29.06.2021

Die Pflanzenwelt unserer Zukunft erleben

Raphael Vogel und Janna Ottiger freuen sich auf viele Besucher im Klimagarten 2085.

Raphael Vogel und Janna Ottiger freuen sich auf viele Besucher im Klimagarten 2085.

Mit dem Projekt Klima­garten 2085 zeigt der LBBZ Schluechthof Cham Inte­ressierten und Schulklassen, welche Einflüsse der Klimawandel auf unsere Nutzpflanzen hat.

Der LBBZ Schluechthof ist das landwirtschaftliche Bildungs- und Beratungszentrum des Kantons Zug. Hier werden Landwirte aus- und weitergebildet. Aber nicht nur: Familien können Tiere und den Spielplatz besuchen; ein Hofladen bietet Produkte an. Neu können Interessierte zudem den Klimagarten besichtigen. «Alle sind herzlich willkommen, von Einzelpersonen, Familien, Vereinen bis zu Schulklassen», sagt Projektleiterin Janna Ottiger.

Ein Projekt mit drei 
verschiedenen Szenarien 
 In zwei Gewächshäusern hinter dem Spielplatz werden folgende Klimaszenarien simuliert: Im ersten wird die Temperatur auf +3 Grad über den heutigen Durchschnittstemperaturen der Sommermonate eingestellt, im zweiten Gewächshaus ist die Temperatur auf +6 Grad eingestellt. Das Szenario von +3 °C simuliert die Bedingungen, die erwartet werden, wenn die Treibhausgasemissionen um mindestens 50 Prozent reduziert werden. 
Das zweite Szenario simuliert die fortschreitende globale Erwärmung ohne weitere klimapolitische Massnahmen. Raps, Sonnenblumen, Weizen, Mais, Kartoffeln und andere Kulturpflanzen wurden sowohl in den Gewächshäusern als auch auf einer angrenzenden Freifläche angepflanzt. In jedem Gewächshaus wurden die Pflanzenarten doppelt in zwei Reihen angepflanzt. 
Eine Reihe erhält 30 Prozent weniger Wasser als die andere. Damit ist ein Vergleich möglich zwischen dem, was wir heute anpflanzen und essen, und dem, was uns in Zukunft erwarten könnte. Das Projekt stammt von der ETH Zürich und der Universität Zürich und wird schweizweit seit 2016 an mehreren Standorten durchgeführt.

Erste Erkenntnisse zeigen starke Unterschiede auf
Mit dem Klimagarten wird deutlich, welche Nutzpflanzen von den veränderten Bedingungen profitieren und welche Pflanzen Mühe damit haben. «In den Treibhäusern sieht man deutliche Unterschiede», sagt Raphael Vogel. Der 27-Jährige ist Lehrer und Berater beim Schluechthof. Wie die einzelnen Pflanzensorten reagieren werden, sei absehbar gewesen. Doch auch für ihn ist es eindrücklich, das Resultat hautnah zu erleben. Doch einfach ist die Umsetzung nicht. «Es ist kein wissenschaftlich exakter Versuch», so Vogel weiter. Die Regulierung der Temperatur mittels Sensoren und mehr oder weniger geöffneter Fenster ist nur eine der Herausforderungen. «Das Ziel ist, möglichst realistische Voraussetzungen zu schaffen», sagt Janna Ottiger. Die 25-Jährige ist vom Klimagarten begeistert. «Es ist spannend, das Projekt zu begleiten. Ich hätte nicht gedacht, wie unterschiedlich die Pflanzen wachsen.»

Ein Besuch des 
Klimagartens lohnt sich
Mit dem Projekt hat die ­breite Öffentlichkeit jetzt selber die Gelegenheit, die Auswirkungen des Klimawandels auf Nutzpflanzen mitzuverfolgen. Auf www.klimagarten.­schluechthof.ch erhalten Interessierte weitere Informationen und Angaben für eine Anmeldung. Ab Ende Juli sind zudem Workshops geplant. 
Das Projekt Klimagarten 2085 des Chamer Schluecht-hofs ist auch in den sozialen Medien präsent. So wurde beispielsweise ein Zeitraffer ­aufgeschaltet. 
Nicht nur für die Öffentlichkeit bringt das Projekt Erkenntnisse. Auch die Schülerinnen und Schüler des Schluechthofs profitieren davon. «Wir werden im Herbst Diskussionsrunden starten», ergänzt Vogel.