs können wir zum jetzigen Zeitpunkt noch keine ­abschliessenden Aussagen machen. Es ist jedoch die Absicht des Stadtrates, dass der vorliegende, fertig ausgearbeitete Bebauungsplan eingereicht und realisiert werden kann.» Der sieht 42 Wohnungen vor mit Preisen im «mittleren Segment», was einer «massvollen Verdichtung» entspreche, wie Kobelt an der Medienorientierung erklärte. Über den Kauf wird nun zunächst der Grosse Gemeinderat beraten, dann wird das Projekt dem Volk vorgelegt, das voraussichtlich am 15. Mai zur Urne gerufen wird. Der Bebauungsplan, der schon vor Jahren ausgearbeitet wurde, aber zunächst in der Schublade verschwand, soll ebenfalls dem GGR vorgelegt werden – was wohl zu grösseren Diskussionen führen wird – und dann dem fakultativen Referendum unterstellt wird.

Familie Bossard kann das Areal nicht weiter instandhalten

Damit wären die Bemühungen der Familie Bossard, die bereits seit 10 Jahren aktiv an einer Lösung für das Areal, dessen Unterhalt privat nicht finanzierbar ist, einem guten Ende nahe. In den vergangenen Jahren sei die Erkenntnis gereift, «dass die nächste Generation unserer Familie den Zurlaubenhof und die damit verbundenen Aufgaben nicht übernehmen wird», so Martin Bossard. «Wir sind schweren Herzens zum Schluss gekommen, dass eine Trägerschaft das Areal übernehmen soll, die die Kapazität hat, den Erhalt zu gewährleisten», sagt Bossard. Und weiter: «Wir streben eine Nutzung an, die dem Ort Zurlaubenhof gerecht wird.» Aber dennoch: «Die Verantwortung abzugeben nach 178 Jahren ­Familienbesitz tut weh», so Bossard.

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