17.08.2021

Viele Vorschläge – kein Plan

Der Abstimmungskampf 2015 zum Thema Stadttunnel war heiss und endete mit einer Ablehnung des ambitionierten Vorhabens.

Der Abstimmungskampf 2015 zum Thema Stadttunnel war heiss und endete mit einer Ablehnung des ambitionierten Vorhabens.

Bis in Zug ein «einfacher Zentrumstunnel» realisiert werden kann, dürfte noch geraume Zeit vergehen. Zunächst muss die Ortsplanungsrevision Klarheit bringen. Ideen gibt es einige.

«Die Beantwortung dieser Fragen wird im Rahmen der Ortsplanungsrevision vorgenommen», bestätigt Stadtpräsident Karl Kobelt mit Verweis auf einen Zwischenbericht der Stadt vom Mai dieses Jahres als Antwort auf eine Interpellation der CSP und der ALG. «Über diesen Zwischenbericht hinaus können wir derzeit trotz positiver Rückmeldungen im zweiten Mitwirkungsverfahren keine weiteren Informationen geben, da der Stadtrat diesbezüglich im Rahmen der Ortsplanungs­revision zuerst eine Strategie festlegen und verabschieden muss.» Das ist die derzeitige Standardantwort der Stadt Zug auf einige politische Vorstösse zum Thema 
Den ersten nach der missglückten Tunnelabstimmung vom Juni 2016 machte die FDP. Sie wagte sich schon im Mai 2018 aus der Deckung und fragte in einem Postulat, wann denn angepasste Umfahrungs- oder Unterfahrungsvarianten erarbeitet werden würden. Die Antwort der Stadt, damals wie heute: Man wolle die anstehende Ortsplanungsrevision nutzen und in diesem Zusammenhang auch ein Mobilitätskonzept erarbeiten.

Konzept des VCS wurde verworfen

Ein solches hatte der VCS Zug mit einem «Promenade Zug» genannten Konzept auch schon versucht vorzulegen. Unter anderem wurde dabei vorgeschlagen, mit einem grossen Einbahnring eine vom motorisierten Verkehr befreite Zone zwischen Gubelstrasse und Postplatz sowie einer Fussgänger-Velozone am See zu realisieren. Das hatten dann CSP und ALG in einer Interpellation zum Thema gemacht und sich von der Stadt zwar eine Abfuhr eingehandelt, den Stadtrat jedoch immerhin zur Aussage in Sachen «einfacher Zentrumstunnel» und der damit verbundenen neuen Praxis der Stadt, die Erschliessungsflächen bereits jetzt nicht mehr bebauen zu lassen – im Vorgriff auf neue Planungsperimeter, die allerdings erst beschlossen werden müssen – gezwungen. Zum sich anbahnenden Tunnelprojekt sagt Grünen-Fraktionschef im Grossen Gemeinderat, Stefan Hodel: Es gibt keine Lösung mit einem einfachen Zentrumstunnel. Der Verkehr in der Stadt Zug ist zu einem grossen Teil hausgemacht.» Es sei zudem «ein Unsinn, 1400 Kilogramm Material, das Gewicht eines Autos, zu bewegen um 70 Kilogramm Mensch zu transportieren.»

SVP macht sich für Neuauflage der alten Pläne stark 

Die dritte Partei, die nun auf den Tunnelzug aufgesprungen ist, ist die SVP. Bei der Einreichung einer entsprechenden Motion im April dieses Jahres hatte SVP-Präsident Gregor Bruhin gesagt: «Wir wollen den Tunnel immer noch und wir wollen ihn schnell.» Damalige Versprechen seitens der Gegner des Stadttunnelprojekts, tragfähige Alterna­tiven aufzu­zeigen, seien nicht eingelöst worden. «Im Gegenteil: Die ­damaligen gegnerischen Exponenten sind von der Bildfläche verschwunden», ärgert sich Bruhin. Die Beantwortung dieser Motion ist laut Stadträtin Eliane Birchmeier in der zweiten Jahreshälfte vorgesehen. Unabhängig von der konkreten Beantwortung gelte jedoch, dass die Stadt in Sachen Tunnel eine «Vorwärtsstrategie» fahre, allfällige Aussagen dennoch erst im Rahmen der Ortsplanungsrevision samt Mobilitätskonzept gemacht würden. 

FDP will das Internet der Dinge miteinbeziehen

Elisabeth Glas ist inzwischen neue Stadtzuger FDP-Präsidentin. Sie erklärte auf Anfrage gegenüber unserer Zeitung, seitens der FDP wolle man die Diskussion, «wie wir uns mittel- und langfristig in der Stadt bewegen werden, öffnen und auf eine neue Stufe heben». Inhaltlich werde es um Fragen gehen, «wie die Internet-of-Things-Technologien unsere Fortbewegung verbessern können und dabei die vielfältigen Bedürfnisse sowohl der Stadtbürger als auch der Stadtbesucher ins Zentrum stellen». Und kündigt an: «Wir werden unsere Stossrichtung mit einem neuen Vorstoss bekräftigen und übergeordnete liberale Leitplanken für die Mobilitätsplanung in der Stadt Zug setzen.»