Gemeinden
13.12.2021

«Es geht um wirtschaftlichen Erfolg»

Nachhaltigkeit, Energiewende und CO2-Foodprint. Das sind Schlagwörter der nächsten Jahrzehnte. Andreas Umbach, Präsident der Zuger Wirtschaftskammer, erklärt, was das für die Wirtschaft in der Region bedeutet.

Von: Florian Hofer

Andreas Umbach, die «Green Check Zug»-Studie hat einiges an Sprengkraft. Denn sie zeigt, dass nachhaltiges Handelnauch im lokalen Bereich möglichist. Müssen sich Zuger Firmenalso mehr anstrengen, um die ambitionierten Klimaziele zu erreichen?

Nachhaltigkeit und die Verringerung des CO2-Ausstosses sind schon heute Topthemen in vielen grossen Unternehmen. Dazu kommt, dass es inzwischen auch eine gesellschaftliche Erwartungshaltung gibt, die man deutlich spürt.

In welchen Bereichen gibt es Potenzial hier vor Ort, um etwas zu tun?

Das ist vor allem in den ­Bereichen Energieeffizienz an alten Gebäuden, Elektromobilität und Fotovoltaik auf den Zuger Dächern der Fall. Dort ist das Potenzial besonders gross. Ein Teil meiner Arbeit als Präsident der Zuger Wirtschaftskammer besteht darin, die CO2-Skeptiker davon zu überzeugen, dass fossile Brennstoffe einen extrem schlechten Wirkungsgrad haben. Der steigende Einsatz von Elektrofahrzeugen und Fotovoltaikanlagen wird einen grossen Schub bringen.

Wie sieht das in der Baubranche aus?

In Sachen Nachhaltigkeit sind wir bei Neubau in der Schweiz und besonders auch in Zug Weltmeister. Wenn gebaut wird, werden sehr hohe Standards gesetzt. Im Neubau kommen bei Heizungen de ­facto keine fossilen Brennstoffe mehr zum Einsatz.

Warum ist Ihnen das Thema so wichtig?

Diese Problematik betrifft die ganze Welt, überall auf der Welt werden die Wirtschaftsunternehmen etwas tun müssen, doch auch hier vor Ort besteht Handlungsbedarf. Ich bin der Über­zeugung, dass sich die Nachhaltigkeit zu einem ganz wesentlichen Standortfaktor entwickeln wird. Zug soll auch in 20 Jahren noch so gut dastehen wie heute. Firmen, die bei diesen Themen nicht mitziehen, werden es in Zukunft schwerer haben. Selbst die Zulieferer der grossen globalen Konzerne werden einen CO2-Footprint nachweisen müssen. Es geht hier also auch um wirtschaftlichen Erfolg.

Warum haben Sie die Studie in Auftrag gegeben?

Es hat sich herausgestellt, dass niemand hier im Kanton wusste, wie gross die Emissionen in Zug sind. Das wollten wir ändern.

Wie wollen Sie als Wirtschaftskammer jetzt vorgehen? Die Erkenntnisse aus der Studie sollten auch umgesetzt werden.

Ich stelle mir eine Allianz vor von Zuger Wirtschaftsunternehmen, die freiwillig und pragmatisch mit der Unterstützung von Politik und Behörden hier vor Ort etwas zur Reduktion von CO2 tun wollen. Wenn wir Netto-Null erreichen wollen, brauchen wir ebendiese Zusammenarbeit mit den Behörden und anreizfördernde Rahmenbedingen. Wir wollen auch dazu beitragen, dass die Anzahl Firmen steigt, die Massnahmen zur Vermeidung von fossilen Brennstoffen suchen. Der Ansatz ist motivieren und aufklären. Dabei geht es auch nicht um umweltpolitische Utopien. Wir haben in der Studie nur Technologien und Massnahmen benutzt, die bezahl- und machbar sind. Windenergie zum Beispiel, von der ich grundsätzlich ein Verfechter bin, lassen sich in Zug aus Landschaftsschutzgründen nicht zeitnah realisieren.

Gibt es denn schon Reaktionen bei Kanton oder Behörden?

Das Interesse ist gross, man stimmt uns zu, dass das Thema sehr wichtig ist, und der Austausch intensiviert sich zwischen der Wirtschaft und dem Kanton. Noch spüre ich einfach eine gewisse Zurückhaltung bei konkreten Massnahmen.