| «Habe mich noch nie krass verletzt»
Drei Jugendliche frönen einem gefährlichen Hobby: Mit Rollbrett und Bike springen sie von Felswänden
 |   Der 18-jährige Pascal Nussbaumer mit seinem Bike im freien Flug. Foto MAB
| Waghalsige Sprünge und gefährliche Stürze gefilmt und abgemischt mit passender Musik: Drei Ägerer Männer produzieren ihre eigenen Sportvideos.
Sie sind jung und suchen den Kick im Leben. Mit Rollbrett und speziell für Extremsport konzipierten Bikes befahren sie in Ägeri nicht nur Trottoirs und Strassen, sondern springen vor allem über fünf Meter hohe Felswände oder 11-stufige Treppen. Man nennt es «extrem freeride»oder «biketrial». Bezeichnungen, die auf einen Extremsport verweisen. Der ständigen Angst im Nacken schenken die drei Jugendlichen aus Ägeri nicht viel Beachtung. «Es ist eben genau die Bezwingung der Furcht, die den Adrenalinspiegel ins Grenzenlose schiessen lässt und uns so abhängig von diesem Sport macht», erklärt der 18-jährige Extrem-Freerider Pascal Nussbaumer.
Chronische Schürfwunden Zusammen mit Andreas Wiget und Jean-Michel Scheidegger gründeten die drei für ihre Passion extra die Gruppe «United Freestyle Sports». Unter dieser trifft man sich jeweils abends und an den Wochenenden in Ägeri oder sonst irgendwo in der Schweiz. Für das aktuelle Video sind sogar Aufnahmen in Frankreich geplant. Während der Zusammenkünfte fahren die Boys ihre Sprünge ab und versuchen neue – immer an der Grenze des Gefährlichen. Abwechslungsweise filmt einer die gemachten Kunststücke. Sobald genügend Sprünge bildlich festgehalten wurden, schneidet Andreas Wiget diese zu einem sehenswerten Video zusammen. «Wir sind spontan auf die Idee gekommen. Mehr durch einen Zufall als durch Absicht. Man hat doch einfach mehr davon, wenn die eigenen Sprünge auf einem Video festgehalten werden», erinnert sich Andreas Wiget zur Videoidee. Für den frischgebackenen 18-jährigen HMS-Absolventen sind dabei die vielen Schürfungen, die chronisch eingefangen werden, Mittel zum Zweck. «Der Weg zu unseren Zielen führt übers Leiden. Aber wir empfinden die Schmerzen nicht als solche. Irgendwie härtet man mit der Zeit ab, und so richtig krass verletzt hat sich zum Glück noch niemand bei uns.»
Teures Hobby Günstig ist das Hobby nicht. Für ein Basic Bike zahlen Pascal Nussbaumer und Jean-Michel Scheidegger zwischen 3000 bis 10 000 Franken. Und die vielen Teile, die immer wieder durch die starke Abnutzung ausgewechselt werden müssen, beanspruchen das bescheidene Lehrlingsbudget arg. Auch das Rollbrett von Andreas Wiget kostet stolze 300 Franken.
Bei einem Verschleiss von zwölf Brettern pro Jahr summiert sich auch diese Anschaffung. Doch ans Aufhören denken die drei Grenzgänger nicht. «Wir versuchen mit unseren Sportgeräten, an die eigenen Grenze zu gelangen, sowohl physisch als auch psychisch. Ehe wir die nicht erreicht haben, hören wir nicht auf», äussert sich Jean-Michel Scheidegger dazu.
Filme kommen an Dass die jungen Männer mit ihren selbst fabrizierten Videos nicht nur in den eigenen vier Wänden ankommen, beweist das Interesse des Luzerner Partylokals Schüür. Wenn alles klappen sollte, werden die Ägerer Ende Winter ihre Videos einem breiten Publikum präsentieren können.
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