29.06.2021

Es geht heute darum, ein Teil der Gesellschaft zu sein

Antonio Gallego (links) wird seine Funktion als Vorsitzender der Geschäfts­leitung per 1. Juli seinem Nachfolger René Landolt übergeben.

Antonio Gallego (links) wird seine Funktion als Vorsitzender der Geschäfts­leitung per 1. Juli seinem Nachfolger René Landolt übergeben.

Agil sein, neue Arbeitsmärkte erschliessen, Entwicklungen in der Betreuung beherzigen – die Bandbreite der Führungsaufgaben in der Zuwebe ist breit.

Die Zuwebe ist für Erwachsene mit einer Beeinträchtigung die wichtigste Institution in der Region (siehe blaue Spalte). Vor knapp neun Jahren übernahm Antonio Gallego den Vorsitz der Geschäftsleitung. In dieser Funktion legte er besonderen Wert darauf, in der Führung und im Gesamtunternehmen eine gemeinsame Sprache, eine Unternehmenskultur zu entwickeln. Die Quintessenz dieses Prozesses ist in einem Buch festgehalten. «Unser Konzept für die professionelle Begleitarbeit ist wie ein Fussballspielfeld, es gibt einen Rahmen und darin viele Freiheiten», so Gallego. Corona sei allerdings ein Kulturkiller: «Jetzt trifft man sich nicht mehr, der gruppen­dynamische Teil ist massiv reduziert.» 

Neuer Geschäftsführer kennt 
die Institution bereits bestens
Den regelmässigen Austausch in der Gruppe vermisst auch René Landolt, seit fünf Jahren Bereichsleiter Arbeit in der Zuwebe. Im Sommer wird er Antonio Gallego als Vorsitzender der Geschäftsleitung folgen. Langjährige Erfahrung im Bereich Wohnen bringt er aus einer früheren Funktion mit. «Ich kenne die Thematik der Menschen mit einer Beeinträchtigung sehr gut und freue mich auf die neue Aufgabe», so Landolt. Im Bereich Arbeit hat sich in den letzten Jahren viel getan. «Rückblickend hatten wir einst ein Dasein unter der Käseglocke, da waren wir sehr geschützt», sagt Antonio Gallego. Doch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen haben sich verändert. «Wir haben uns aufgemacht, wir sind Teil der Gesellschaft und der Wirtschaft. Wir müssen anschlussfähig sein, damit wir Arbeit haben.» 

Mit den Entwicklungen 
mitgehen
Heute ist die Zuwebe breit aufgestellt. Neue Geschäftsfelder, etwa in der Gastronomie und im Gartenunterhalt, wurden erschlossen. Dabei kann die Zuwebe einen allgemeinen Trend nicht ignorieren: die Di­gitalisierung. «Unser Bestreben ist es, mit diesen Entwicklungen mitzugehen», erklärt René Land­olt. Es gehe darum, diese neuen Technologien so einzusetzen, dass sie die Arbeitnehmenden unterstützen. Landolt erwähnt zum Beispiel das Lager, in dem Pakete versandbereit gemacht werden und ein Scanner den Inhalt nochmals prüft. Oder Werkzeuge, die so computergesteuert werden, dass sie gewisse Bewegungen selber ausführen und den Arbeitnehmenden dadurch mehr Handlungsspielraum ermöglichen. Geht es darum, zu investieren, um Arbeitsbereiche weiterentwickeln zu können, erhält die Zuwebe viel Unterstützung von Stiftungen. «Ein Kunde wartet mit seinem Auftrag nicht zu, bis ein Bewilligungsprozess in der Verwaltung durch ist, das kann bis zu einem Jahr dauern», erläutert Gallego. «Über Stiftungen sind wir schneller und einfacher am Ziel, deshalb sind Spenden für uns wichtig. Wir machen meist ein Fundraising, zum Beispiel für das Restaurant Intermezzo in Zug liefen alle Investitionen, eine halbe Millionen Franken, über Spenden», so Gallego. 

Kantonales Sparprogramm 
hat bis heute Auswirkungen
Auf Spenden angewiesen ist die Zuwebe auch, weil die Leistungsvereinbarung mit dem Kanton immer wieder neu ausgehandelt wird. Als der Kanton einen längerfristigen Finanzengpass prognostizierte, wurde deutlich, dass die Zuwebe ab 2017 pro Jahr 1,3 bis 1,6 Millionen Franken weniger erhält. Unter anderem gab es Einsparungen beim Personal. «Doch wir sind als Arbeitgeber konkurrenzfähig», ist Antonio Gallego überzeugt. Bei einer Lohnerhebung in der Deutschschweiz habe sich gezeigt, dass sich die Institution im Mittelfeld bewege. Viel Wert legt die Zuwebe auf die Weiterbildung der Angestellten. Das Budget sieht dafür 250 000 Franken pro Jahr vor. 
René Landolt ist sich sicher, dass die Zuwebe gut aufgestellt ist. Beschäftigen werden ihn Themen wie die weitere Individualisierung, um Klienten das passende Mass an Betreuung und Autonomie gewähren zu können. Im Arbeitsmarkt hofft er, dass, durch Corona ausgelöst, gewisse Produktionen in die Schweiz zurückkehren. «Beispielsweise für die Produktion von Masken wären wir verlässliche Partner.» Seit einem Jahr ist die Zuwebe, ursprünglich ein Verein, eine Stiftung. Antonio Gallego sagt: «Ich bin dem Stiftungsrat sehr dankbar. Ich finde, wir haben einen mutigen, visionären, menschlich und fachlich gut besetzten Rat.»